Den Islam von den Terroristen zurückerobern

Bei einem Friedensmarsch demonstrieren mehrere hundert Menschen gegen islamistischen Terror. (Foto: dpa)
  • In Köln haben mehrere Hundert Menschen, darunter viele Muslime, unter dem Motto „Nicht mit uns“ gegen islamistischen Terror demonstriert.
  • Die Veranstalter der Demo, Autorin Lamya Kaddor und Friedensaktivist Tarek Mohamad, sind vom Zuspruch dennoch enttäuscht.
  • Sie hatten mit bis zu 10000 Teilnehmern gerechnet.

Von Jan Bielicki | Süddeutsche.de

Ahmad, Basel und ihre Freunde sind eigens aus Wuppertal gekommen. „Wir sind alle Syrer“, sagt Ahmad, und was die jungen Flüchtlinge am Samstag auf den Kölner Heumarkt geführt hat, haben sie auf kleine Plakate geschrieben. „Wir sind gegen Terror“, steht da und, gegen islamistischen Terror und Syriens Diktator gerichtet: „Isis = Assad“. „Diktatoren machen Terrorismus“, erklärt Basel auf deutsch und nochmal auf englisch. Hamed dagegen ist Deutscher, „ein deutscher Muslim“, sagt er. Der junge Mann hat sich einen Turban um den Kopf gebunden und sich in eine Europa-Fahne gewickelt, „um zu zeigen, dass Islam und europäische Demokratie zusammengehören“.

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Homo-Ehe: Katholiken halten sich raus

Der katholische Stadtdekan hält sich aus den Angelegenheiten der evangelischen Kirche raus. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
In der evangelischen Kirche ist bezüglich des Streits um die Homo-Ehe offiziell Funkstille ausgebrochen. Bei der katholischen Kirche braucht’s das nicht: Dort sind Segnungen von Schwulen und Lesben so oder so verboten.

Von Martin Haar | Stuttgarter Nachrichten

Die evangelische Kirche versucht die Wogen im Streit um die Homo-Ehe zu glätten. Nach anfänglich harten Debatten und Vorwürfen aus konservativen Kirchenkreisen gegenüber der Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold („Wir brauchen eine Öffnung zur Homo-Ehe, sonst nimmt die Kirche schaden“), ist nun offiziell Funkstille eingetreten. Keiner mag vor einer Diskussionsrunde zum Thema am 24. Juni in Bad Boll für noch größere Unruhe sorgen. Auch Arnolds Vorgänger, Alt-Prälat Ulrich Mack, hält sich daher bewusst zurück. Er sagt lediglich: „Ich äußere mich öffentlich nicht dazu. Das ist guter Usus bei uns.“

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Wo Esoterik und Reichsbürgerdenken sich begegnen

Bild: BR.de
Esoterik boomt – das haben inzwischen auch rechte Gruppierungen erkannt. Beim Freidenker-Stammtisch Nandlstadt vernetzt sich die Reichsbürger- mit der Esoterikszene. Veronika Wawatschek war vor Ort.

Von Veronika Wawatschek | BR.de

Ein Freitagabend auf dem Huberhof in Airischwand im nördlichen Landkreis Freising. Etwa 80 Leute sind in die Gastwirtschaft gekommen – um bei Radlerhalbe und Jägerschnitzel etwas über frühere Leben zu erfahren: durch die sogenannte Rückführungstherapie. Die gebürtige Slowenin Vesna Božič Mauko ist eigentlich Dolmetscherin. Vor elf Jahren hat sie sich vom Elektroingenieur Jan Erik Sigdell zur Rückführungstherapeutin ausbilden lassen. Sie sagt: Wer anderen Schlechtes antue, werde das in einem späteren Leben selbst erleben – also etwa der dunkelhäutige Schweizer, der unter seiner Hautfarbe litt.

„In der Rückführung hat sich herausgestellt, dass er in drei Leben vor dem heutigen, Menschen diskriminiert hat. Und deswegen muss er eben in diesem Leben als Schwarzer in der Schweiz leben“, lautet Božič Maukos Erklärung.

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Papst empfängt Merkel zu Privataudienz – Wahlkampfhilfe

Merkel im Vatikan – APA/AFP/VINCENZO PINTO
„Danke, dass ich wieder hier sein kann“, sagte die deutsche Kanzlerin zu Beginn des Treffens. Im Mittelpunkt des Gespräches dürften die Schwerpunkte des G-20-Gipfels stehen.

Die Presse.com

Papst Franziskus hat die deutsche Kanzlerin Angela Merkel am Samstag in Rom zu ihrer bereits vierten Privataudienz empfangen. „Danke, dass ich wieder hier sein kann“, sagte die Kanzlerin zu Beginn des Treffens.

Im Mittelpunkt des Gespräches dürften die Schwerpunkte des G-20-Gipfels in Hamburg Anfang Juli stehen, der von Merkel geleitet wird. Fortschritte bei zentralen Themen wie Freihandel, Klimaschutz, Migration sowie beim Kampf gegen Armut sind wegen der Abschottungspolitik von US-Präsident Donald Trump fraglich. Die Protestantin Merkel dürfte sich vom Papst Rückendeckung erwarten: beide stehen bei vielen Themen inhaltlich eng beieinander.

Papst Franziskus bricht mit dem Empfang der Kanzlerin mit einem ungeschriebenen Gesetz im Vatikan: Eigentlich werden keine Spitzenpolitiker im Wahlkampf empfangen. Der Kirchenstaat ist in solchen Fällen um Neutralität bemüht.

«Tot und wieder lebendig»: Gläubige berichten von Wunderheilungen

Ein Pastor stirbt und wird von Jesus wieder zurück auf die Erde geschickt.

Von Hugo Stamm | Sektenblog-watson

Unsere technisch und wissenschaftlich geprägte Welt wird immer wunderlicher, denn trotz geistigem Fortschritt sind heute Wunder überall. Ganz nach dem Motto: Je mehr wir wissen, desto mehr glauben wir an Wunder. Ein Paradox, dachten wir doch immer, je mehr wir wissen, desto weniger müssen wir glauben.

Dieses Phänomen verdanken wir dem Glauben, der oft in den Aberglauben abdriftet. Verantwortlich dafür sind vor allem Esoterik, Alternativmedizin und frömmlerisches Christentum.

Wie sich Wunder bei den Christen freikirchlicher Couleur präsentieren oder anfühlen, dokumentiert die Internet-Plattform wunder-heute.tv. Der Titel einer Rubrik auf dem Portal ist Programm: «Tot und wieder lebendig».

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Auseinandersetzungen um Bibel, Koran und Tora

Themenbild. 4ever.eu
Hochkarätig besetztes Podium am Exzellenzcluster diskutiert unterschiedliche Lesarten der Heiligen Schriften – Islamwissenschaftlerin Angelika Neuwirth, Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann und Judaist Ottfried Fraisse kommende Woche in Münster erwartet –Kooperation der WWU mit der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Der unterschiedliche Umgang von Christen, Muslimen und Juden mit Bibel, Koran und Tora sorgt Forschern zufolge immer wieder für Konflikte. „Religiöse Traditionen, die ihre Heiligen Schriften als wörtlich von Gott offenbart ansehen, wehren sich zumeist gegen ihre historisch-kritische Interpretation“, sagt der Religionssoziologe Prof. Dr. Detlef Pollack, Sprecher des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ der Uni Münster. „Das unterschiedliche Verständnis der Heiligkeit der Texte bestimmt inner- und interreligiöse Konflikte bis in die Gegenwart hinein.“ So löse die mutwillige Zerstörung des Korans durch christliche Fanatiker bei gläubigen Muslimen eine Empörung aus, die Angehörige anderer religiöser Gemeinschaften oder auch areligiöse Menschen zuweilen gar nicht nachvollziehen könnten. Der Wissenschaftler kündigte ein hochkarätig besetztes Podium zu diesem Thema am Exzellenzcluster an. Dazu werden am Donnerstag, 22. Juni, der Göttinger Kirchenhistoriker Prof. Dr. Thomas Kaufmann, die Berliner Arabistin Prof. Dr. Angelika Neuwirth und der Judaist PD Dr. Ottfried Fraisse von der Uni Halle-Wittenberg erwartet.

Das öffentliche Podium „Arbeit am Text – Tora, Bibel und Koran“ beginnt um 20.00 Uhr in der Petrikirche am Jesuitengang in Münster. Veranstalter sind die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung und der Exzellenzcluster „Religion und Politik“. Der Abend ist Teil der bundesweiten Veranstaltungsreihe „Wo das Wort ist, da tappe nach“ (Luther), die die Akademie im Rahmen des Jubiläumsprogramms „Luther 2017“ veranstaltet. Gefördert wird die Reihe durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur. Die Moderation des Abends in Münster übernimmt Historikerin Dr. Iris Fleßenkämper vom Exzellenzcluster.

„Heilige Schriften dienen der Abgrenzung“

„Das unterschiedliche Verständnis von der ‚Heiligkeit‘ der Bibel, des Korans und der Tora wirkt sich stark auf den Umgang der Gläubigen mit den Schriften aus, sei es im Alltag oder im Gottesdienst“, führt Prof. Pollack aus. Manche religiösen Strömungen ließen keinerlei Interpretation und historische Auslegung zu und hielten die Schriften letztlich nicht einmal für übersetzbar. „Die Schriften hatten dabei oft die Funktion, die Identität der eigenen religiösen Gruppen zu stärken und sie von anderen abzugrenzen.“

Auf dem Podium wollen die Wissenschaftler in kurzen Vorträgen und in der Diskussion erörtern, welche Praktiken der Textauslegung sich in den jüdischen, christlichen und islamischen Religionskulturen entwickelten, wie sich das auf Gruppenidentitäten auswirkte und wie Textauslegung und Alltagsleben einander beeinflussten.

So nimmt die Schriftauslegung einerseits Einfluss auf die Lebensführung der Gläubigen, andererseits wirken zeitgenössische Lebenspraktiken auf die Interpretation der Texte. Die Forscher nehmen auch in den Blick, wie Judentum, Christentum und Islam zu verbindlichen Versionen ihrer sakralen Texte kamen, obwohl innerhalb jeder Religion konkurrierende Gelehrtenschulen über unterschiedliche Auffassungen stritten. Sie fragen zudem, wie Gelehrte mit den sakralen Texten der anderen Religionen umgingen.

Die Veranstaltungsreihe „Wo das Wort ist, da tappe nach“ (Luther) im Rahmen des Programms „Luther 2017“ beschäftigt sich in insgesamt vier Veranstaltungen mit dem Spannungsfeld von Text und Religion. Die ersten beiden Veranstaltungen in Darmstadt und München befassten sich mit religiöser Toleranz in der Literatur und mit vergleichenden Überlegungen zur religiösen und zur poetischen Inspirationskraft. In Münster stehen die sakralen Schriften im Mittelpunkt.

Zum Abschluss der Reihe geht es am 19. Oktober in Köln um die ästhetische Kraft religiöser Texte, um „Die Schönheit des Gotteswortes“. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung mit Sitz in Darmstadt widmet sich der Pflege und Förderung der deutschen Sprache. Sie vergibt jährlich mit dem Georg-Büchner-Preis einen der renommiertesten Literaturpreise im deutschen Sprachraum. (vvm/ill)

Erste Tiere entstanden früher als gedacht

Wann entstanden die ersten Vorläufer heutiger Tiergruppen? © cienpies/ thinkstock
Überraschend alte Wurzeln: Die Vorfahren aller großen Tierstämme könnten schon vor mehr als 700 Millionen Jahren entstanden sein. Dies legt eine Rekonstruktion mithilfe der „genetischen Uhr“ nahe. Sollte sich dies bestätigen, dann hätten die Urahnen der heutigen Tiergruppen sogar die Ära des „Schneeball Erde“ überlebt – eine extreme Vereisung des Planeten. Der Genstammbaum spricht zudem dafür, dass die Tiergruppen sich extrem schnell voneinander abspalteten, wie die Forscher im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Wann entstanden die ersten mehrzelligen Lebewesen auf der Erde – und damit die Vorfahren aller heutigen Tiere und Pflanzen? Diese Frage ist bisher hoch umstritten, auch weil fossile Belege Mangelware sind. Zahlreiche Funde belegen allerdings, dass schon zu Beginn des Kambriums vor etwa 540 Millionen Jahren die Vorfahren fast aller heutigen Tierstämme existierten – von Krebsen über Spinnentiere bis hin zu den Urahnen der Deuterostomen. Auch wesentliche Körpermerkmale wie das Gehirn, die Muskeln oder das Herz waren schon vorhanden.

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„Wir befinden uns mitten in der islamischen Inquisitions­zeit“

Foto: Imad KarimDer libanesische Regissuer Imad Karim
Der deutsch-libanesische Regisseur Imad Karim gilt als einer der umstrittensten Islam-Kritiker. Im Interview spricht er über das Versagen der arabischen Gesellschaft, über den politischen Islam, und warum er gegen Einwanderung ist.

Von Stefan Kaltenbrunner | kurier.at

KURIER: Es gibt im Internet ein Video, das den ehemaligen ägyptischen Präsidenten Nasser zeigt, der vor Parteikollegen eine Rede hält, in der er launig erzählt, dass der Chef der Muslimbrüder tatsächlich von ihm verlangt hätte, dass Frauen dazu verpflichtet werden ein Kopftuch zu tragen. Alle Beteiligten im Saal fanden das sehr lustig.

Karim: Ich kenne das Video, das war Ende der Fünfzigerjahre. Ein Kopftuchzwang war damals völlig illusorisch.

Heute gibt es kaum mehr ein islamisches Land, in dem Frauen kein Kopftuch mehr tragen, was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der arabischen Welt verändert?

Man hat bis in die Achtzigerjahre in vielen arabischen Ländern geglaubt, dass man mit demokratischen und säkularen Mitteln die Gesellschaft verändern könnte. Aber diese Kräfte haben völlig versagt.

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Kanada führt ein drittes Geschlecht ein

Mit einem neuen Gesetz schützt Kanada Transgender umfassend vor Benachteiligungen. Damit stärkt das Land seine Rolle als Vorreiter in diesem Bereich.

Von Jörg Michel | Neue Zürcher Zeitung

Das kanadische Oberhaus hat am Donnerstag auf Initiative von Premierminister Justin Trudeau ein umfassendes Gesetz zum Schutz und zur Gleichberechtigung von Transgendern beschlossen. Das Unterhaus hatte diesem schon im Herbst zugestimmt. Dabei geht es um Personen, die sich mit ihrem angeborenen Geschlecht nur unzureichend oder gar nicht identifizieren. Das neue Gesetz schreibt erstmals verbindlich fest, dass niemand vom Staat wegen seiner geschlechtlichen Identität benachteiligt werden darf.

Konkret wird das neue Gesetz dazu führen, dass mehr staatliche Einrichtungen geschlechtsneutrale Toiletten einführen müssen; Gefängnisse müssen Insassen künftig gemäss ihrer Geschlechtsidentität unterbringen. Das Gesetz wird auch auf Behörden ausstrahlen: So sollen Inhaber von Reisepässen und Ausweisen künftig ein «neutrales Geschlecht» wählen können. Besucher aus dem Ausland können bei der Beantragung der neuen elektronischen Einreisegenehmigung beim Geschlecht neuerdings auch «Sonstiges» ankreuzen.

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Klima: Das Ende der Kohle

Bild: Kohlekraftwerk und Kohlehafen in Mehrum, Landkreis Peine Foto: Crux / CC BY-SA 2.5
Die weltweite Kohleförderung geht im dritten Jahr in Folge zurück, ohne dass eine Weltwirtschaftskrise der Anlass wäre

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

„Das ist das Ende der Kohle-Ära“, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das klingt dramatisch, aber die Zahlen, die der Einschätzung zugrunde liegen, sind beeindruckend: Die Weltkohleförderung ist 2016 im dritten Jahr in Folge gesunken und zwar zuletzt um fast 231 Millionen Tonnen Öläquivalente oder 6,2 Prozent, wie aus dem Annual Review des Ölkonzerns BP hervorgeht, auf den sich die Agentur beruft.

Das war der größte, je registrierte Rückgang in den Aufzeichnungen der globalen Kohleförderung – und das obwohl die Weltwirtschaft derzeit relativ rund läuft. Der Rückgang ist also nicht durch eine Wirtschaftskrise verursacht, sondern Ergebnis von Verdrängung. Die Kohle muss anderen Energieträgern Platz machen.

In China, das bis vor wenigen Jahren einen beispiellos rasanten Anstieg des Kohleverbrauchs erlebte, ist der Verbrauch inzwischen auf den Stand von vor sechs Jahren zurückgefallen. Die Volksrepublik hatte zuvor nach vielen Jahren eher langsamen Wachstums Kohleförderung und -verbrauch zwischen 2002 und 2012 etwas mehr als verdoppelt. 2016 ging die Förderung dort um 7,9 und der Verbrauch um 1,6 Prozent zurück.

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Pfarrer sitzt im Aargau wegen Kindesmissbrauchs in U-Haft

Das Strafverfahren sei nach der Anzeige eines Betroffenen eingeleitet worden. Der 68-jährige Beschuldigte legte ein Teilgeständnis ab.

Die Presse.com

Ein reformierter Pfarrer ist im Kanton Aargau wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Kindern verhaftet worden. Der 68-jährige Beschuldigte sitzt seit Ende März in Untersuchungshaft. Er legte ein Teilgeständnis ab.

Der Verhaftete war in diversen reformierten Kirchengemeinden in den Kantonen Aargau, Solothurn und Schwyz tätig.

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Es gibt keine Pflicht zum Zeichensetzen, auch nicht für Ditib

Das Dach der Zentralmoschee in Köln. (Foto: dpa)
Viel spannender als die Absage von Deutschlands größtem Moscheeverband an der Demonstration in Köln ist, wer überhaupt zu der Kundgebung aufgerufen hat. Erstmals sind das dezidiert liberale Muslime, die zeigen: Es gibt uns.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Tausende Muslime gehen gegen Terror und Gewalt auf die Straße, das ist gut und richtig. Andererseits haben solche Manifestationen mittlerweile etwas Ritualisiertes und Routiniertes: Natürlich sind die in Köln Versammelten gegen religiös begründeten Terror und gegen einen Islamismus, der offene Gesellschaften für Teufelswerk hält. Was sonst? So denkt hierzulande die Mehrheit der Muslime. Warum müssen sie das in einer Art Endlosschleife immer und immer wieder neu beteuern?

Wer da nicht mitmarschiert, muss nicht ignorant gegenüber dem Terror sein; vielleicht ist er nur genervt angesichts der ewigen Zeichensetzerei. Es gibt keine Pflicht zum Zeichensetzen, auch nicht für die türkisch-islamische Ditib, den größten Moscheeverband in Deutschland, der nicht mitdemonstrieren mochte.

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Viele Massentierhalter bekommen EU-Gelder, obwohl sie nachweislich das Grundwasser verschmutzen

Masthähnchen in einem Stall in Mecklenburg-Vorpommern. Foto: dpa
Eine Reform der widersprüchlichen Agrarpolitik wäre dringend nötig, doch ausgerechnet Deutschland blockiert durch das CSU-geführte Agrarministerium umfassende Verbesserungen.

Von Justus von Daniels, Stefan Wehrmeyer | greenpeace magazin

Sie haben riesige Tierställe für tausende Schweine oder Hühner: Massentierhalter wie der Geflügelmäster WIMEX bei Köthen in Sachsen-Anhalt. Messungen des Grundwassers im unmittelbaren Umkreis der Hühnerfarm zeigen einen deutlich erhöhten Nitratwert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass WIMEX großzügige Subventionen von der EU erhält.

WIMEX ist nur ein Beispiel von vielen. Das Recherchezentrum CORRECTIV ist der Frage nachgegangen, welche Bauern besonders hohe EU-Agrarsubventionen erhalten und welche dieser Massenbetriebe viel umweltschädliches Ammoniak ausstoßen – das als Nitrat ins Grundwasser gelangt. Das Ergebnis der Datenauswertung: Die EU fördert die Hälfte aller großen Massentierhaltungsbetriebe aus öffentlichen Geldern, obwohl diese einen großen Anteil zur Nitratbelastung des Grundwassers beitragen.

In Sachsen-Anhalt beispielsweise erhalten 20 Massentierhalter je 100.000 Euro und mehr an jährlichen Zahlungen aus Brüssel. Gleichzeitig fällt bei diesen Betrieben weit mehr Ammoniak und Gülle an, als die Natur in der unmittelbaren Umgebung vertragen kann.

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Aufregung um Vorstoß für neue Sanktionen gegen Russland

Bild: heise.de/tp
Deutsche und österreichische Bundesregierungen reagieren reichlich verschnupft auf Vorhaben des US-Senats, russische Erdgasprojekte und deren westeuropäische Partner mit Sanktionen ins Visier zu nehmen

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Streit zwischen Berlin und Washington. Der US-Senat hat am Donnerstag mit großer Mehrheit (98 zu zwei) einem Gesetz zugestimmt, das die Sanktionen gegen Russland verschärft und zugleich die Möglichkeiten des US-Präsidenten einschränkt, diese aufzuheben, berichtet die Zeitung Independent. Damit es in Kraft treten kann, bedarf es auch der Zustimmung des Repräsentantenhauses. Die Sanktionen sind als Strafe für die unterstellte Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf 2016 gedacht.

Das Gesetz ziele vor allem auf russische Erdgasprojekte, schreibt das Blatt. Es werde nicht erwartet, dass die zweite Parlamentskammer ohne wesentliche Änderungen zustimme, um dem Präsidenten entgegenzukommen.

Einer der beiden Senatoren, die widersprachen, war Bernie Sanders (Democrats). Nach einem Bericht der Washingtoner Zeitung The Hill habe er insbesondere Einwände gegen neue Sanktionen gegen den Iran, mit denen die Vorlage verknüpft war. Dem Bericht nach ist die Unterstützung im Repräsentantenhaus bestenfalls lauwarm.

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Zahl der Abschiebungen soll erhöht werden

Die Bundesregierung will die Zahl der Abschiebungen erhöhen. Dabei muss sie die Ausländerbehörden einbinden, die die Umsetzung der neuen Asylgesetze garantieren. Bundesinnenminister de Maizière bietet deshalb Know-how und Personal an.

evangelisch.de

Das Bundesinnenministerium sucht den Dialog mit den Ausländerbehörden, um Asylbewerber ohne Aufenthaltsstatus schneller abschieben zu können. Dazu kamen am Freitag Vertreter des Bundesinnenministeriums mit Mitarbeitern der überwiegend in den Landkreisen tätigen Ausländerbehörden in Berlin zusammen. Unter anderem berieten sie über die gestiegenen Anforderungen an die Behörden bei Asylverfahren und Abschiebungen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte zum Auftakt, den Ämtern würden durch die vielen neuen Regelungen „viel zugemutet“.  Deshalb sei es wichtig, dass die Mitarbeiter die Probleme offen ansprächen. Ziel sei es, das „Rückführmanagement“ von ausreisepflichtigen Asylbewerbern zu verbessern. Dazu habe sein Haus unter anderem angeboten, Mitarbeiter aus Bundesbehörden in Landesbehörden zu entsenden.

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Donald Trump bestätigt nebenbei, dass gegen ihn ermittelt wird

Image: NBCNews/YouTube
„I am being investigated“: Auf Twitter hat Präsident Donald Trump das erste Mal offengelegt, dass sich die Russland-Ermittlungen auch gegen ihn persönlich richten. Zuvor hatten das nur US-Medien berichtet.

DIE WELT

US-Präsident Donald Trump hat am Freitagabend deutscher Zeit wieder einmal starke Worte getwittert: „Der Mann, der mir gesagt hat, dass ich den FBI-Direktor feuern soll, ermittelt gegen mich, weil ich den FBI-Direktor gefeuert habe! Hexenjagd“, schrieb Trump im Kurznachrichtendienst Twitter.

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Diese Religion haben die Menschen heute – und diese 2060

Das Jahr 2060: 9,6 Milliarden Menschen werden dann schätzungsweise auf der Welt leben – 32 Prozent mehr als noch 2015. Fliegende Autos, Roboter, künstliche Intelligenz, immer höher werdenden Wolkenkratzer – all das ist dann vielleicht schon keine Zukunftsmusik mehr. Bei all der Unsicherheit ist eines ziemlich sicher: Vieles wird sich in den kommenden Jahrzehnten verändern. Auch die religiöse Landschaft weltweit.

Von Lena Ohm | evangelisch.de

Das Christentum ist weltweit die Religion mit den meisten Anhängern: im Jahr 2015 waren fast ein Drittel der Weltbevölkerung (31 Prozent) Christen. Die Muslime machten in dem Jahr fast ein Viertel (24 Prozent) der Weltbevölkerung aus und diejenigen, die sich keiner Religion zugehörig fühlten, hatten einen Anteil von 16 Prozent. Hindus (15 Prozent) und Buddhisten (7 Prozent) folgten auf den Plätzen vier und fünf.

Doch das wird sich ändern, prognostiziert das PEW Research Center, ein amerikanisches Meinungsforschungsinstitut, in seinem 2017 erschienenen „The Changing of the Global Landscape“ Report. So werden vorrausichtlich ab dem Jahr 2035 mehr muslimische als christliche Babys geboren werden – ein absolutes Novum. Das liegt dem PEW Research Center zufolge daran, dass die religiöse Gruppe der Muslime gleichzeitig die durchschnittlich jüngste und fruchtbarste Gläubigenschar umfasst. So kommt es, dass die Zahl der Muslime womöglich um 70 Prozent steigen wird, während die Zahl der Christen bei 34 Prozent nur knapp über dem allgemeinen, globalen Bevölkerungswachstum liegen könnte. Das liegt unter anderem an der Überalterung vieler westlicher, überwiegend christlich geprägter Gesellschaften: Christen haben einen überdurchschnittlichen hohen Anteil an der weltweiten Sterbestatistik (37 Prozent). In Deutschland starben zwischen 2010 und 2015 beispielsweise 1,4 Millionen mehr Christen als geboren wurden – eine Entwicklung, die sich so ähnlich in vielen anderen europäischen Ländern (24 von 42) derzeit und auch in Zukunft finden lassen wird.

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„Multikulti ist gescheitert“

© CARO / BAERTELS Was hat Vorrang? Arabisch oder Deutsch lernen? Bessere Chancen auf Integration hat, wer sich assimiliert – und sich dem anpasst.
Ein niederländischer Politologe hat lange daran geglaubt, dass eine gute Integration keine Anforderungen an die Zuwanderer stellen darf. Inzwischen ist er anderer Meinung: Assimilation ist besser als Multikulturalismus. Ein Gastbeitrag.

Von Ruud Koopmans | Frankfurter Allgemeine

Als ich vor etwa zwanzig Jahren anfing, mich als Sozialwissenschaftler mit Migration und Integration zu beschäftigen, war ich davon überzeugt, dass die Ursachen für Integrationsprobleme wie die höhere Arbeitslosigkeit und Sozialhilfeabhängigkeit von Zuwanderern oder die schlechteren Schulabschlüsse ihrer Kinder vor allem auf eine Integrationspolitik, die Zuwanderer zu wenig Rechte gewährt und ihre Kultur nicht hinreichend anerkennt, zurückzuführen sind.

In meinem Heimatland, die Niederlande, so meinte ich, war die Integrationspolitik viel besser aufgestellt als in Deutschland. Dort war es sehr leicht, die niederländische Staatsangehörigkeit zu bekommen, Sprachanforderungen wurden kaum gestellt, die doppelte Staatsangehörigkeit war ohne Einschränkungen erlaubt, es gab das kommunale Wahlrecht für Ausländer, ethnische Selbstorganisationen wurden großzügig subventioniert, und wir hatten zusammen mit Großbritannien die strengste Antidiskriminierungsgesetzgebung Europas.

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Wo Frauen noch vor Männern niederknien

Alltag in Nigeria: Frauen warten vor einer öffentlichen Versorgungseinrichtung. (Foto: AFP; Bearbeitung SZ)
Wie kommt man als Mann in Deutschland an, wenn man aus der Heimat Nigeria völlig andere Geschlechterrollen kennt? Die Geschichte einer Befreiung.

Von Olaleye Akintola | Süddeutsche.de

Für den SZ-Kolumnisten Olaleye Akintola gehörte es in Nigeria drei Jahrzehnte lang zum Alltag, dass Frauen sich unterwerfen müssen. Seit seiner Flucht vor knapp zwei Jahren nach Bayern ist er mit einer Gesellschaft konfrontiert, die das größtenteils anders sieht. Über einen Versuch, zu verstehen.

Manche Gesellschaft lehrt den Mann, Gefühle zu verstecken und nicht zu weinen. Manche Frauen verabscheuen Chauvinisten, andere wiederum bewundern Männer, die eine maskuline Dominanz ausstrahlen. Einer, der stark auf so eine Wirkung achtet, ist Nigerias Präsident Muhammadu Buhari, der vor nicht allzu langer Zeit öffentlich über seine Frau sprach. Und zwar während eines gemeinsamen Auftritts mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin. Auf die Frage eines Journalisten, wo seine Frau politisch steht, antwortete er: „Ich weiß nicht, zu welcher politischen Partei meine Frau gehört. Soweit ich weiß, gehört meine Frau in mein Wohnzimmer, in die Küche und in den anderen Raum“.

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A Texas-Sized Area of Antarctica Turned to Slush Last Year

AWARE instruments in Antarctica. Image: Colin Jenkinson/Australian Bureau of Meteorology
A slush puddle nearly twice the size of California appeared in Antarctica in January of 2016, according to a new paper in Nature Communications that marks one of the first times scientists have documented the fact that Antarctica is actually melting from above because of warm air.

By Lisa Cumming | MOTHERBOARD

Researchers have known for years that warming ocean water is melting the coastal ice shelves of the West Antarctic Ice Sheet (WAIS). But surface melt is harder to track and understand. In this study, scientists found that warm air is also melting the WAIS from above.

Number of days in January 2016 when surface melt was detected from passive microwave satellite observations. Image: Julien Nicolas/Ohio State University

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