Scharia, Juden und Oliven


Foto: pixabay.com/RDF
Das Todesurteil für die „jüdischen“ Olivenbäume der Türkei und die angebliche Vereinbarkeit der Scharia mit den Menschenrechten

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Nachdem die AKP-Islamofaschisten die Gewaltenteilung in der Türkei mit der Verfassungsänderung vom vergangenen April durch einseitige Berichterstattung in den von ihnen gesteuerten Medien sowie Medienzensur, massivste Einschüchterungen der Bevölkerung und systematischen Wahlbetrug beseitigen konnten, hat nun auch die letzte Stunde der türkischen Olivenbäume geschlagen. Die AKP-Bande hatte zuvor während Jahren versucht, insbesondere die Olivenhaine der Ägäis abzuholzen, was bis anhin durch Gerichtsentscheide teilweise verhindert werden konnte. Da in der heutigen Türkei Gerichte keine eigenständige Rolle mehr spielen und in faktischer Hinsicht genauso wie das türkische Parlament nur noch Akklamationsinstanzen des Diktators darstellen, gibt es leider nichts mehr, was die Islamofaschisten von diesem Vorhaben noch abhalten könnte.

Die insbesondere an der türkischen Ägäis-Küste seit Jahrhunderten wachsenden Olivenbäume sind der geldgierigen AKP-Clique und dem noch geldgierigeren Diktator, der dazu noch an einer Bau-Megalonomie leidet, schon lange ein Dorn im Auge, weil diese Bäume wertvollem Bauland Platz wegnehmen würden, so wie diese Leute es ausdrücken. Vor einigen Tagen konnte nun das entsprechende Gesetzespaket die vorberatende Industriekommission des türkischen Parlaments passieren und wird demnächst vom Parlament durchgewunken. Die Landwirtschaftskommission, die bei einem derart wichtigen landwirtschaftspolitischen Entscheid klar zuständig wäre, wurde nicht einmal angehört, geschweige denn irgendwelche Einwände aus der Opposition, aus dem betroffenen Industriezweig oder von der Bevölkerung. Die Olivenhaine, welche die Landschaft der Ägäis aber auch das Leben und die Kultur dieser Region seit Jahrhunderten prägen, dürften demnächst der Vergangenheit angehören.

Dass es jetzt so einfach und so schnell ging, sollte nicht davor hinwegtäuschen, dass die AKP-Islamofaschisten für dieses Ziel sehr lange gekämpft haben und dabei keine Mittel scheuten, um die Olivenbäume schlecht zu machen. Sie führten sogar eine regelrechte Hasskampagne gegen die Olive. Das ist durchaus keine Übertreibung. Im November 2014 ging dies so weit, dass sie den Hashtag #ZeytinAlmıyoruz auf Twitter verbreiteten, was so viel heißt wie „Wir kaufen keine Oliven!“. Dabei wurde von der AKP-Propaganda unter anderem auch behauptet, dass der Olivenbaum ein „jüdischer Baum“ sei und deshalb sämtliche Olivenbäume der Türkei abgeholzt werden müssten. Die nachfolgende antisemitische Darstellung mit Text, die damals in den sozialen Medien verbreitet wurde, gibt eine bemerkenswerte Begründung dafür ab, die ich nachfolgend übersetzen und anschließend kommentieren werde.

(Türkische antisemitische Karikatur mit Text aus dem Jahr 2014)

„Weshalb sollten Olivenbäume gefällt werden??

(In einer Zeit) in der Nähe des Jüngsten Tages wird es einen Krieg zwischen den Muslimen und den Juden geben. Die Muslime werden von diesem Krieg als Sieger hervorgehen. Es wird sich so verhalten, dass die Juden sich hinter den Bäumen und den Steinen verstecken werden; die Bäume und die Steine werden jedoch Nachricht darüber geben und sagen „Hey Muslim, was sich hinter mir befindet, ist ein Jude. Komm geschwind und töte ihn!”.

Aber nur der Olivenbaum wird keine Nachricht darüber geben, weil dieser ein Judenbaum ist. Heute ermutigt Israel alle Länder, dass diese Olivenbäume pflanzen. Sie wissen nämlich, dass diese Bäume die Juden beschützen werden.

(es folgt die krass antisemitische Darstellung eines Juden; „zeytin ağacı” bedeutet Olivenbaum)

Gestern hat Israel versucht, um das Fällen der Olivenbäume zu verhindern, den Bau des Wärmekraftwerks in Soma zu stoppen und hat dies mit der Unterstützung des Danıştay (Türkischer Staatsrat, sprich das höchste türkische Verwaltungsgericht) geschafft. Aber unsere Regierung hat trotz dieses Entscheids des Danıştay das Fällen der Bäume fortgesetzt und hat damit sämtliche Pläne Israels vereitelt.

Es ist geplant, dass sämtliche Olivenbäume in der Türkei innerhalb von drei Jahren gefällt werden; auf diese Art und Weise wird man Israel einen großen Schlag versetzen.

Aber es reicht nicht, nur die Bäume zu fällen. Unsere Nation sollte die ihr zukommende Pflicht erfüllen und von dieser Stunde an keine Oliven mehr gebrauchen und sollte sich damit nicht zu einem Werkzeug dieses Spiels machen lassen.

Werde nicht zum Spielball, o Ottomanensohn!

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2 Gedanken zu “Scharia, Juden und Oliven

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