„Ich bin gegen ein zu starkes Auseinanderdividieren von Kirche und Staat“


Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehemalige Bundesjustizministerin der FDP (imago / IPON)
Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat Angriffe auf Kirchen aus dem rechten politischen Spektrum kritisiert. Sie forderte eine reifere Debatte über Religion: „Der säkulare Staat kann auf moralische Ressourcen der Religionen nicht verzichten“, sagte die ehemalige Bundesjustizministerin im Dlf.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Wir berichten ausführlich über Kirchentage, aber wir berichten auch – verzeihen Sie bitte diese unsinnige Formulierung – über jüdische Kirchentage und über atheistische Kirchentage. Doch, obwohl die Formulierung Unsinn ist, ein Fünkchen Wahrheit ist dran, denn zumindest, was die Form betrifft, erinnert der Humanistentag durchaus an Kirchentage. Er findet an einem langen Wochenende mit Brückentag statt. Es gibt Podien und Konzerte und Kabarett. Es gibt auch einen „Markt der Möglichkeiten“. Nur Gottesdienste, die gibt es eher nicht auf diesem Kirchentag für Konfessionslose und andere Interessierte. Heute beginnt der Humanistentag in Nürnberg, der bis zum Sonntag geht. Wir wollen jetzt nicht mit den Veranstaltern, dem Humanistischen Verband sprechen, sondern mit einer, die vielleicht die Prominenteste ist auf diesem Humanistentag, mit einer ehemaligen Bundesjustizministerin, mit der FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Und, weil heute Feiertag ist in Bayern, zeichnen wir das Gespräch auf. Frau Leutheusser-Schnarrenberger, danke, dass Sie ins BR Studio in München gekommen sind und guten Morgen.

Sabine Leutheusser Schnarrenberger: Guten Morgen, Herr Main.

Main: Frau Leutheusser-Schnarrenberger, nicht, um Ihnen jetzt irgendwelche Bekenntnisse abzuringen, das ist nicht unser Stil, sondern einfach, um der Transparenz willen. Sind Sie konfessionslos?

Leutheusser-Schnarrenberger: Ich bin nicht konfessionslos. Ich bin Mitglied der Evangelischen Kirche.

Main: Das heißt, entweder hat der Humanistische Verband das nicht genau überprüft oder er ist so offen, dass auch evangelische Christen dort auftreten dürfen.

Leutheusser-Schnarrenberger: Ich nehme an, er ist so offen. Ich werde ja auch immer mal wieder zum Katholischen Kirchentag, aber nicht immer, eingeladen. Also, ich denke, der Humanistische Verband wird mit seinem Humanistentag diese Offenheit auf alle Fälle haben und auch haben müssen, denn ich verstehe ihn nicht als einen Gegensatz zu Kirchentagen, sondern als eine wichtige Ergänzung in unserer offenen Gesellschaft.

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