Das Grundgesetz lässt grüßen


© F.A.Z. Der „deutsche Gruß“ verlieh Hitler die Wirkungsmacht einer göttlichen Instanz. Davon war auch die Symbolik des Sports betroffen – hier sind die Sieger im Großen Preis von Deutschland 1939 zu sehen.
Der Hitlergruß war keineswegs ein Gruß, sondern ein Angriff auf die Menschenwürde. Er militarisierte die Selbstdarstellung der Individuen und erzeugte eine magische Illusion.

Von Boris Holzer | Frankfurter Allgemeine

Die Eigenheiten einer Epoche lassen sich an großen Ereignissen und Personen ablesen, aber auch an Veränderungen des Alltags. In seinem nun in einer erweiterten Neuauflage erschienenen Buch über den „deutschen Gruß“ zeigt der Soziologe Tilman Allert eindrucksvoll, wie gesellschaftliche Zäsuren sich in unscheinbaren Alltagshandlungen niederschlagen. Gegenstand der Studie ist der Hitlergruß, der sich mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten ebenso schnell verbreitete, wie er mit dem Ende ihres Regimes verschwand.

Die alltägliche Begrüßung wird kaum mehr als bewusst ausgeführte Handlung erfahren und daher in ihrer sozialen Bedeutung oft unterschätzt. In der Reduktion sozialer Wechselwirkung auf ein kommunikatives Angebot und dessen Erwiderung ist sie „das kürzeste Stück Gesellschaft“ und Anfang für weiteren Austausch. Der Gruß fungiert, so Allert, als „Türöffner der Kommunikation“. Er stiftet eine gemeinsame Gegenwart der Beteiligten, etabliert eine Verpflichtung zur Wechselseitigkeit und leitet eine mögliche gemeinsame soziale Beziehung ein.

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