Der IS in den Köpfen


Sayyid Dschamal ad-Din al-Afghani. Bild: wikimedia.org/PD

Der „Islamische Staat“ ist keinesfalls aus dem Nichts heraus entstanden. Er entspringt vielmehr einem Diskurs, der die arabischen Gesellschaften bereits seit einem halben Jahrhundert prägt und lähmt, schreibt der renommierte arabische Publizist Khaled Hroub.

Von Khaled Hroub | Qantara.de

Ein Gespenst geht um in den arabischen Gesellschaften – der Fanatismus. Dieses Gespenst hat viele Gesichter, aber sie alle haben eines gemeinsam: die gedankliche Nähe zum „Islamischen Staat“. Wir können in diesem Zusammenhang von einer latenten „Daeshisierung“ arabischer Diskurse sprechen. („Daesh“ ist eine auf Arabisch gängige Bezeichnung für die Terrormiliz IS). Inzwischen aber erheben sich die Stimmen, die der schleichenden „Daeshisierung“ der Gesellschaft die Stirn bieten wollen.

Der „Islamische Staat“ ist nicht aus dem Nichts heraus entstanden. Sein Gedankengut entspringt vielmehr einer Identitätspolitik, die die gesellschaftlichen, religiösen und politischen Definitionen im öffentlichen Diskurs der arabischen Länder seit einem halben Jahrhundert prägt.

Konservative religiöse Tendenzen eroberten die Moscheen, die Schulen und die Medien. Sie entschieden über Gut und Böse. Sie legten die Maßstäbe und Hierarchien fest, an denen die gesellschaftliche Stellung einer Person und die ihr gebührende Achtung bemessen wurden. All das vollzog sich nicht losgelöst von den geopolitischen Entwicklungen in der Region: Ohne gescheiterte Staatlichkeit und ausländische Einmischungen wäre dieses Szenario nahezu undenkbar gewesen.

Konfessionalisierung des öffentlichen Raumes

Die Wurzeln der heutigen latenten „Daeshisierung“ lassen sich etwa 100 Jahre zurückverfolgen und auf die gescheiterten Reformversuche von Dschamal ad-Din al-Afghani, Muhammad Abduh und Abd al-Rahman al-Kawakibi im 19. Jahrhundert zurückführen.

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