Katholische Kirche entwickelt App für Heiratswillige

Bild. play.google.com Screenshot: bb

Die katholische Kirche möchte mit der neuen App „Ehe.Wir.Heiraten.“ Brautpaare unterstützen. Das Angebot richte sich an alle Paare, die in den nächsten zwölf Monaten heiraten, teilte die Deutsche Bischofskonferenz am Montag in Bonn mit.

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Entwickelt habe es die Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung. Die Paare erhielten inhaltlich abgestimmt auf ihr Hochzeitsdatum wöchentlich einen Impuls per Push-Benachrichtigung, hieß es weiter. Themen seien unter anderem Kommunikation in der Beziehung, Spiritualität, Sexualität oder der Ablauf der Trauung. Außerdem könnten sich die Paare über Veranstaltungen in den Bistümern und in der Region informieren. Die App ist kostenlos für Android- und iOS-Smartphones verfügbar.

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Und sie werden eintreten und die Lieder von Mumford & Sons singen

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Ein Auszug aus Annabelle Gurwitchs neuem Buch „Wherever You Go, There They Are“ über Familien jeglicher Art

Von Annabelle Gurwitch | Richard-Dawkins-Foundation

Wenn du durchblicken lässt, ungläubig zu sein, werden wohlmeinende Freunde Dinge sagen wie „Ich kann beweisen, dass es Gott gibt.“ Der Ehemann einer Freundin nahm kürzlich diese Herausforderung an. Er ist ein Musikproduzent, der nicht nur sein Leben nicht dem Studium der menschlichen Sinnsuche gewidmet hat; darüber hinaus ist er völlig unbelastet von seinem Mangel kultivierten Wissens. „Na los“ sagte ich, immerhin eine winzige Hoffnung hegend, er möge etwas Neues in der Tasche haben. Ich bin nicht der Typ „Hurra, es gibt keinen Gott!“ Ich bin der Typ „Es ist Mist, dass es keinen Gott gibt, aber ich habe mich damit abgefunden. Einen doppelten Espresso und das Neueste von Sam Harris bitte.“

„Ok, wenn es keinen Gott gibt, warum ist das Zahlenverhältnis von Männern zu Frauen auf der Welt immer im Gleichgewicht? Selbst nach Kriegen, in denen viele Männer sterben, kehren die Zahlen immer zum gleichen Niveau zurück. Das ergibt doch keinen Sinn, wenn nicht Gott eingegriffen hat?“

„Ich melde mich zu dem Thema wieder“ sagte ich, denn vor einem Kommentar wollte ich angemessene Sorgfalt üben. Also bat ich die Physikerin Lisa Randall, Autorin von „Knocking on Heaven’s Door“ („Die Vermessung des Universums“) und anderen unterhaltenden wie erhellenden Büchern um ihre Meinung.

„Wie hoch ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass Jeremy Wright, Musikproduzent aus Los Angeles, ein Welträtsel gelöst hat?“

„Reden wir über die Wahrscheinlichkeit vor dem Hintergrund aller Leute, die sich seit dem Beginn der Geschichtsschreibung dieser Aufgabe stellten oder nur dem unserer Generation? So oder so ist sie vermutlich nicht nur Null, sondern negativ. Wenn Mr Wright beweisen könnte, dass eine höhere Macht unser Universum am Laufen hält, nun, dann hätten wir den Beweis für Gottes Existenz. Er bringt aber nur ein weiteres ‚Intelligent Design‘-Argument, bei dem ein spezifisches wissenschaftliches Phänomen (in diesem Fall, wie menschliches Sperma eher männliche Nachkommen hervorbringt) als Erklärung einer völlig unverwandten Thematik benutzt wird, der Existenz Gottes nämlich.

Als „drei-minus-Schüler“, was die Wissenschaften betrifft, finde ich das Argument des „intelligenten Designs“ aus eher praktischen Gründen fehlerhaft. In einer wirklich intelligent designten Welt gäbe es keine Pädophilen, keine Diktatoren und man müsste keine Linsen essen. Es existierte weder AIDS noch Alzheimer noch Sportkleidung im Alltag. Wir hätten gleiche Bezahlung der Geschlechter, einen Mindestlohn, von dem sich leben lässt und die Leute hörten auf, „alles ist gut“ zu sagen. Antifaltencreme würde Falten beseitigen, das Glas von iPhones würde nicht springen, mit Unwahrheiten hausieren gehende Politiker würden durch Blitze niedergestreckt und Hot Pants wären gesetzlich verboten. Wenn jemand eine Theorie postulierte, die eine realistischere Beurteilung unserer Welt wiedergäbe, wäre ich geneigter, sie zu akzeptieren; skeptisch bin ich jedoch, dass „Gott liefert sein bestes Design“ auf große Begeisterung stieße. [1]

Ich fühlte nie die Verpflichtung, atheistische Gruppierungen ausfindig zu machen, bis zu jenem Tag, als mich ein Video über Bürger in seinen Bann zog, die im griechischen Legos freiwillig syrischen Flüchtlingen an Land halfen. Schon wollte ich den Namen der fördernden Organisation notieren, um mit ihr zwecks Beteiligung an den Rettungsbemühungen Kontakt aufzunehmen, als einer der Freiwilligen sich der Kamera zuwandte.

„Ich will nur, dass diese Leute gute Erfahrungen mit Christen machen.“

Können wir Humanisten jemals hoffen, mit solchem Enthusiasmus zu Werke zu gehen und so wie glaubensbasierte Gruppen auf Katastrophen und Krisen zu reagieren? Menschen, die sich als „ungebunden“ bezeichnen, sind gemäß „Pew Research„ die am wenigsten vertrauenswürdige Gruppe in Amerika. Könnte ich daran teilhaben, diese Wahrnehmung zu ändern?

Hätte ich in meinen Zwanzigern ein bisschen weniger Zeit damit verbracht, mit Esoterikern über frühere Leben nachzusinnen, dann hätte ich gewusst, dass größere Geister als ich schon an der Organisation säkularer Gemeinschaften rund um die Welt arbeiteten.

Eine schnelle Suche im Web ergibt, dass die Humanisten in meinem Stadtviertel Naturburschen sind, gern auf den örtlichen Wanderwegen unterwegs. Eine gesunde Ader für Humor durchzieht viele ihrer Online-Profile:

„Ich bin Atheist, weil ich sonntags gern ausschlafe.“

„Ich konnte wegen einer Pilzinfektion nicht zum Passahfest nach Hause; wenn das kein Grund ist, Gott aufzugeben, dann weiß ich auch nicht.“

„Ich bin Agnostiker, Satiriker, Autor und Rasputin-Darsteller. Besucht mein Blog für Blödsinn und Quark, hauptsächlich Quark.“

Dann erzählte mir ein Freund von der „Sunday Assembly“ in Los Angeles. Zwei britische Komiker, Sanderson Jones und Pippa Evans, hatten in England die Bewegung initiiert, als etwas wie „Kirche, aber völlig säkular“. Der Slogan „sei nützlich, staune mehr, hilf oft“ ist ihr Markenzeichen, übernommen von den siebzig weiteren Assemblies in acht Ländern, die seit 2013 aus dem Boden sprossen. Die Assembly-Website verkündet die Absicht, „radikal inklusiv“ zu sein; „wir machen nichts Übernatürliches, halten dich aber nicht davon ab“.

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Historikerin: Die Angst vor Antisemitismus wächst

Bild: bb
Mirjam Zadoff lehrt jüdische Kulturgeschichte in Augsburg. Welche Wissenslücken sie füllen will und ob sie als Mann mit Kippa durch deutsche Straßen laufen würde, beantwortet sie im Interview.

Von Christopher Beschnitt | katholisch.de

Premiere an der Universität Augsburg: Die Hochschule hat eine Gastprofessur für jüdische Kulturgeschichte eingerichtet. Dieser Lehrstuhl sei einer von nur dreien seiner Art in Deutschland, sagt Mirjam Zadoff, die ihn zum Auftakt im aktuellen Sommersemester innehat. Die 43-jährige Historikerin erzählt im Interview, welche Wissenslücke ihr Fach füllen will und was sie von dem Ruf nach einem Antisemitismus-Beauftragten im Kanzleramt hält.

Frage: Frau Zadoff, wenn Sie ein Mann wären: Gingen Sie mit Kippa durch deutsche Straßen?

Zadoff: Leider hat sich die Stimmung in Europa inzwischen so geändert, dass religiöse Kopfbedeckungen in der Öffentlichkeit an vielen Orten nicht mehr toleriert werden. Und es hat ja schon mehrfach Übergriffe gegeben. Ist das das Europa – oder das Deutschland – das wir uns wünschen? Es ist noch nicht so lange her, dass hierzulande katholische Frauen ihren Kopf in der Öffentlichkeit bedeckt haben. Und schauen Sie, wo wir jetzt sind! Ich kann verstehen, dass Männer, die heute in Deutschland eine Kippa tragen, sich exponiert fühlen, dass sie daher teilweise darauf verzichten. Ich kenne selbst welche.

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Religiotie: ‚Pille danach‘ erhöht den laxen Umgang mit den sexuellen Aktivitäten

Hartmut Steeb, 2012. Bild. wikimedia.org/CC BY 2.0/ pro medienmagazin
„Schon bei der Freigabe der ‚Pille danach‘ haben Experten vorhergesagt, dass das die Zahl der Abtreibungen nicht senken sondern erhöhen wird.“ kath.net-Interview mit Hartmut Steeb (Evangelische Allianz).

Von Petra Lorleberg | kath.net

„Ich erschrecke immer wieder… Jeden Tag vier Abtreibungen mehr als im Vorjahr. Das ist doch furchtbar“, sagt Hartmut Steeb, Generalsekretär der „Evangelischen Allianz Deutschland“ und engagierter Lebensschützer, nachdem das Statistische Bundesamt die jüngsten Zahlen über erfolgte Abtreibungen in Deutschland veröffentlicht hat.

Steeb kritisiert außerdem, dass es nach wie vor an Chancengleichheit fehle: „Wer seine Kinder selbst ganz betreuen will wird wirtschaftlich benachteiligt und erfährt wesentlich weniger aus dem öffentlichen Finanztopp. Das ist eine Form der Umerziehung durch Finanzsubventionen.“

kath.net: Herr Steeb, das Statistische Bundesamt hat die neuen Abtreibungszahlen für das 1. Quartal 2017 bekanntgegeben. Ihre erste Reaktion?

Hartmut Steeb: Es war zwar vorhersehbar, ich erschrecke aber immer wieder, wenn das, was man befürchtet, wahr wird. Schon bei der Freigabe der „Pille danach“ haben Experten vorhergesagt, dass das die Zahl der Abtreibungen nicht senken sondern erhöhen wird. Jeden Tag vier Abtreibungen mehr als im Vorjahr. Das ist doch furchtbar. Wie kommt es? Die „Pille danach“ erhöht ganz offenbar den laxen Umgang der sexuellen Aktivitäten.

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Hatte unsere Sonne einst einen Zwilling?

Geburt eines Mehrfachsternsystems in der Perseus-Molekülwolke, aufgenommen von den ALMA-Teleskopen. © Bill Saxton, ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), NRAO/AUI/NSF
Verlorener Partner: Den mystischen Sonnenzwilling „Nemesis“ könnte es einst wirklich gegeben haben. Denn unsere Sonne wurde wahrscheinlich einst als Doppelstern geboren. Das legen neue Beobachtungen in der Perseus-Sternenwiege nahe. Demnach könnten alle Sterne zunächst als Doppelsterne entstehen. Ein Teil von ihnen trennt sich dann kurz darauf und wird so zu „Einzelgängern“, wie die Astronomen berichten. Sollte sich dies bestätigen, wirft dies ein neues Licht auf die Sternbildung im Kosmos.

scinexx

Doppelsterne sind im Kosmos keine Seltenheit – im Gegenteil. Bei den massereichen Sternen könnte ihr Anteil sogar bei 90 Prozent liegen, wie Astronomen festgestellt haben. Auch unserer nächster Nachbar, Alpha Centauri, ist ein Doppelsternsystem. Diese und andere Beobachtungen ließen einige Forscher sogar vermuten, dass möglicherweise die meisten, wenn nicht sogar alle Sterne zunächst als Paar entstehen.

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Die Grünen und die Kohle: Fauler Kompromiss

Braunkohlekraftwerk Niederaußem bei Köln. Bild: Harald Hillemanns/CC-BY-3.0
Werden die Grünen nun, die Fünf-Prozent-Hürde fest im Blick, doch wieder etwas radikaler? Bis 2030 soll die Bundesrepublik aus der Kohle aussteigen. So steht es trotz des Widerstands des Spitzenduos Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt im neuen Wahlprogramm, das am Wochenende in Berlin von rund 800 Delegierten beschlossen wurde.

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Der Beschluss ist ein Kompromiss. Einerseits hatte der letzte Parteitag vor gerade einem halben Jahr im westfälischen Münster die Zielmarke bereits bei 2025 angelegt, seinerzeit gegen den Widerstand der Parteiführung und der Bundestagsfraktion.

Andererseits hatte der Bundesvorstand in seinem Entwurf für das Wahlprogramm 2037 als Zieljahr genannt. Die „20 dreckigsten Kohlekraftwerke“ sollen „unverzüglich vom Netz“. Außerdem seien die übrigen Kohlekraftwerke schrittweise innerhalb der nächsten 20 Jahre abzuschalten. Das hatte Kritik aus einigen Umweltverbänden und bei der Parteijugend auf den Plan gerufen, die den Münsteraner Beschluss verteidigten.

Herausgekommen ist nun also der Kompromiss, der das anvisierte Ausstiegsziel auf 2030 festlegt, wobei es weiter heißt, dass die „20 dreckigsten“ Kohlekraftwerke sofort vom Netz gehen müssen. Mittel auf dem Weg dahin soll unter anderem eine „aufkommensneutrale CO2-Bepreisung“ sein, für die im Gegenzug die Stromsteuer abgeschafft wird.

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So urteilen Aslyentscheider über Leben und Tod

Innerhalb von wenigen Stunden müssen die BAMF-Mitarbeiter über Schicksale entscheiden. Foto: Marcus Winterbauer
Stimmt die Geschichte oder nicht? Anhand eines Gesprächs entscheiden BAMF-Mitarbeiter, ob Geflüchtete Asyl erhalten. Ein ZDF-Team war dabei.

Von Tilmann P. Gangloff | Frankfurter Rundschau

In deutschen Amtsstuben wird tagtäglich über Schicksale entschieden, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration (Bamf) tragen eine ganz besondere Verantwortung: Sie treffen womöglich Entscheidungen über Leben oder Tod. Im Rahmen einer Anhörung, die bis zu drei Stunden dauern kann, müssen sie sich ein Bild davon machen, ob die Schilderungen der Asylbewerber die Voraussetzungen auf Bewilligung ihres Asylantrags erfüllen.

Im Rahmen ihres leider viel zu spät ausgestrahlten Kleinen Fernsehspiels „Auf dünnem Eis“ stellen Sandra Budesheim und Sabine Zimmer drei dieser Asylentscheider vor. Obwohl die filmischen Voraussetzungen denkbar ungünstig sind – die gut 95 Minuten bestehen fast nur aus Gesprächen -, ist den beiden Autorinnen ein erstaunlich spannendes Stück gelungen.

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Täter: „Ich will Muslime töten“

Mit einem Lieferwagen fuhr ein Mann in London in eine Gruppe von Muslimen, als sie ein Gebetshaus verließen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

In London scheint sich die Stimmung im Brexit-Großbritannien nach dem Wahldebakel und nach dem verheerenden Brand in einem Hochhaus aufzuheizen. Die von islamistischen Terrorgruppen wie al-Qaida und Islamischer Staat propagierte Methode, mit Fahrzeugen in Menschenmengen zu fahren und beliebige Menschen zu töten, wurde auch beim letzten Terroranschlag in London praktiziert.

Die Terroristen und ihre Anhänger, die im Westen im Namen des Islam Angst und Schrecken mit blutigen Anschlägen auslösen wollen, deren Opfer alle werden können, scheinen nun eine ebenso blinde und tödliche Wut ausgelöst zu haben, mit denselben Waffen einen Anschlag gegen Muslime auszuführen. Im Norden Londons, im Stadtteil Finsbury Park. raste ein um Mitternacht ein Lieferwagen in eine Gruppe von Muslimen, die gerade das Muslim Welfare House, ein kleines Gebetshaus, verließen. Dabei wurde ein Mann getötet, 8 Menschen wurde so schwer verletzt, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Eine ganz in der Nähe befindliche große Moschee, aus der ebenfalls Gläubige strömten, war angeblich in der letzten Zeit bereits Ziel von antimuslimischen Angriffen.

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Salman Rushdie zum 70.: Selig sind die Lügner

© AFP Seinen Roman „Die satanischen Verse“ kann man nicht mehr unbefangen als Fabelgespinst lesen, mit den anderen sollte man das aber unbedingt versuchen: Der britisch-indische Autor Salman Rushdie.
Er hadert mit den Religionen, guckt den Menschen lieber in die Gesichter als in die gläubigen Köpfe, schert sich nicht um Schubladen und ist vor allem eins: Geschichtenerzähler. Heute wird Salman Rushdie siebzig Jahre alt.

Von Dietmar Dath | Frankfurter Allgemeine

Der Roman, der diesem Schriftsteller am Bein hängt wie die Eisenkugel dem Kettenhäftling, ist nicht sein bester, aber doch voll sinnreicher Beobachtungen, die es gar nicht nötig haben, das, was der Verfasser nicht leiden kann (religiöse Einbildungen zum Beispiel) mit Röntgenblick zu durchleuchten, wo doch die Oberfläche der Erscheinung schon alles sagt: „Allmählich wurde klar, dass der große Regen ausbleiben würde. Klappriges Vieh durchstreifte das Land auf der Suche nach Wasser. ‚Liebe ist Wasser‘ hatte jemand mit weißer Tünche an die Backsteinwand einer Motorrollerfabrik geschrieben. Unterwegs begegneten sie anderen Familien, die nach Süden zogen, ihr Leben auf die Rücken sterbender Esel gebündelt, und auch diese strebten hoffnungsvoll dem Wasser entgegen. ‚Aber nicht zum Scheißsalzwasser‘, rief Mirza Said den Pilgern von Titlipur zu. ‚Und auch nicht, um zu sehen, wie es sich zweiteilt! Sie wollen am Leben bleiben, aber ihr Irren wollt ja sterben.‘ Geier rotteten sich am Wegesrand zusammen und schauten den Pilgern nach.“

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GEFÄLSCHTE BRIEFE: Für die Niedersachsen-AfD wird es jetzt richtig eng

Niedersachsens AfD-Chef Armin-Paul Hampel muss um seinen sicheren Listenplatz fürchten Quelle: picture alliance / Rolf Vennenbe/ve kno
In der Affäre um gefälschte Briefe der Landeswahlleiterin werfen parteiinterne Dokumente neue Fragen auf. Der Bundesvorstand verlangt die Neuwahl der Bundestagskandidaten – und dreht den Geldhahn zu.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

In der Affäre um gefälschte Briefe der Landeswahlleiterin in Niedersachsen gerät der dortige AfD-Landesverband immer mehr unter Druck. Zum einen verhängte der Bundesvorstand der Partei am Freitag finanzielle Sanktionen, die den Landesvorstand unter dessen Chef Armin Paul Hampel empfindlich treffen. Zum andern fiel am Wochenende neues Licht auf die Stellungnahme, die die niedersächsische AfD zu der Briefe-Affäre abgegeben hat. Der Landespartei droht vor der Bundestagswahl ein Debakel.

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Kugelpackung: Keplers Vermutung endgültig bewiesen

Johannes Kepler erkannte zwar die Lösung, konnte aber nicht beweisen, dass sie auch für alle denkbaren Möglichkeiten gilt. © historisch
Nach 400 Jahren endlich formell bewiesen: Wie sich Kugeln am dichtesten packen lassen, beschrieb der Astronom Johannes Kepler schon im Jahr 1611. Doch den vollständigen formellen Beweis dafür, dass seine Vermutung auch für alle denkbaren Kugelmengen und Raumgrößen gilt, lieferten Mathematiker erst 1998. Dieser Beweis war jedoch so komplex, dass menschliche Gutachter an ihre Grenze stießen. Erst jetzt haben Computerprogramme die Gültigkeit dieses Beweises bestätigt.

scinexx

Die Keplersche Vermutung ist ein Klassiker der Geometrie: Es geht um die Frage, wie sich Kugeln am dichtesten in einem begrenzten Raum stapeln lassen – beispielsweise Orangen in einer Kiste. Intuitiv ist die Lösung einfach – und auch einfach auszuprobieren: Am wenigsten Raum nehmen die Kugeln ein, wenn sie pyramidenförmig – und damit beispielsweise kubisch-flächenzentriert oder hexagonal – gestapelt werden: Jede Kugel liegt in den Lücken der darunterliegenden Schicht.

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UN: Zahl der Menschen auf der Flucht erreicht neuen Höchststand

Die Zahl der Menschen auf der Flucht vor Krieg, Gewalt und Verfolgung hat laut den UN einen neuen Höchststand erreicht. Ende 2016 hätten 65,6 Millionen Männer, Frauen und Kinder ihre Heimat verloren, teilte das Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Montag in Genf mit.

evangelisch.de

Gegenüber Ende 2015 habe sich die Zahl der Geflohenen weltweit um 300.000 Menschen erhöht. Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, betonte, die globale Flüchtlings- und Vertriebenenkrise habe eine Dimension angenommen, die unter keinen Umständen zu akzeptieren sei. Grandi forderte Solidarität mit den Opfern der Vertreibung. Die Weltgemeinschaft müsse sich stärker für die Vermeidung möglicher Kriege und die Lösung bestehender Konflikte einsetzen.

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Praktizierte Religionsfreiheit, auch für den Islam in Berlin

Das Berliner Institut für islamische Theologie soll an der Humboldt-Universität entstehen.FOTO: DORIS SPIEKERMANN-KLAAS
Schluss mit der Bevormundung: Das geplante HU-Institut für islamische Theologie braucht Ruhe, um offene Fragen zu klären. Ein Debattenbeitrag des Gründungsdirektors.

Von Michael Borgolte | DER TAGESSPIEGEL

Seitdem die Humboldt-Universität Anfang des Jahres die lange geplante Gründung eines Instituts für Islamische Theologie in Angriff genommen hat, können sich die Verantwortlichen vor gut gemeinten Ratschlägen von außen kaum retten. Zuerst lancierte eine Gruppe von Professorinnen und Professoren der evangelisch-theologischen Fakultät den Vorschlag, unter Einbeziehung auch von Juden und Katholiken eine große Fakultät der monotheistischen Religionen zu gründen. Damit fanden sie viel Zustimmung in der Öffentlichkeit und in der Politik. Wer wollte auch die Chance verpassen, den Traum der Aufklärung von einem allgemeinen Religionsfrieden in die Wirklichkeit universitärer Forschung und Lehre überzuführen?

Inzwischen ist freilich Ernüchterung eingekehrt, und die Protagonisten der Idee sind unverkennbar in die Defensive geraten. Neben juristischen Gründen und administrativen Bedenken wurden gerade theologische Gegenargumente vorgebracht: Das Konzept von Theologie selbst sei von christlichen Traditionen bestimmt und weder auf die religiöse Lehre und Praxis von Juden noch von Muslimen übertragbar. Auch hatten die evangelischen Theologen ihr Anliegen dadurch in Misskredit gebracht, dass es ihnen unverhohlen um Eigeninteressen ging, nämlich um die Rettung ihrer eigenen vor einer befürchteten Integration in die Philosophische Fakultät.

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Verbrauchernahe und flexible Stromerzeugung unerwünscht?

Wasserkraftanlage Sandfang in Freiburg. Bild: Christoph Jehle
Wenn die linke Hand will, was der rechten Hand gar nicht gefällt, gerät die Energiewende ins Stolpern

Von Christoph Jehle | TELEPOLIS

Eine erfolgreiche Energiewende, die sich in beträchtlichem Umfang auf Energiequellen stützt, deren Verfügbarkeit rund um die Uhr nicht gesichert werden kann, benötigt zusätzliche Speicher und Flexibilitäten sowie erneuerbare Energien mit deren Hilfe eine möglichst konstinuierliche Stromerzeugung möglich ist. Die Nutzung kleiner dezentraler Wasserkraftanlagen in Verbrauchernähe könnte hier zwar nicht die Lösung, aber einen Beitrag liefern. Wenn da nicht Vorschriften, Zuständigkeiten und der vielgerühmte Bürgerwillen in die Quere kämen.

Nachdem die frühere Antiatomkraft-Bewegung nach Fukushima von der Partei der Kanzlerin absorbiert wurde, AKWs zur Abschaltung bis in fünf Jahren verurteilt wurden, wendet sich die öffentliche Meinung von der Frage der Stromerzeugung weitgehend ab und der Nörgelei über die sichtbaren Umstände von Stromerzeugung und Stromtransport zu.

Strom soll für die Mehrheit offensichtlich als ubiquitäre Dienstleistung wieder vornehmlich aus der Steckdose kommen. Zumindest soll der Endverbraucher sich der optischen Belästigung durch Stromerzeugungsanlagen und Stromleitungen entziehen können. Wirft man den Windkraftanlagen zu Lande eine Verspargelung der Kulturlandschaft vor und will gleichzeitig aber auch den Bau von Hochspannungsfernleitungen nicht akzeptieren, so wird inzwischen auch wieder verstärkt gegen den Bau von Wasserkraftanlagen opponiert (vgl. Irgendjemand ist immer dagegen).

Im Falle des Pumpspeicherkraftwerks Johanneszeche haben die Bürger von Lam in einem Bürgerentscheid mit 85 Prozent bei einer Beteiligung von 78 Prozent entschieden, dass sie kein Pumpspeicherkraftwerk in ihrer Gemeinde wollen. In der Folge hat dann auch das katholische Bistum Regensburg als lokaler Grundeigentümer seine Liebe für die nicht mehr ganz so unberührte Natur im ehemaligen Bergbaurevier entdeckt und sich aus der Projektidee verabschiedet. Nach Aussage der christ-sozialen bayerischen Regierungspartei sollte mit der Ablehnung des Wasserkraftwerks jetzt in Lam wieder Ruhe einkehren.

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Ich glaube an Gleichberechtigung

Foto (Ausschnitt): Holger Bloehte
Ein kontroverses Plakat für die ARD-Themenwoche „Woran glaubst du?“

Von Giordano Brunello | Richard-Dawkins-Foundation

Gestern hat ein mit mir über Facebook befreundeter Profifotograf, Markus Hibbeler, ein Foto eines Plakats der ARD-Themenwoche „Woran glaubst Du?“ auf seine Facebook-Wall gepostet, das er wie folgt kommentierte: „Ich glaube an Gleichberechtigung”, sagt eine Frau, die ein Symbol trägt, das für genau das Gegenteil steht. Die Mehrheit der Muslimas hierzulande trägt übrigens kein Kopftuch. In vielen Ländern kämpfen Frauen unter Lebensgefahr gegen die Verschleierung, während der öffentlich-rechtliche Staatsfunk den Hidschab als Gleichberechtigung verkauft.“

Selbstverständlich kann ich den Ausführungen von Markus Hibbeler, dessen Ansichten ich sehr schätze, zu 100% beipflichten. Es gibt aus meiner Sicht jedoch noch einiges mehr zu diesem Plakat respektive über dessen Inhalt, Bedeutung und die darin enthaltenen Botschaften zu sagen, was Gegenstand des vorliegenden Blog-Artikels sein soll.

Auf dem Bild ist eine nach den Regeln der Scharia lebende orthodoxe Muslimin zu sehen, die ihr islamisches Kopftuch (hijab) in Ordnung bringt. Durch diese Handlung steht folglich vor allem der Umstand, dass diese Frau ein islamisches Kopftuch trägt, im Zentrum der Botschaft, die das Bild vermitteln soll. Diese Botschaft wird verstärkt, da mitten auf dem Bild in fetten Großbuchstaben die Worte „Ich glaube” stehen, womit das islamische Kopftuch mit dem Glauben in einen funktionalen und unmittelbaren Zusammenhang gebracht wird. Damit wird das Tragen des islamischen Kopftuchs als unbedingt erforderlicher Bestandteil des Glaubens gerechtfertigt. Bereits diese Bildbotschaft ist insbesondere gegenüber nichtmuslimische Zuschauer, die wenig bis keine Ahnung vom Islam haben, irreführend, zumal das islamische Kopftuch mit dem Glauben selbst nichts zu tun hat. Wenn das islamische Kopftuch für den muslimischen Glauben derart zentral wäre und ein unmittelbarer Zusammenhang dieses Kleidungsstücks zum Glauben bestünde, wären sämtliche Musliminnen, die kein Kopftuch tragen, Ungläubige (was von Schariamuslimen ja immer wieder behauptet wird). Das islamische Kopftuch hat mit dem Glauben an das Transzendente nichts zu tun und hat nicht die zentrale Bedeutung im Islam, wie dieses Bild es vermitteln möchte. Das islamische Kopftuch zielt allein darauf ab, die in einer islamischen Scharia-Gesellschaft zu geltende strenge Sexualmoral und die damit einhergehende Geschlechterapartheid durchzusetzen. Die Durchsetzung dieses gesellschaftspolitisch motivierten Verhaltens hat mit dem Glauben selbst, insbesondere mit dem Glauben an Gott, überhaupt nichts zu tun.

Besonders interessant bei der beim graphischen Aufbau des Plakats ist auch die Fortsetzung des Satzes, der mit „Ich glaube” beginnt. Der zweite Satzteil „an die Gleichberechtigung”, ist nämlich in kleinerer und normaler Schrift (also nicht mehr mit fetter Schrift wie „Ich glaube”) wiedergegeben. Die Botschaft, die damit vermittelt wird, kann, soll und muss in zweifacher Hinsicht verstanden werden. Der Glaube steht einerseits über dem Gedanken der Gleichberechtigung und hat durch diese Schriftwahl einen wichtigeren Stellenwert als diese, insbesondere auch wegen des Bildes mit einer ihr Kopftuch zurecht richtenden Muslimin, die mit dieser Handlung der Strenge der Scharia folgt und dafür sorgt, dass man bloß kein Haar von ihr sieht. Der Islam respektive der Glaube steht mit dieser Schriftwahl über der verfassungsrechtlich garantierten Gleichberechtigung. Andererseits kann man bei genauerer Betrachtung dieses Plakats auch die Suggestion wahrnehmen, dass der Gedanke der Gleichberechtigung sogar Teil dieses Glaubens sei. Das Letztere wird durch den erklärenden Anschlusssatz verdeutlicht: „Glauben hat viele Gesichter”. Mit anderen Worten kann und soll der Gedanke der Gleichberechtigung der Geschlechter auch über Alternativwege verwirklicht werden können, namentlich auch durch die Scharia. Dies bedeutet freilich, dass die Scharia angeblich nicht nur nicht im Widerspruch zu den Gedanken der Gleichberechtigung stünde. Gemäß dieser Ansicht, die nach Meinung des öffentlich-rechtlichen Senders mindestens vertretbar sein muss, zumal er keine Probleme damit hat, solche Botschaften zu verbreiten, kann die Gleichberechtigung sogar als Teil der Scharia betrachtet werden. Damit wird die Gleichberechtigung der Geschlechter zu einer Errungenschaft der Scharia und diese wird durch den Glauben verwirklicht, wobei der Glaube mit dem Tragen des islamischen Kopftuchs geradezu erfüllt wird, womit das Kopftuch angeblich ein zentraler Bestandteil dieses Glaubens sei. Gleichberechtigung ist damit angeblich allein eine Frage der Perspektive, wobei nach Ansicht der ARD-Redaktion offenbar auch die muslimische Perspektive gegenüber der Gleichberechtigung Achtung und Aufmerksamkeit verdient.

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Journalisten in Haft: Bitte nicht vergessen!

Laute Proteste sind am Ende die einzige Hoffnung für Menschen, die in autoritären Ländern zu Unrecht im Gefängnis sitzen.FOTO: EPD
Fünf Jahre dauert die Haft von Raif Badawi, 126 Tage die von Denis Yücel, 50 Tage die von Mesale Tolu: Ihre Gefangenschaft ist ein fortwährender Skandal ohne dauernde Empörung. Aber auf die kommt es an.

Von Max Tholl | DER TAGESSPIEGEL

Soll man erleichtert sein, dass Raif Badawi nun die Hälfte seiner Haftstrafe hinter sich hat oder empört, dass er mittlerweile schon fünf Jahre zu Unrecht in Haft sitzt? „Beleidigung des Islams“ lautete im Juni 2012 die offizielle Begründung für die Festnahme des saudischen Bloggers, der mit seiner Webseite „Freie saudische Liberale“ eine offene und pluralistische Debatte über die politischen Zustände im Königreich anstoßen wollte und somit den saudischen Herrschern zum Dorn im Auge wurde. In Wahrheit ist sein Fall eine Beleidigung der Meinungsfreiheit – und kein Einzelfall. Repressalien gegen Kritiker sind in Autokratien alltäglich. Einige Fälle sorgen international für Aufsehen und Protest, die meisten kritischen Stimmen verstummen aber ohne Nachhall.

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Julian Nida-Rümelin: Statt offener Grenzen – ein Marshall-Plan für Afrika!

Rettungsaktion für Flüchtende auf dem Mittelmeer – der Philosoph Julian Nida-Rümelin fordert eine Bekämpfung von Fluchtursachen statt offener Grenzen (Imago | Rene Traut )
Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, Tausende sterben jedes Jahr beim Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Ein politisches Großproblem, eine menschliche Tragödie, aber auch eine Herausforderung an das philosophische Denken.

Moderation: Susanne Führer | Deutschlandradio Kultur

Deutschlandfunk Kultur: Unser Thema in Tacheles heute sind Grenzen, und zwar die Grenzen zwischen Staaten, die verhindern sollen, dass Menschen aus dem Senegal oder aus Syrien einfach nach Deutschland oder Schweden zum Beispiel ziehen können in der Hoffnung auf Arbeit, auf Sicherheit und eine Zukunft. Es geht also um Migration und um Flüchtlinge und um die Frage, welche Verantwortung wir, die wir in Wohlstand und in Frieden leben, für diejenigen tragen, die dieses Glück nicht haben.

Damit tut sich ein Feld auf, das von der Politik bis zur Philosophie reicht, von Fragen nach Recht und Gesetz bis zu Fragen der Ethik. Und einer, der sich seit Jahren virtuos auf der Grenze von Philosophie und Politik bewegt, ist Julian Nida-Rümelin. Er ist Philosoph, lehrt auch als Universitätsprofessor in München und er war einmal Politiker, unter anderem Bundeskulturminister. Erstmal herzlich willkommen, Herr Nida-Rümelin.

Julian Nida-Rümelin: Guten Tag, Frau Führer.

Deutschlandfunk Kultur: Sie haben vor kurzem ein Buch veröffentlicht, „Über Grenzen denken“ heißt es, in dem Sie eine „Ethik der Migration“ entwerfen, so lautet also auch der Untertitel. Haben Sie eigentlich beim Schreiben dieses Buches jemals gedacht, Mensch, was habe ich für ein Glück, dass ich zu dieser Zeit in diesem Land geboren wurde und nicht im Irak, in Syrien oder Afghanistan?

Julian Nida-Rümelin: Also, nicht nur beim Schreiben dieses Buches, sondern ich habe mich vor Jahrzehnten schon engagiert für eine andere Weltpolitik, für gerechtere Verhältnisse. Das knüpft also da unmittelbar an, dieses Buch. Ich hatte den Eindruck, dass die gesamte Debatte entgleist ist.

Nachdem sich die Welt jahrzehntelang nicht mehr um das Elend und die Not gekümmert hat und stattdessen Welthandelsverträge beraten hat, glauben wir nun, mit offenen Grenzen das Weltelend mindern zu können. – Das ist eine völlige Fehleinschätzung auch der Größenordnung und der Herausforderung, vor der diese Welt steht.

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Zentralrat betont Bedeutung von Demonstrationen für Frieden

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland appelliert an die Gesellschaft, weiterhin für Frieden und gegen Terrorismus auf die Straße zu gehen.

evangelisch.de

Der Zentralrats-Vorsitzender Aiman Mazyek erinnerte in einer am Montag veröffentlichten Erklärung an den jüngsten Anschlag vor einer Moschee in London in der Nacht zum Montag und an das Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt im vergangenen Dezember. „In der Londoner Seven Sisters Road sind wir alle angegriffen worden, so, wie wir auch in Berlin auf dem Breitscheidplatz alle angegriffen worden sind“, erklärte Mazyek.

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Cemile Giousouf: „Man kann nicht folgern, alle Muslime seien für Terror“

CDU-Politikerin Cemile Giousouf, 39, ist integrationspolitische Sprecherin der Unionsfraktion im Bundestag Quelle: picture alliance/Lukas Schulze/lus hpl kde fgj jai
CDU-Integrationspolitikerin Giousouf warnt vor falschen Schlüssen aus der schwachen Beteiligung an der Anti-Terror-Demo von Muslimen in Köln. Sie macht der Ditib Vorwürfe – und droht mit einem Ende der Zusammenarbeit.

Von Matthias Kamann | DIE WELT

DIE WELT: Frau Giousouf, wie bewerten Sie es, dass in Köln so wenige Leute demonstriert haben?

Cemile Giousouf: Das ist sehr schade. Denn die Organisatoren der Demonstration hatten ein sehr wichtiges und bedeutsames Anliegen, nämlich ein Zeichen zu setzen, dass sich die Muslime in Deutschland von Terror und Hass im Namen des Islam abgrenzen. Dass dann nur so wenige gekommen sind, hat sicher auch damit zu tun, dass viele Muslime gar nicht in organisierten Strukturen sind. Aber entscheidend dürfte gewesen sein, dass sich einige muslimische Verbände und besonders die türkisch-islamische Ditib so sehr zurückgehalten haben.

DIE WELT: Die Ditib hat ihre Nichtteilnahme damit begründet, dass solche Demonstrationen das Problem des Terrorismus auf die Muslime verengen und diese damit stigmatisieren würden.

Giousouf: Diese Begründung ist völlig abwegig. Vielmehr muss man sagen: Die Ditib hat nicht die Chance genutzt zu zeigen, dass sie die Interessen der Muslime in Deutschland vertritt. Ich bezweifle, dass die Entscheidung des Vorstandes im Interesse der gesamten Basis ist. Denn es liegt doch im größten Interesse der hier lebenden Muslime, dem Terror klar ein Zeichen entgegenzusetzen. Besonders ärgerlich ist, dass die Ditib den Eindruck erweckt hat, sie sei im Vorfeld der Demonstration nicht nach einer Beteiligung gefragt worden. Richtig ist vielmehr, dass die Organisatoren alle Verbände gefragt haben und die Ditib sich bewusst dagegen entschieden hat.

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Bischof Meister: Getaufte Flüchtlinge sind Bereicherung

Bild: tilly
Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sieht in getauften Flüchtlingen auch eine Bereicherung für die evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland. Sie könnten neue Impulse einbringen, sagte Meister am Sonntag in einem Gespräch mit sieben christlich getauften Männern aus dem Iran und Afghanistan in Ramelsloh bei Hamburg. „In 20 Jahren singen wir hier vielleicht ein Lied, das einer von euch gedichtet hat, mit euren Erfahrungen“, sagte er bei dem Treffen nach einem Festgottesdienst zum 333-jährigen Bestehen der Stiftskirche Ramelsloh.

evangelisch.de

In der ländlichen Kirchengemeinde sind zwei Afghanen und fünf Iraner getauft worden, die als Flüchtlinge im Ort leben. Vor allem die ehemals muslimischen Männer aus dem Iran berichteten dem Bischof, dass sie in ihrer Heimat religiöse Vorschriften als Zwang empfunden hätten. Um in Lebensgefahr zu geraten, reiche es aus, sich nur für andere Religionen wie das Christentum zu interessieren.

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