Vom barbarischen Staat zur barbarischen Gesellschaft


Bild: qantara.de
Der syrische Publizist Maurice Ayiq beschreibt in seinem Essay, wie es den repressiven arabischen Staaten gelungen ist, eine Gesellschaft nach ihrem Vorbild und Antlitz zu schaffen.

Von Maurice Ayiq | Qantara.de

„Der barbarische Staat“, so lautete der Titel von Michel Seurats Studie über das Syrien Hafiz al-Assads, und Seurat sollte schon bald selbst Opfer dieser von ihm untersuchten Barbarei werden, als er 1985 im Libanon entführt und ein Jahr später umgebracht wurde.

Seine Beschreibung zielte auf bestimmte Merkmale eines Staates, der in seinem Vorgehen und seiner Machtausübung nicht kontrolliert wird durch Gesetze oder institutionelle Vorgaben und sich im Verhältnis zu den eigenen Bürgern, ganz gleich, ob es sich dabei um Gegner handelt oder nicht, durch ein gewissen- und skrupelloses Verhalten auszeichnet.

Und vielleicht entscheidend ist, dass der Lebensnerv von Macht und Autorität in einem solchen Staat auf Fanatismus im Sinne eines Stammesbewusstseins beruht, und zwar in der von Ibn Khaldun definierten Bedeutung: in anderen Staaten kann solcher auch die Form von Konfessionalismus oder Tribalismus annehmen.

Der barbarische Staat als grenzübergreifendes Phänomen

Der barbarische Staat indes ist kein Phänomen, das sich auf Syrien beschränkt. Er findet sich auch im Irak und in Libyen, in abgeschwächter Form auch in Ägypten und anderen arabischen Staaten. Barbarei von staatlicher Seite ließ sich 1982 beim Massaker von Hama beobachten oder in der Anfal-Operation der Truppen Saddam Husseins und im Giftgasangriff von Halabdscha 1988.

Doch der Ort schlechthin, an dem sich die Barbarei manifestiert, ist und bleibt das Gefängnis, und nicht von ungefähr sind die Namen einiger Gefängnisse zu Meilensteinen in unseren Staaten geworden, angefangen vom syrischen Tadmur-Gefängnis über die Abu-Zaabal-Haftanstalt in Ägypten bis hin zum Hochsicherheitsgefängnis Abu Salim in Libyen und dem berühmt-berüchtigten Abu Ghreib in Bagdad.

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