Türkei: 14 Jahre, zwölf Stunden für einen Hungerlohn – aber Nuri funktioniert


Balo, 5, kommt mit seinem Vater jeden Morgen in die kleine Fabrik in Gaziantep. Er sortiert Schuhsohlen, schleppt Säcke. „Balo, kannst du mal …?“, fragt jemand, und Balo kann. Er kann immer. Er muss © Cigdem Yuksel
Sie sind vor dem Krieg geflohen – und enden als Kinderarbeiter. Syrische Jungen und Mädchen produzieren in türkischen Werkstätten Billigschuhe. Zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Eine Reportage aus Gaziantep.

Von Raphael Geiger | stern.de

Wenn Nuri spricht, kommen erwachsene Sätze aus einem Kindermund, er wirkt älter, sobald er redet. Ernsthaft, ja. Ernst. Er spricht überlegt, prägnant, ohne irgendein überflüssiges Gefühl.

Was bist du, Nuri? Ein Kind? Ein Erwachsener?

Nuri, 14, antwortet: „Vielleicht ein junger Erwachsener? Zu Hause bin ich das Kind meiner Eltern, aber ich arbeite ja, ich verdiene Geld, also bin ich wohl kein Kind mehr.“

Nuri arbeitet, seit er zehn ist, zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche. Er wirkt, als habe er keine Zeit, sich selbst zu bedauern, oder als wäre ihm die Idee gar nicht gekommen, als habe er seine Kindheit einfach übersprungen.

Morgens um halb acht steht Nuri auf, um acht beginnt die Arbeit in der kleinen Fabrik irgendwo in Gaziantep, im Süden der Türkei, in der Nähe der Grenze zu Syrien. Einer Stadt mit Tausenden syrischen Arbeitern ohne Papiere und mit syrischen Fabrikbesitzern, die Verbindungen haben zu den entscheidenden korrupten Beamten.

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