„Höchste Konzentration von extremistischen und terroristischen Gruppen in der Welt“


Der Islamische Staat macht sich in Afghanistan breit. Bild: heise.de/tp
Ein Pentagon-Report macht den Hauptschuldigen für das Scheitern in Afghanistan aus: Pakistan

Von Dirk Eckert | TELEPOLIS

Bald 16 Jahre ist es jetzt her, dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten das Taliban-Regime in Afghanistan gestürzt haben. Auch Deutschland beteiligte sich mit Soldaten an dem Einsatz, der das Land von der Herrschaft der Gotteskrieger befreien sollte. Man muss kein Afghanistan-Experte sein, sondern nur mal ab und zu die Nachrichten anschalten, um zu wissen: Das hat bis heute nicht funktioniert. Ohne alliierte Unterstützung könnte sich die Regierung in Kabul wohl nicht lange halten, das Land würde wahrscheinlich schnell zurück an islamistische Milizen fallen.

Aber warum ist das so? Die Frage stellen sich natürlich auch Militärs. Das Pentagon kommt in einem neuen Bericht an den Kongress zu einem eindeutigen Befund: Zwar gebe es natürlich viele Ursachen für das bisherige Scheitern. Der größte Einzelfaktor ist jedoch Pakistan, weil Aufständische dort einen Rückzugsraum hätten. „Afghanistan sieht sich immer noch einem extern ermöglichten und unverwüstlichen Aufstand gegenüber“, heißt es dort.

Der Report zählt „nicht weniger als 20 aufständische und terroristische Netzwerke“. Darunter seien neben den Taliban das Haqqani-Netzwerk und Al-Qaida. Und als wäre das alles noch nicht genug, hat jetzt auch noch der Islamische Staat eine Zelle in Afghanistan etabliert. Der Report spricht von der „höchsten Konzentration von extremistischen und terroristischen Gruppen in der Welt“.

Und die Streitkräfte, die Afghan National Defense and Security Forces (ANDSF), seien zwar in der Lage, auf Taliban-Angriffe zu antworten. Aber: „Während die ANDSF in städtischen Gegenden Erfolg hatten, haben die Taliban erfolgreich einige ländliche Gebiete kontrolliert. Sie besetzten befreite Gebiete, nachdem die ANDSF es nicht geschafft hatte, ihre Erfolge zu konsolidieren und eine dauerhafte Präsenz zu etablieren.“

Der Report entspricht dem, was General Joseph Votel vom U.S. Central Command im März vor dem Senate Armed Services Committee (SASC) aussagte: Die Möglichkeit für Aufständische, sich nach Pakistan zurückzuziehen, bedrohe die gesamte Operation. Und auch General John Nicholson, der US-Befehlshaber in Afghanistan, sagte im Februar aus, der „Hauptfaktor, von dem unser Erfolg abhängt“, sei es, „externe Schutzräume und Unterstützung für die Aufständischen zu eliminieren“.

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