Und sie werden eintreten und die Lieder von Mumford & Sons singen


Bild: RDF
Ein Auszug aus Annabelle Gurwitchs neuem Buch „Wherever You Go, There They Are“ über Familien jeglicher Art

Von Annabelle Gurwitch | Richard-Dawkins-Foundation

Wenn du durchblicken lässt, ungläubig zu sein, werden wohlmeinende Freunde Dinge sagen wie „Ich kann beweisen, dass es Gott gibt.“ Der Ehemann einer Freundin nahm kürzlich diese Herausforderung an. Er ist ein Musikproduzent, der nicht nur sein Leben nicht dem Studium der menschlichen Sinnsuche gewidmet hat; darüber hinaus ist er völlig unbelastet von seinem Mangel kultivierten Wissens. „Na los“ sagte ich, immerhin eine winzige Hoffnung hegend, er möge etwas Neues in der Tasche haben. Ich bin nicht der Typ „Hurra, es gibt keinen Gott!“ Ich bin der Typ „Es ist Mist, dass es keinen Gott gibt, aber ich habe mich damit abgefunden. Einen doppelten Espresso und das Neueste von Sam Harris bitte.“

„Ok, wenn es keinen Gott gibt, warum ist das Zahlenverhältnis von Männern zu Frauen auf der Welt immer im Gleichgewicht? Selbst nach Kriegen, in denen viele Männer sterben, kehren die Zahlen immer zum gleichen Niveau zurück. Das ergibt doch keinen Sinn, wenn nicht Gott eingegriffen hat?“

„Ich melde mich zu dem Thema wieder“ sagte ich, denn vor einem Kommentar wollte ich angemessene Sorgfalt üben. Also bat ich die Physikerin Lisa Randall, Autorin von „Knocking on Heaven’s Door“ („Die Vermessung des Universums“) und anderen unterhaltenden wie erhellenden Büchern um ihre Meinung.

„Wie hoch ist die statistische Wahrscheinlichkeit, dass Jeremy Wright, Musikproduzent aus Los Angeles, ein Welträtsel gelöst hat?“

„Reden wir über die Wahrscheinlichkeit vor dem Hintergrund aller Leute, die sich seit dem Beginn der Geschichtsschreibung dieser Aufgabe stellten oder nur dem unserer Generation? So oder so ist sie vermutlich nicht nur Null, sondern negativ. Wenn Mr Wright beweisen könnte, dass eine höhere Macht unser Universum am Laufen hält, nun, dann hätten wir den Beweis für Gottes Existenz. Er bringt aber nur ein weiteres ‚Intelligent Design‘-Argument, bei dem ein spezifisches wissenschaftliches Phänomen (in diesem Fall, wie menschliches Sperma eher männliche Nachkommen hervorbringt) als Erklärung einer völlig unverwandten Thematik benutzt wird, der Existenz Gottes nämlich.

Als „drei-minus-Schüler“, was die Wissenschaften betrifft, finde ich das Argument des „intelligenten Designs“ aus eher praktischen Gründen fehlerhaft. In einer wirklich intelligent designten Welt gäbe es keine Pädophilen, keine Diktatoren und man müsste keine Linsen essen. Es existierte weder AIDS noch Alzheimer noch Sportkleidung im Alltag. Wir hätten gleiche Bezahlung der Geschlechter, einen Mindestlohn, von dem sich leben lässt und die Leute hörten auf, „alles ist gut“ zu sagen. Antifaltencreme würde Falten beseitigen, das Glas von iPhones würde nicht springen, mit Unwahrheiten hausieren gehende Politiker würden durch Blitze niedergestreckt und Hot Pants wären gesetzlich verboten. Wenn jemand eine Theorie postulierte, die eine realistischere Beurteilung unserer Welt wiedergäbe, wäre ich geneigter, sie zu akzeptieren; skeptisch bin ich jedoch, dass „Gott liefert sein bestes Design“ auf große Begeisterung stieße. [1]

Ich fühlte nie die Verpflichtung, atheistische Gruppierungen ausfindig zu machen, bis zu jenem Tag, als mich ein Video über Bürger in seinen Bann zog, die im griechischen Legos freiwillig syrischen Flüchtlingen an Land halfen. Schon wollte ich den Namen der fördernden Organisation notieren, um mit ihr zwecks Beteiligung an den Rettungsbemühungen Kontakt aufzunehmen, als einer der Freiwilligen sich der Kamera zuwandte.

„Ich will nur, dass diese Leute gute Erfahrungen mit Christen machen.“

Können wir Humanisten jemals hoffen, mit solchem Enthusiasmus zu Werke zu gehen und so wie glaubensbasierte Gruppen auf Katastrophen und Krisen zu reagieren? Menschen, die sich als „ungebunden“ bezeichnen, sind gemäß „Pew Research„ die am wenigsten vertrauenswürdige Gruppe in Amerika. Könnte ich daran teilhaben, diese Wahrnehmung zu ändern?

Hätte ich in meinen Zwanzigern ein bisschen weniger Zeit damit verbracht, mit Esoterikern über frühere Leben nachzusinnen, dann hätte ich gewusst, dass größere Geister als ich schon an der Organisation säkularer Gemeinschaften rund um die Welt arbeiteten.

Eine schnelle Suche im Web ergibt, dass die Humanisten in meinem Stadtviertel Naturburschen sind, gern auf den örtlichen Wanderwegen unterwegs. Eine gesunde Ader für Humor durchzieht viele ihrer Online-Profile:

„Ich bin Atheist, weil ich sonntags gern ausschlafe.“

„Ich konnte wegen einer Pilzinfektion nicht zum Passahfest nach Hause; wenn das kein Grund ist, Gott aufzugeben, dann weiß ich auch nicht.“

„Ich bin Agnostiker, Satiriker, Autor und Rasputin-Darsteller. Besucht mein Blog für Blödsinn und Quark, hauptsächlich Quark.“

Dann erzählte mir ein Freund von der „Sunday Assembly“ in Los Angeles. Zwei britische Komiker, Sanderson Jones und Pippa Evans, hatten in England die Bewegung initiiert, als etwas wie „Kirche, aber völlig säkular“. Der Slogan „sei nützlich, staune mehr, hilf oft“ ist ihr Markenzeichen, übernommen von den siebzig weiteren Assemblies in acht Ländern, die seit 2013 aus dem Boden sprossen. Die Assembly-Website verkündet die Absicht, „radikal inklusiv“ zu sein; „wir machen nichts Übernatürliches, halten dich aber nicht davon ab“.

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