„Kunst macht dasselbe wie Religion“


Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård. (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
„Kämpfen“ heißt das neue Buch des norwegischen Schriftstellers Karl Ove Knausgård. Auf den 1.300 Seiten kommt rund 400 Mal das Wort Gott vor. Es reizt ihn, sich mit Religion auseinanderzusetzen. Barmherzigkeit findet er besonders verlockend – und problematisch, weil sie Unterschiede verwischt.

Von Brigitte Neumann | Deutschlandfunk

Karl Ove Knausgård, vierfacher Vater, in zweiter Ehe mit einer norwegischen Schriftstellerin verheiratet, ist frisch geschieden. Wir sprechen über Rituale. Ihm fällt die Beerdigung seines Vaters ein:

„Ich muss sagen, dass ich nie etwas mit der Kirche zu tun hatte. Aber in dem Moment brauchte ich einen Priester. Nur für die Formalitäten der Beerdigung. Aber am Ende war es wie eine Beichte. Ich weinte und weinte. Und der Priester saß nur da und hörte zu. Dann stellte er ein paar Fragen zu meinem Vater. Es kam der Tag der Beerdigung. Mein Vater war Teil davon als Mensch unter Menschen. Der Priester sagte: ‚Er hatte sein Leben und es war ein schweres Leben. Und nun ist er tot. Wir verabschieden uns von ihm.‘ Und da begriff ich: Das muss Barmherzigkeit sein. Alles, was er getan hatte, war damit komplett getilgt. Darum ging es nicht mehr. Einer von uns ist tot. Wir verabschieden ihn. Da habe ich das erste Mal in meinem Leben verstanden, was ein Ritual ist. Und was Barmherzigkeit ist. Und warum es Religionen gibt.“

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