Die Kinder von Manchester und die regressive Linke


Manchester Arena. Bild. RDF
Der folgende Beitrag wurde am Tag der Attacken auf der London Bridge und dem Borough Market (3. Juni) veröffentlicht, weniger als zwei Wochen nach dem Attentat in Manchester.

Von Jeffrey Tayle | Richard-Dawkins-Foundation

Verliert die Aufklärung den Kampf der Ideen? Beinahe sieht es so aus. Moralischer Verfall, Heuchelei, aufkommende Hysterie und die Verleugnung verifizierbarer Fakten durchziehen unseren öffentlichen Diskurs. Atavismen, Nativismen, übermäßiger Respekt vor Religion (insbesondere einer Religion, mehr dazu unten) nehmen zu; eine kindisch-intolerante, zu Wutanfällen neigende Sorte linker Militanz erschien auf der Bildfläche, mit „Intersektionalität“, „kultureller Aneignung„ und „Privileg“ als modischen Schlagworten und dem „de-platforming“ kontrovers gehandelter Sprecher als geläufiger Ausprägung. (Über allem schwebt der Geist der Postmoderne.) Diese Militanz zeigt eine Verzerrung durch ideologische Umnachtung, haarsträubend genug, an die bösartigste Klapsmühlen-Satire zu erinnern; lachhaft eigentlich, wäre sie nicht so gefährlich. Wir taumeln am Rande des kulturellen Selbstmords entlang, einem Selbstmord, der von der illiberalen Linken befördert wird.

Nirgendwo ist das sichtbarer als an den Universitäten. Mitte Mai hielt es eine Studentengruppe am Dartmouth College für angebracht, die ungenierte Islam-Apologetin Linda Sarsour als Sprecherin einzuladen, mit der wir gemäß Bernie Sanders‘ Meinung im Januar in Washington DC hätten marschieren sollen, die aber eher dafür bekannt ist, rückschrittliche, zeitweise gemeine Tweets loszulassen (und dann zu löschen), einschließlich des einen im Jahr 2011 mit dem Inhalt, dass sie am liebsten Ayaan Hirsi Alis Vagina entfernen würde. Hirsi Ali, in Somalia geboren, ist eine heldenhafte öffentliche Intellektuelle und Islam-Aussteigerin, die genital verstümmelt wurde; die grausame, kranke Ironie in Sarsours Tweet kann niemandem entgehen.

Bei Sarsours Rede stand ein (weißer, männlicher) Student auf, verkündete „Frauenrechte sind Menschenrechte“ und befragte sie unverblümt zu jenem Tweet. Sarsours Antwort? Sie forderte „Kontext“ ein, führte des jungen Mannes Geschlecht und Hautfarbe als Gründe an, seine Frage zu verwerfen und machte dann plumpe Ausflüchte über den Tweet, den er (nicht der Wahrheit entsprechend) „von einem rechtsgerichteten Blog hatte“, den sie abgeschickt hatte oder auch nicht, und überhaupt, sie sei damals in ihren Zwanzigern gewesen, und „Leute reden in dem Alter manchmal Blödsinn. Stimmt’s?“ Die Studenten belohnten ihre ausweichende Antwort schamlos mit Applaus und zustimmendem Johlen.

Aber wir verlieren mehr als nur den Kampf der Ideen. Wie die jüngste islamistische Attacke in Manchester zeigt, verlieren wir die Leben unserer Kinder. Das von der Bombe verspritzte Blut und Fleisch der pubertierenden Opfer auf Haut und Haar der Überlebenden war noch nass, als wir schon vor „Islamophobie“ gewarnt wurden, hier zum Beispiel, und hier:

Prof. Aisha K Gill twittert: „Aufschlussreiche Kommentare von @mehdirhasan über die Reaktionen auf Manchester. Islamophopie spielt dem ‚Islamischen Staat‘ direkt in die Hände. Rechtsextreme Beleidigungen des Islam und Rufe nach Razzien tragen dazu bei, einen Keil zwischen Muslime und die westlichen Gesellschaften zu treiben, in denen sie leben.“

Indem sie die dringend nötige offene Diskussion über den Islam und seine gewaltinduzierenden Doktrinen in das Licht des Verwerflichen stellen, leisten jene, die solche Forderungen erheben, den Tätern islamistischer Gräuel Vorschub und finden sich passenderweise in der Gesellschaft des Manchester-Terroristen wieder, der selbst einem Lehrer „Islamophobie“ vorwarf.

Schämen sollten sie sich.

Sie sind nicht neu, die „Islamophobie“-Warnungen, die nach jeder Episode islamistischen Massenmords auf uns herunterregnen wie die Splitter der tatsächlichen Explosionen und bei unserer Vernunft und unserem Sinn für menschlichen Anstand Kollateralschäden anrichten.

Ein gewisser Shaun King schaffte es für die New York Daily News, in weniger als achthundert Wörtern alle islambezogenen Fehlschlüsse der regressiven Linken in einer einzigen grotesken, selbstgefälligen Erklärung der zivilisatorischen Kapitulation unterzubringen. Schon der Titel veranschaulicht das Dilemma wahrer Liberaler, die eine ehrliche Diskussion der Motive islamistischer Terroristen einfordern. Kings Essay – „Warum wir niemals den Islam (oder Muslime) hassen dürfen, nur wegen der Gewalttätigkeit seiner falschen Anhänger“ – könnte als eine salbadernde, grobe Art Parodie abgetan werden. Aber King meint es ernst und offenbart in seiner Ernsthaftigkeit einen ihn diskreditierenden Mangel.

Shaun King auf Twitter: Mein Neuester. Wir dürfen niemals den Islam hassen, oder Muslime, nach Gewalttaten seiner falschen Anhänger, die den Glauben missbrauchen. https://t.co/gSNGn32IgB

Kings Eröffnung deutet schon den unpassenden Solipsismus an, der folgt, und kränkt auf Anhieb die trauernden Familienmitglieder der Opfer, indem sie deren unvorstellbare Qual mit seinen eher banalen Bedenken ob seiner gemischt-ethnischen Abstammung gleichsetzt. „Meine liebe Mutter ist eine süße, treusorgende 66 Jahre alte weiße Frau aus dem ländlichen Kentucky. Ich liebe sie ohne Vorbehalt.“ In einem Artikel zur islamistischen Auslöschung unschuldiger Kinder folgen nun zwei Absätze, in denen King seine Aufrichtigkeit als Journalist anpreist. Derart weiter schwatzend, kommt er im dritten Absatz immerhin auf seinen zentralen und so unoriginell-ermüdenden den Islam rechtfertigenden Fehlschluss: „Wir müssen stets dem Drang widerstehen, eine ganze Menschenrasse zu verdammen, selbst wenn wir weiße Haut, weiße Privilegien oder weiße Vormachtstellung verabscheuen.“

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