Die Gretchenfrage der Naturforschung


Ernst Peter Fischer Wenn das Wissen nicht mehr reicht Verlag: KomplettMedia, Grünwald 2017 ISBN: 9783831204465

Eingangs legt der Autor in einer autobiografischen Skizze ein Bekenntnis zum religiösen Unglauben ab, den sein Studium der exakten Wissenschaften geprägt hat. Umso mehr wundert ihn, wie oft Forscher die eine oder andere Form eines Gottesglaubens vertreten haben. In einer abwechslungsreichen Zusammenstellung von Forscherporträts, von Johannes Kepler (1571–1630) bis Stephen Hawking (* 1942), geht Fischer der Frage nach, ob und wie sich Glaube und Wissen vertragen können.

Von Michael Springer | Spektrum.de

Da Kepler und Isaac Newton (1643–1727) in einer politisch und ideologisch vom Christentum beherrschten Epoche lebten, stützten sie ihre wissenschaftlichen Resultate – ob aus Opportunismus oder Überzeugung – gelegentlich mit religiösen Argumenten. Ihr Gott sorgte quasi von Weitem für die allgemeine und ewige Geltung der Naturgesetze. Zudem wurde mindestens Newton, was Fischer nicht erwähnt, wohl durch alchemistische Spekulationen auf die Idee gebracht, irdische und astronomische Vorgänge gehorchten denselben Regeln. (Kleiner Einwand: Bei der Erwähnung von Newtons Kraftgesetz sind Indizes und Potenzen im Text nicht tief- beziehungsweise hochgestellt, sondern gleichermaßen glatt hinter die Buchstabensymbole für Masse und Abstand gereiht, was nicht zum Verständnis beiträgt.)

Religion als Selektionskriterium

Hingegen durchlebte Charles Darwin (1809–1882) einen tiefen persönlichen Konflikt zwischen dem Glauben an einen Schöpfer und der „Entstehung der Arten durch natürliche Selektion“, so sinngemäß der Titel seines Hauptwerks. Sogar für einen fernen Erbauer des natürlichen Uhrwerks wurde der Platz jetzt knapp; und wenn es dennoch einen Weltenlenker gab, dann war er, wie die neuen Erkenntnisse ergaben, kein liebevolles Wesen, sondern ein brutaler Verschwender von Lebewesen im Kampf ums Dasein. Umgekehrt erschien unter evolutionären Gesichtspunkten die Religion selbst als eine Art frühe soziale Mutation, die als moralischer Stabilisator einer Gruppe Überlebensvorteile verschafft.

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