Das Zerstörungswerk der Dschihadisten

Wo heute Syrien und Irak liegen, war einst die Wiege der Zivilisation. Viele Kulturstätten zeugen noch heute davon – viele sind aber auch durch Krieg, Gewalt und Plünderung zerstört. In Syrien und im Irak beraten nun Experten über den Umgang mit beschädigten Denkmälern.

Von Mey Dudin | Qantara.de

Zuletzt ging eine Berühmtheit in Mossul für immer verloren: Die Große Al-Nuri-Moschee aus dem 12. Jahrhundert wurde Ende Juni bei der Schlacht um die nordirakische Stadt zerstört – gesprengt von IS-Dschihadisten. Bekannt war die Moschee vor allem wegen ihres schiefen Minaretts, die ihr auch den Beinamen „Al-Hadba“ („die Bucklige“) eingebracht hatte. Vor drei Jahren benutzte IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi die Moschee als Bühne, um sein „Kalifat“ in den Gebieten von Syrien und dem Irak auszurufen, die seine Dschihadisten erobert hatten.

Es ist ein weiteres von vielen Denkmälern, die dem Krieg in den vergangenen Jahren zum Opfer gefallen sind. Kulturstätten gibt es in der Region viele, war sie doch einst die Wiege der Zivilisation und ist seit jeher ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen – ein Erdteil, in dem Araber und Juden, Assyrer und Jesiden, Kurden und Turkmenen friedlich nebeneinander lebten.

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Oberlandesgericht zweifelt an Spaghettimonster-Kirche

Screenshot: http://www.pastafari.eu/
Im Rechtsstreit der „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters“ mit dem Land Brandenburg über öffentliche Hinweisschilder für „Nudelmessen“ zeichnet sich eine Niederlage des Vereins ab.

evangelisch.de

Der Zivilsenat des Oberlandesgerichts zweifele daran, dass die religionskritische Vereinigung, deren Anhänger sich als Pastafaris bezeichnen, eine mit den Kirchen gleichzustellende Weltanschauungsgemeinschaft sei, sagte Gerichtssprecherin Judith Janik dem Evangelischen Pressedienst (epd) im Anschluss an die Verhandlung am Freitag in Brandenburg an der Havel. Die Entscheidung in dem Rechtsstreit soll am 2. August verkündet werden.

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G20-Gipfel: Wenn Kirche in der Sicherheitszone liegt

© Bild: picture alliance/ZUMA Press
In Hamburg herrscht während des G20-Gipfels der Ausnahmezustand. Die Pfarrei St. Joseph liegt in der Sicherheitszone. Katholisch.de hat mit Pfarrer Karl Schultz über Krawalle und Gebet gesprochen.

Von Johanna Heckeley | katholisch.de

Herr Schultz, Ihre Pfarrei St. Joseph liegt im Hamburger Schanzenviertel – genau der Stadtbezirk, der gerade wegen den gewalttätigen Demonstrationen von G20-Gegnern in den Schlagzeilen ist. Wieviel bekommen Sie und Ihre Gemeinde davon mit?

Karl Schultz: Wir selbst hatten zwar noch kein brennendes Auto vor der Kirche, aber ein paar hundert Demonstranten. Das war schon heftig und hatte mit „normalen“ Demonstrationen nichts mehr zu tun.

Frage: Wie können Sie zurzeit noch Ihrer Arbeit nachgehen?

Schultz: Die eigentliche Demonstrationsnacht war ja in der Nacht auf Freitag. Zu dieser Zeit arbeite ich für gewöhnlich nicht. Der Gottesdienst am Donnerstag musste ausfallen, weil das Gebiet abgesperrt war. Es gibt diese Beeinträchtigungen, weil unser gesamter Stadtteil, also auch das Territorium unserer Gemeinde, zur Sicherheitszone gehört. Das Schanzenviertel ist gleich zweimal betroffen: Einmal davon, dass sich die Linksradikalen im Viertel treffen – aber das tun sie auch sonst, zum Beispiel an jedem ersten Mai. Und dann davon, dass das Zentrum der Verhandlungen, also das Messegelände, nicht weit von hier entfernt ist. Daher gibt es hier eine hohe Polizeipräsenz. Zwar müssen wir nicht unsere Ausweise vorzeigen, wenn wir zur Kirche wollen. Aber es verändert die Atmosphäre, wenn an jeder Ecke zwei Polizisten stehen. Das verunsichert ein wenig, weil man das nicht gewohnt ist. Es ist eben eine Ausnahmesituation.

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Pocken: Seuche aus dem Baukasten

Querschnitt durch ein von Pockenviren befallenes Blutgefäß. (Foto: imago/StockTrek Images)
Virologen haben Pferdepocken im Labor nachgebaut. Sie warnen: Auch die ausgerottete menschliche Variante des Virus ließe sich auf beunruhigend einfache Weise wiederbeleben.

Von Kai Kupferschmidt | Süddeutsche.de

Die Pocken auszurotten, eine der grausamsten Seuchen der Menschheitsgeschichte, hat Jahrzehnte gedauert und Milliarden Euro gekostet. Die Krankheit zurückzubringen, dürfte ein kleines Team heute ein halbes Jahr Arbeit und weniger als 100 000 Euro kosten. Das ist eine der Schlussfolgerungen aus einem bahnbrechenden Experiment, das der Mikrobiologe David Evans von der University of Alberta in Edmonton in Kanda bereits im vergangenen Jahr durchgeführt, aber bislang nicht publiziert hat.

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Niederlande erklären türkischen Vize-Premier zur unerwünschten Person

Tuğrul Türkeş. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Der türkische Vize-Premier Tugrul Türkes will in den Niederlanden an einer Gedenkveranstaltung zum Putschversuch teilnehmen. Die Regierung in Den Haag will dies verhindern.

SpON

Der türkische Vize-Premier Tugrul Türkes ist in den Niederlanden nicht willkommen und soll nach dem Willen Den Haags nicht an einer Gedenkfeier zum Jahrestag des Putschversuches in der Türkei teilnehmen. Angesichts der „bilateralen Beziehung beider Länder“ sei ein Besuch eines Mitglieds der türkischen Regierung zur Zeit nicht erwünscht, erklärte die niederländische Regierung in Den Haag. Der Vize-Premier sollte nächste Woche in Apeldoorn an einer Veranstaltung einer türkischen Organisation teilnehmen.

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Sahra Wagenknecht: Kirche und Sozialismus sind kein Gegensatz

Bild: Die Linke/Landesverband Rheinland-Pfalz
Die Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht wünscht sich von den Kirchen eine stärkere kritische Begleitung der Politik. Im Interview zieht sie zudem Parallelen zwischen Christentum und Sozialismus und stellt sich hinter die Staats-Kirchen-Verträge.

Interview Anna Mertens, Christoph Scholz | domradio.de

KNA: Will die Linke auch zur Bundestagswahl mit Papst Franziskus-Plakaten werben?

Wagenknecht: Ich fand das damals in Rheinland-Pfalz eine gute Idee. Wir wollen den Papst nicht vereinnahmen. Aber seine Kritik an der Gleichgültigkeit gegenüber Tod und Elend auf dieser Welt ist beispielhaft. Seine Aussage „diese Wirtschaft tötet“ ist leider hochaktuell.

KNA: Ist die historische Entgegenstellung von Kirche und Sozialismus für Sie überwunden?

Wagenknecht: Für mich gibt es da keinen Gegensatz. Sicherlich haben die Kirchen in ihrem Verhältnis zu Macht und Unterdrückung eine widersprüchliche Geschichte. Das gilt allerdings auch für die Parteien, die sich auf den Sozialismus berufen haben. Ich sehe in der christlichen Religion ganz viel, was dem Bestreben von Sozialisten ähnelt. Wenn ich mit Christen diskutiere, bin ich immer wieder überrascht, wie viele Gemeinsamkeiten es gibt. Das Gebot der Nächstenliebe und das Gebot der Solidarität stehen beide im Widerspruch zur neoliberalen Ellbogengesellschaft.

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Die Spuren des Kolonialismus in Berlin

Ein Kampf ohne Hoffnung. Herero im Krieg gegen deutsche Soldaten in Südwestafrika, dem heutigen Namibia.FOTO: IMAGO/LEEMAGE
Durch die Diskussion um die Straßenumbenennung in Wedding wird die blutige Geschichte des Kolonialismus aufgearbeitet. Endlich.

Von Christian Schröder | DER TAGESSPIEGEL

Deutsche Helden. Ein Großkaufmann, ein Afrikaforscher und ein Widerstandskämpfer. Finden Sie den Fehler? Genau, der Widerstandskämpfer passt nicht richtig in die Reihe. Er kam erst später dazu. An der Petersallee, die das Afrikanische Viertel im Berliner Wedding durchschneidet, verweisen Schildchen auf den Namenspatron: „Prof. Dr. Hans Peters, Stadtverordneter, 1896–1966.“ Ursprünglich war die Allee allerdings nach Carl Peters benannt, einem Glücksritter, der mit windigen Verträgen die erste deutsche Kolonie Deutsch-Ostafrika zusammenkaufte. Wegen seines mörderischen Umgangs mit der einheimischen Bevölkerung gab man ihm den Spitznamen „Hänge-Peters“. In Tansania heißt er bis heute „mkono wa damu“, blutige Hand.

An der Lüderitzstraße und dem Nachtigalplatz fehlen Erklärhinweise. Anders als im Fall Peters hatten sich so schnell keine Musterdemokraten oder Nobelpreisträger finden lassen, die Nachtigal oder Lüderitz hießen. Nun sollen ihre Namen allesamt verschwinden. Lüderitzstraße, Petersallee und Nachtigalplatz werden nach einem Beschluss des Bezirksamtes umbenannt. Etwas ungerecht ist das vielleicht gegenüber Gustav Nachtigal, der zwar der kaiserlichen Kolonialverwaltung angehörte, Afrikanern aber ohne den Hochmut eines Herrenmenschen begegnete.

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Rechtsextreme Straftaten im Mai auf Jahres-Höchststand

Bild. MiGAZIN
Knapp 1.200 rechtsextremistische Straftaten haben Sicherheitsbehörden im Mai 2017 registriert. Das ist ein neuer Höchststand im laufenden Jahr und eine deutliche Steigerung im Vergleich zu den Vormonaten.

MiGAZIN

Rechtsextreme Gewalt nimmt einem Medienbericht zufolge weiter zu. Im Mai seien 1.186 rechtsextremistische Straftaten registriert worden, berichtet die Passauer Neue Presse unter Berufung auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktionen von Union und SPD. Im Januar waren es demnach nur 823 Verbrechen, im Februar 911, im März 999 und im April 990.

Den Großteil der rechtsextremistisch motivierten Straftaten im Mai machten Propagandadelikte aus. In 83 Fällen habe es sich um Gewalttaten gehandelt, bei denen insgesamt 73 Menschen verletzt worden seien.

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Wie Berliner Rucksacktouristen Nordkoreas Regime mitfinanzieren

Botschaft Nordkoreas hat ein Nebengebäude an das Cityhostel vermietet – (c) imago/Jürgen Ritter
Ein Hostel in Berlin, Hochzeitssäle in Sofia und ein Musikstudio in Warschau bekommen möglicherweise Ärger wegen ihres Vermieters: Kim Jong Un.

Die Presse.com

Verschiedene private Firmen hatten Mietverträge mit nordkoreanischen Botschaften in osteuropäischen Hauptstädten geschlossen. Das wiederum bingt dem klammen Regime in Asien stark benötigte Einnahmen. Die Vereinbarungen verstoßen zwar gegen UN-Resolutionen, doch die Geschäfte laufen weiter, während die hiesigen Regierungen damit kämpfen, die Mietverträge zu kündigen.

Dei Schwierigkeiten, die selbst US-Verbündete haben, gegen relativ harmlose Geschäfte vorzugehen, verdeutlichen die Herausforderungen bei der Umsetzungen von Sanktionen gegen Nordkorea. Während die USA in der Vergangenheit vor allem Druck auf China ausübten, will US-Außenminister Rex Tillerson nun, dass der Rest der Welt mehr unternimmt, um den Geldfluss nach Nordkorea zu unterbrechen.

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Kopfstehen macht Gesichter schöner

Ob wir ein Gesicht richtig herum oder gedreht sehen, hat einen Einfluss darauf, wie attraktiv wir es finden. © sodapix/ thinkstock
Skurriler Effekt: Ein auf dem Kopf stehendes Gesicht erscheint uns schöner als seine aufrechte Version. Und auch das auf die Seite gekippte Portrait bekommt unbewusst einen Attraktivitätsbonus, wie ein Experiment belegt. Der Grund für überraschenden Effekt Stimmt die Orientierung nicht, kann unser Gehirn das Gesehene schlechter mit internen „Schablonen“ vergleichen. Negative Abweichungen übersieht es daher eher.

scinexx

Gesichter zu erkennen und in ihnen lesen zu können, ist für uns Menschen fundamental wichtig. Denn durch sie erkennen wir Menschen wieder, erfassen ihre emotionale Stimmung und können selbst bei fremden Personen das Alter, Geschlecht und weitere erste Eindrücke ablesen. Selbst Charakterzüge wie Ehrlichkeit, Egoismus oder Aggression meinen wir am Gesicht erkennen zu können – ein Effekt, der unser Sozialverhalten und sogar Wahlen beeinflussen kann.

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Darf Deutschland legal Atomwaffen besitzen oder bauen?

Die Mirage sind Teil der französischen „force de frappe“. Bild: RAF/MOD/OGL
Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages erklärt, dass dies völkerrechtlich über eine „nukleare Teilhabe“ und die Ko-Finanzierung von ausländischen Atomwaffen möglich sei

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Atomwaffen schützen. Das demonstriert gerade Nordkorea der Weltöffentlichkeit, bislang mit Erfolg, und sieht als weitere Atommacht. In Deutschland kam mit dem Amtsantritt von Donald Trump und seinem zuerst zögerlichen Verhältnis zum Beistandspakt der Nato eine Diskussion darüber auf, ob sich Deutschland eigene Atomwaffen zur Abschreckung besorgen sollte. Über die so genannte nukleare Teilhabe würden im Ernstfall auch deutsche Tornados mit Atombomben ausgestattet, was hieße, Deutschland würde an einem Atomkrieg aktiv teilnehmen.

Gerade findet in New York bei den Vereinten Nationen bis Freitag eine Konferenz statt, an der 134 Staaten teilnehmen, um einen Vertragsentwurf zum Verbot von Atomwaffen zu erstellen. Erinnert wird daran, dass die Atommächte, die zudem einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat haben, mit dem Abschluss des Nichtverbreitungsabkommens oder Atomwaffensperrvertrags (NPT bzw. NVV), die Verpflichtung eingegangen sind, „in naher Zukunft“ das nukleare Wettrüsten zu beenden und Verhandlungen aufzunehmen, die Atomwaffen abzurüsten. Das völkerrechtlich bindende Versprechen, mit dem anderen Staaten der Erwerb von Atomwaffen verhindert werden sollte – auch in Deutschland hatte man darüber nachgedacht -, erfolgte vor 50 Jahren.

Von naher Zukunft könnte man heute nicht mehr reden, selbst wenn die Atommächte jetzt damit beginnen sollten. Sie sehen aber keinen Anlass dazu und haben sich an der Konferenz ebenso wenig beteiligt wie die anderen Nato-Länder, nur die Niederlande sind dabei – und auch die EU. Während der Iran sich beteiligt, ist man daran in Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea auch nicht interessiert. Linke und Grüne hatten die Bundesregierung aufgefordert, die Verhandlungen „aktiv“ zu unterstützen, was die schwarz-rote Koalition aber nicht wollte (Diskussion im Parlament).

Während die deutsche Regierung eine Beteiligung ablehnte, hat der CDU-Abgeordnete und ehemalige ehemaliger Generalstabsoffizier Roderich Kiesewetter, der als Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss fungiert, bereits letztes Jahr die Frage nach deutschen Atomwaffen wieder aufgebracht und den Wissenschaftlichen Dienst beauftragt, die völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands beim Umgang mit Kernwaffen zu prüfen. Insbesondere interessierte ihn offenbar, ob eine „Ko-Finanzierung ausländischer Nuklearwaffenpotentiale durch Deutschland“ möglich sei.

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Kannibalismus: Warum Menschen Menschen essen

Bild: hiddenmuseum.net
Der widerwärtigste Mensch aller Zeiten lebte womöglich in einem Kaff in Wisconsin. Dort hauste einst in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Ed Gein auf einer heruntergekommenen Farm, weidete die Körper von Frauen aus und legte das Herz eines seiner Opfer in die Pfanne.

Von Frank Thadeuz | SpON

Vielleicht gebührt der zweifelhafte Titel aber auch Andrej Tschikatilo aus Rostow, der in Russland mindestens 52 Menschen ermordete und anschließend auf der einen oder anderen Zunge oder Brustwarze herumkaute.

Oder ist der Kannibale von Rotenburg der schlimmste von allen? Armin Meiwes schnitt im Jahr 2001 seinem Opfer erst den Penis ab. Dann fiel er über dessen restlichen Körper her wie über Schlachtvieh.

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Wenn die journalistische Norm der brave Bürger ist

Proteste Stuttgart 21. Bild: Mussklprozz / CC BY-SA 3.0
Eine Studie zeigt die Defizite eines Journalismus, der die Perspektive der Macht und Herrschaft einnimmt

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der G20-Gipfel und die Gegenproteste beschäftigen die Medien seit Tagen. Doch was wird dort berichtet? Werden die Argumente der Kritiker wiedergeben oder geht es darum, eine Symbolpolitik darzustellen? Rechtzeitig zum Gipfel in Hamburg hat das Institut für Protestforschung eine Studie veröffentlicht, die sich diesen Fragen widmet. Sie wurde von den Bewegungsforschern Simon TeuneDieter Rucht und Moritz Sommer erarbeitet.

Die drei Forscher haben 69 Beiträge zu sieben Demonstrationen untersucht, die zwischen 2003 und 2015 erschienen sind. Elf Medien wurden untersucht, darunter Taz, Bild, die Wochenzeitungen Spiegel, Focus und Die Zeit sowie die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, ZDF und Deutschlandfunk. Die Medienauswahl ist ein Schwachpunkt der Studie. Es gibt hier nur konservative und liberale Medien.

Medien links von der Taz werden einfach ignoriert. Bemerkenswert ist, dass nicht einmal in der Einleitung begründet wird, warum weder die Wochenzeitung Freitag oder die Jungle World noch die Tageszeitungen Neues Deutschland und junge Welt zu den Untersuchungsobjekten gehören. Zumindest eine Zeitung aus dem linken Spektrum hätte schon berücksichtigt werden müssen.

So setzt sich auch in der kritischen Protestforschung die Ausblendung linker Positionen fort. Relevante Meinungsbildung hat nach ihrer Vorstellung nur zwischen Taz, Frankfurter Rundschau, FAZ und Bild stattzufinden. Zu den Protesten, die hier nachbereitet werden, gehören Aktionen gegen den Irakkrieg, der Agenda 20, den G8-Gipfel 2007 in Stock, der Widerstand gegen das Projekt Stuttgart 21 in der gleichnamigen Hauptstadt von Baden Württemberg, die Aktionen für die AKW-Abschaltung nach der Katastrophe von Fukushima und die Anti-TTIP-Demonstration und der Pegida-Bewegung.

Wenig überraschend ist die Erkenntnis, dass die Demonstrationen und Proteste negativer eingeschätzt werden, je konservativer eine Zeitung ist. Bei Pegida war es verständlicherweise umgekehrt. Dort hatten die konservativen Medien mehr Verständnis als die liberalen. Doch in vielen Zeitungen kommen die unterschiedlichen Demonstranten nur am Rande zu Wort. Dafür wird der Version der Polizei und anderer Staatsapparate viel Raum gegeben.

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Fall Charlie Gard: Entscheidung über Leben und Tod

Chris Gard und Connie Yates mit ihrem Baby Charlie. Foto: dpa
Nach dem Hilfsangebot einer römischen Klinik für das todkranke Baby Charlie schaltet sich die Politik ein. Trump und der Papst wollen den Eltern helfen.

Von Sebastian Borger | Frankfurter Rundschau

Das Wohl eines Kindes, wer weiß darüber am besten Bescheid? Wer darf, wer muss Entscheidungen treffen über Leben und Tod? Der Schriftsteller Ian McEwan hat die herzzerreißenden Probleme für Eltern, Ärzte und Gerichte schon vor Jahren brillant verarbeitet.

Sein Roman „Kindeswohl“ wirkt wie eine Blaupause für das, was sich seit einigen Wochen in Großbritannien abspielt. Richter am High Court, ja sogar am Supreme Court und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte mussten sich mit dem Schicksal des elf Monate alten Babys Charlie Gard beschäftigen, dessen Lebenschancen von seinen Eltern und den Ärzten an Londons berühmter Kinderklinik Great Ormond Street (GOS) sehr unterschiedlich beurteilt werden. Die Nation nimmt Anteil, auch Vertreter anderer Länder fühlen sich zur Stellungnahme bemüßigt.

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„Über die Würde des Menschen“

Portrait des italienischen Philosophen Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494). (imago / Leemage)
Viele nennen ihn nur Pico. Er hat vor mehr als 500 Jahren das humanistische Denken geprägt. Im Vorfeld der Reformation sah Pico della Mirandola im Menschen „ein großes Wunder“, während Theologen wie Luther von der Erbsünde sprachen. Aber worin besteht für Pico die Würde des Menschen?

Von Astrid Nettling | Deutschlandfunk

„Verehrte Väter! In arabischen Schriften habe ich Folgendes gelesen: Man fragte einmal den Sarazenen Abdalas, was es auf dieser irdischen Bühne als das am meisten Bewunderungswürdige zu sehen gebe. Darauf antwortete jener, nichts Wunderbareres als den Menschen. Dieser Ansicht pflichtet auch das Wort des Merkurius bei: Ein großes Wunder, o Asclepius, ist der Mensch.“

Mit diesen Lobesworten beginnt der junge Gelehrte Giovanni Pico aus dem Geschlecht der Grafen von Mirandola und Concordia seine berühmte „Rede über die Würde des Menschen“. Die 1486 verfasste Rede soll eine öffentliche Disputation einleiten, die der 23-Jährige für das folgende Jahr plant. Auf eigene Kosten will er dazu Gelehrte aus ganz Europa nach Rom einladen. In Anwesenheit des Papstes und des Kardinalskollegiums sollen die Gelehrten einträchtig danach suchen, wie ihre philosophischen und theologischen Schulstreitigkeiten überwunden werden könnten.

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Ehe für alle“: Weiter Debatte über Gang nach Karlsruhe

Befürworter und Gegner der „Ehe für alle“ debattieren darüber, ob für die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben eine Grundgesetzänderung notwendig ist. Die katholische Kirche hofft auf eine Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht.

evangelisch.de

Einen Tag vor der Bundesratssitzung am Freitag haben Befürworter und Gegner der „Ehe für alle“ ihre Positionen bekräftigt. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) erklärte in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Online: Donnerstag/ Print: Freitag), eine Grundgesetzänderung sei nicht notwendig, um die Ehe für homosexuelle Paare zu öffnen. Bayern kündigte an, eine Verfassungsklage prüfen zu wollen. Die katholische Kirche hofft auf ein Verfahren in Karlsruhe.

Maas sieht im Verfassungsgebot zum Schutz der Ehe keinen Widerspruch zur „Ehe für alle“. Der Ehebegriff habe sich gewandelt, argumentiert der SPD-Politiker. Die Ehe sei heute die dauerhafte Lebensgemeinschaft zweier Menschen beliebigen Geschlechts. Zur Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers gehöre auch die Festlegung, wer eine Ehe eingehen könne, solange er den vom Grundgesetz gebotenen Schutzauftrag nicht verletze.

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Wie Planeten nach einer Sternexplosion entstehen

Der Geminga-Pulsar (Markierung in der Mitte) und seine Umgebung, aufgenommen mit dem James Clerk Maxwell Telescope. Links vom Pulsar ist die „Bugwelle“ zu erkennen. Auch rechts vom Pulsar befindet sich eine Materieverdichtung. Außerdem ist um den Pulsar eine Aufhellung sichtbar, die auf eine Gas- und Staubscheibe hindeutet, in der Planeten entstehen könnten. Quelle: Jane Greaves/JCMT Lizenz: gemäß den Bedingungen der Quelle
Der 800 Lichtjahre von uns entfernte Geminga-Pulsar schiebt nicht nur interstellares Gas vor sich her, ihn umgibt auch eine Scheibe aus Gas und Staub. Vermutlich falle die in der „Bugwelle“ verdichtete Materie auf den Neutronenstern zu und sammele sich dort in der beobachteten Gas- und Staubscheibe – in der womöglich Planeten entstehen können – berichten Jane Greaves von der University of Cardiff und Wayne Holland vom Royal Observatory in Edinburgh nun im Fachblatt „Monthly Notices of the Royal Astronomical Society“.

Von Rainer Kayser | Welt der Physik

Die ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems fanden Astronomen vor 25 Jahren nicht bei einem normalen Stern wie unserer Sonne, sondern bei einem Neutronenstern ähnlich dem Geminga-Pulsar. Neutronensterne sind extrem dichte Überreste einer Supernova. Bei einer solchen Sternexplosion sollten jedoch auch etwaige Planeten zerstört werden. Planeten um Neutronensterne müssen demnach erst nach der Sternexplosion neu entstanden sein. Bislang hatten Himmelsforscher jedoch keine Erklärung dafür, woher das Baumaterial für diese Planeten stammen könnte.

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„Ein Auto ist fünf Mal gefährlicher als eine Schusswaffe“

Geschwindigkeit im Autoverkehr ist der Killer Nummer eins (Foto: imago/Bild13)
Als Physiker untersucht André Bresges die Gefahren im Verkehr. Er befürwortet härtere Strafen für Raser, das autonom fahrende Auto – und erklärt, warum sich der Mensch am Steuer oft deutlich überschätzt.

Interview von Thomas Hummel | Süddeutsche.de

Die Debatte, wie mit Teilnehmern an illegalen Autorennen auf öffentlichen Straßen umzugehen ist, bewegt Politik und Gerichte. Der Bundestag hat kürzlich das Strafmaß erhöht. Vor allem nach tödlichen Unfällen wartet eine erregte Öffentlichkeit auf die Urteile der Richter. Der Bundesgerichtshof hat am Donnerstag entschieden, eine Bewährungsstrafe für zwei Raser, bei deren Rennen in Köln eine Radfahrerin starb, sei zu milde.

André Breges, 46, von der Uni Köln beschäftigt sich seit Jahren mit dem Raser-Phänomen auf deutschen Straßen. Der Professor für Physikdidaktik spricht über den Zusammenhang von Geschwindigkeit und Unfallgefahr und was das Rasen im Gehirn von Autofahrern auslöst.

SZ: Herr Bresges: Sie halten das schnelle Autofahren für eine unterschätzte Gefahr. Warum?

André Bresges: Wir haben gesicherte Daten darüber, dass Geschwindigkeit im Autoverkehr der Killer Nummer eins ist. Die häufigste Unfallursache ist Linksabbiegen, aber dabei kommen nicht so viele Menschen ums Leben, weil das meist mit geringer Geschwindigkeit geschieht. Unfälle wegen hohen Tempos passieren nicht ganz so häufig, aber da sterben dann Menschen. Die kinetische Energie, die durch die Geschwindigkeit entsteht, tötet.

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Hackers Linked to NotPetya Ransomware Decrypted a File for Us

Image: November27/Shutterstock
The hackers successfully decrypted a file provided by Motherboard, but that does not necessarily mean victims will be able to get their files back.

By Joseph Cox, Lorenzo Franceschi-Bicchierai | MOTHERBOARD

Hackers linked to the crippling NotPetya ransomware attack, which encrypts files on infected machines, have proved to Motherboard they have the ability to decrypt some locked files.

Security researchers have spent much of the last week debating whether victims of NotPetya will ever get their files back, with many arguing that the malware was designed to cause disruption rather than generate funds.

After resurfacing online on Wednesday, hackers connected to the NotPetya ransomware are now offering to release a key they say would unlock all files affected by the malware for 100 bitcoins (worth roughly $250,000). The hackers didn’t publicly specify where to send the money, but told Motherboard that victims could pay to a new bitcoin wallet unaffiliated with the one that individual users have been paying ransom to until this week.

The successful decryption of a test file makes the NotPetya case even more puzzling. If the hackers didn’t really want to return files in the first place, why resurface? Either way, since the ransomware appears to damage disks for some victims, even if the hackers provide a decryption key, some victims may not be able to save their files anyway.

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