Der Jude, der früher ein Nazi war


Yonatan Langer, 33, betrachtet sich in seiner Wohnung in Berlin-Schöneberg im Spiegel. (Foto: Lene Muench/Agentur Focus)
Er hat jahrelang gegen Ausländer gehetzt, in SS-Männern sah er Helden. Dann stieg Yonatan Langer aus der Neonazi-Szene aus – und wurde Jude. Was trieb ihn an?

Von Thorsten Schmitz | Süddeutsche.de

Es ist ein Freitagabend in Berlin-Schöneberg, Yonatan Langer sitzt zum Schabbatessen im Kabbalazentrum. Es gibt koschere Reisgerichte, Salate, Hühnchencurry, der Rotwein kommt aus Israel. Am Tisch sitzen Kabbalalehrer und Schüler und Besucher aus anderen Ecken Deutschlands, manche begegnen sich zum ersten Mal. Sie reden über Trump, über das Wetter in Miami, und jeder möchte vom anderen wissen, wie er Kabbala entdeckt hat. Eine Siemensmanagerin aus München sitzt Yonatan Langer gegenüber. Sie schaut ihn an, sagt: „Und Du, was hast Du gemacht, bevor Du Kabbala für dich entdeckt hast?“

Er hält kurz inne, wägt ab, dann sagt er die Wahrheit. „Ich war die meiste Zeit in meinem Leben Nazi.“ Stille am Tisch, alle Blicke sind auf Yonatan Langer gerichtet. Die Managerin gewinnt als erste ihre Fassung wieder: „Wie kommt man denn dazu – Nazi zu sein und dann Jude zu werden?“

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