Zwei Planeten ohne Stern entdeckt

Bild: weltderphysik.de
Neben knapp 4000 Planeten, die Sterne umkreisen, entdeckten Astronomen bereits eine ganze Reihe planetarischer Objekte, die nicht an einen Stern gebunden sind. Einer dieser freien Planeten ist 2MASS J11193254, der sich in einem 160 Lichtjahre entfernten Gebiet junger Sterne aufhält.

Von Rainer Kayser | Welt der Physik

Nun haben Forscher festgestellt, dass es sich bei dem Himmelskörper in der TW-Hydrae-Assoziation nicht um einen einzelnen Planeten, sondern um ein Doppelsystem handelt. Und das stellt einen neuen Rekord auf: Unter den bislang bekannten freien Doppelplaneten besitzt 2MASS J1119325 die geringste Masse. Damit könnte das System neue Einblicke in die rätselhafte Entstehungsgeschichte freier Planeten liefern, so die Wissenschaftler im Fachblatt „Astrophysical Journal Letters“.

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Priester sollen heiraten dürfen

Eine Initiative hat Tausende Unterschriften gesammelt – die Forderung: Auch verheiratete Männer sollen zum Priester geweiht werden. Der Rottenburger Bischof reagiert ablehnend. Doch der Kampf der Gruppe geht weiter.

Von Michael Trauthig | Suttgarter Zeitung.de

Wir haben gefeiert wie nach einem Fußballendspiel“, sagt Wolfgang Kramer. Der Sprecher der Initiative „pro concilio“ drückt damit seine Gefühle aus, nachdem Bischof Gebhard Fürst am Montagabend fast 12 000 Unterschriften für die Priesterweihe von verheirateten Männern übergeben worden waren. „Die Resonanz auf unsere Aktion ist beeindruckend“, sagt der pensionierte Pastoralreferent. „Noch jetzt gehen täglich mindestens zehn Briefe bei uns ein.“ Die deutschen Bischöfe sollen, so lautet der Appell der Gruppe, sich bei Papst Franziskus für die Priesterweihe der „viri probati“ einsetzen. Das sind Männer, die sich in Ehe und Beruf bewährt haben. So läuft die Forderung auf eine Lockerung des Zölibats, also der Verpflichtung zur Ehelosigkeit für katholischen Geistliche, hinaus. Damit soll auf den Priestermangel reagiert und einer Überforderung der Pfarrer durch immer größere Seelsorgeeinheiten vorgebeugt werden.

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Religiotie – die Vergottung der Wirtschaft

Die KT Bank ist ein Beispiel für Wirtschaften mit religiösem Wertekonstrukt (Wolfram Steinberg/dpa)
Ali Gümüsay berät Führungskräfte in der Wirtschaft. Ein Punkt ist ihm wichtig: die Religion. Er hat in einer Studie Unternehmer befragt, welche Rolle Religion spielen kann in einer globalisierten Wirtschaftswelt. Die Studie hat den Titel: „Religion und Führung – alte Weisheit für eine neue Welt?“

Von Almuth Knigge | Deutschlandfunk

„Viele Menschen machen einen Bogen rund ums Thema Religion, weil Religion – oder ich nenne es jetzt mal Glaube – tangiert ja eben auch die Grenze und Eckpunkte unseres Lebens.“

Kreuz, Anker und Herz

Petra Pientka ist Chefin eines Familienunternehmens in Iserlohn und Umgebung, Herrin über mittlerweile neun Autohäuser mit insgesamt rund 200 Beschäftigten – darunter 40 Auszubildende. Christen, Muslime, Atheisten – alles dabei.

„Ich würde mal sagen, wir haben so einen ziemlich normalen Querschnitt von der Gesamtbevölkerung.“

„Die Arbeitswelt ist nicht säkular“

Petra Pientka hat an einer Studie teilgenommen, die Ali Gümüsay für das, noch recht junge, gemeinnützige Unternehmen „Lead“ aus Berlin angefertigt hat. „Lead“ steht, so heißt es auf der Webseite, für ein anderes, modernes Führungsverständnis. Mit Spaß und auf Augenhöhe. Ali Gümüsay ist Wirtschaftswissenschaftler, hat in Hamburg und Oxford studiert und hat für die Studie „Religion und Führung – alte Weisheit für eine neue Welt?“ Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft  befragt. Dabei waren mittelständische Familienunternehmer genauso wie Vorstände von DAX-Unternehmen.

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Mutter Teresas Schwestern erhalten Copyright auf Ordenstracht

Bild: theaustralian.com.au
Die Missionarinnen der Nächstenliebe haben sich erfolgreich um Markenschutz für ihre markante Kleidung bemüht.

Von Elise Harris | kath.net

Der berühmte weiße Sari mit den blauen Streifen ist nun das intellektuelle Eigentum der Ordensfrauen, die ihn tragen: Die Missionarinnen der Nächstenliebe haben sich erfolgreich um Markenschutz für ihre markante Kleidung bemüht.

Obwohl es nicht öffentlich kommuniziert wurde, erhielten die Ordensfauen am 4. September 2016, dem Tag der Heiligsprechung von Mutter Teresa das Copyright. Es war der erfolgreiche Abschluss eines drei Jahre langen Verfahrens.

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Turbulenzen im Vatikan

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
In der Kurie gibt es Widerstand gegen die Reformen von Papst Franziskus. «Die immense Popularität von Franziskus kontrastiert mit schleppenden Reformen und personellen Fehlentscheiden», schreibt unser Autor in seiner Analyse.

Von Dominik Straub | AARGAUER ZEITUNG

Die Entlassung von Glaubenshüter Kardinal Gerhard Ludwig Müller und die Beurlaubung des Finanzchefs Kardinal George Pell sind Zeichen von Unruhe im Vatikan. Die beiden Personalentscheide des Papstes werden von Vatikanexperten unterschiedlich interpretiert. Für die Optimisten sind sie der Beleg dafür, dass sich Franziskus nicht auf der Nase herumtanzen lässt und durchgreift, wenn es ihm – wie im Fall des deutschen Kardinals Müller – zu viel wird an Illoyalität. Die Pessimisten werten die Fälle Pell und Müller dagegen als Anzeichen dafür, dass der Papst mit seinen Reformen zu scheitern drohe und dass es um den 80-jährigen Argentinier allmählich einsam werde in der Kurie.

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Erste Zwischenbilanz zur „vertraulichen Geburt“

Bei der „vertraulichen Geburt“ können Frauen ihr Kind im Krankenhaus oder bei einer Hebamme zur Welt bringen und trotzdem vorerst anonym bleiben. Foto: Angelika Warmuth/dpa
Die „vertrauliche Geburt“ soll schwangeren Frauen eine Alternative zur Babyklappe zu bieten. Im Mai 2014 ist diese Möglichkeit eingeführt worden – und seitdem mehr als vielfach genutzt worden.

Von Axel Hofmann | Frankfurter Rundschau

Als Alternative zur Babyklappe war vor gut drei Jahren in Deutschland die „ vertrauliche Geburt “ eingeführt worden. Hier wichtige Informationen dazu:

Welchen Sinn soll die „vertrauliche Geburt“ haben?

Überforderung, Vergewaltigung, gewalttätige Väter – es gibt verschiedene Gründe, warum Frauen ihr Baby weggeben und unerkannt bleiben wollen. In solchen Fällen ist die Babyklappe eine mögliche Option, aber keine unproblematische: Die Frauen bringen ihr Kind nämlich alleine zur Welt, ohne medizinische Betreuung. Zudem wird den Kindern damit jede Möglichkeit genommen, jemals etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Bei der „ vertraulichen Geburt “ haben sie nach ihrem 16. Geburtstag das Recht, den Namen der leiblichen Mutter zu erfahren.

Wird diese Regelung von den Schwangeren angenommen?

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Luxemburg schafft Religionsunterricht ab

Themenbild.

Luxemburg schafft den konfessionellen Religionsunterricht in den Schulen ab. Ab dem kommenden Schuljahr wird es nach dem Wegfall an den weiterführenden Schulen auch in Grundschulen keinen entsprechenden Unterricht mehr geben.

domradio.de

Dort werde ein neutraler Werteunterricht angeboten, wie das Parlament des Großherzogtums am Dienstagabend nach einer intensiven Debatte entschied. An den weiterführenden Schulen hatte das neue, für alle Kinder verpflichtende Fach „Leben und Gesellschaft“ bereits im vergangenen Sommer den Religionsunterricht ersetzt.

Wahl des Fachs entfällt

Die bisher beim Erzbistum angestellten Religionslehrer konnten sich in den vergangenen Monaten mit Weiterbildungskursen für das neue Fach qualifizieren. Sie erhielten zudem die Möglichkeit, vom Bildungsministerium als Lehrer für das neue Fach übernommen zu werden. Jahrzehntelang hatten Schüler im Großherzogtum zwischen dem Religions- und einem konfessionslosen Moralunterricht wählen können.

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Blick ins Herz einer Supernova

Welche Moleküle die glühende Wolke im Zentrum des Supernova-Relikts SN 1987A birgt, haben Astronomen nun enträtselt (Illustration) © A. Angelich, NRAO/AUI/ NSF
Kosmische Fabrik: Astronomen haben so tief ins Zentrum eines Supernova-Überrests geblickt wie nie zuvor. Mithilfe der ALMA-Teleskope kartierten sie erstmals die genaue Stoffverteilung im Herzen der Supernova SN1987A. Die Aufnahmen enthüllen unter anderem ein Loch in Zentrum der glühenden Wolke und zwei zuvor noch nicht in Supernova-Relikten nachgewiesene Molekülarten. Dies liefert wertvolle Einblicke in die Abläufe bei solchen Supernovae.

scinexx

Im Februar 1987 ereignete sich in unserer Nachbargalaxie, der Großen Magellanschen Wolke, eine kosmische Katastrophe: Ein massereicher Stern hatte seinen Fusionsbrennstoff verbraucht und explodierte. Für die Astronomen ist diese SN 1987A getaufte Supernova ein echter Glücksfall. Denn ihr Überrest liegt nur rund 163.000 Lichtjahre entfernt und damit nahe genug, um ihn mit starken Teleskopen untersuchen zu können.

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Über 54.000 Migranten haben Deutschland 2016 freiwillig verlassen

Die Zahl der freiwilligen Rückkehrer, die Deutschland den Rücken gekehrt haben, ist stark angestiegen. Jeder Dritte ging nach Albanien, gefolgt von Serbien, Irak und Kosovo.

MiGAZIN

Mehr als 54.000 Migranten haben Deutschland im vergangenen Jahr freiwillig den Rücken gekehrt. Damit sei die Zahl der Teilnehmer am Rückkehr- und Reintegrationsprogramm der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Deutschland gegenüber dem Jahr zuvor um mehr als die Hälfte gestiegen, sagte ein IOM-Sprecher am Dienstag in Genf.

Mehr als jeder dritte Rückkehrer aus Deutschland, insgesamt 16.831, kam aus Albanien, gefolgt von Serbien (6.138), dem Irak (5.657), dem Kosovo (5.397) und Mazedonien (4.576).

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Wir ahnungslosen Insassen der Funkzelle

Dass sie geortet wurden, erfahren Betroffene in der Regel nicht. (Foto: imago/Westend61)
Millionenfach lassen Behörden Standortdaten von Handys unbescholtener Bürger abfragen. Wer betroffen ist, erfährt das meist nicht – obwohl er informiert werden müsste.

Von Christiane Schulzki-Haddouti | Süddeutsche.de

Die Funkzellenabfrage darf seit kurzem als Standardermittlungsinstrument der Polizei gelten. Der Bundesrat hat am vergangenen Freitag einen Beschluss des Bundestags von Ende Juni bestätigt, der die Mobilfunk-Rasterfahndung nach jedem Wohnungseinbruchdiebstahl ermöglicht. Mit dem Ermittlungsinstrument wurden in den vergangenen Jahren Millionen unbeteiligter Bürgern erfasst und deren Daten in den Datenbanken von Polizei und Staatsanwaltschaft gespeichert. Doch die Betroffenen erfahren von der Handyortung in der Regel nichts.

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IS-Führer al-Baghdadi soll schon wieder tot sein

Al-Baghdadi als er das Kalifat ausrief. Bild: heise.de/tp
Es soll zu Kämpfen zwischen IS-Fraktionen kommen, im Post-IS-Irak wird es um den Zerfall des Staates gehen

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wieder einmal wird der Tod von IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi, der sich zum Kalifen ernannt hat und als Nachfolger von al-Sarkawi auftrat. Dieses Mal ist die Quelle die umstrittene Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR), nach der IS-Führer in Deir-Ezzor, nach der Belagerung von Raqqa und dem Fall von Mosul die Hochburg des IS in Syrien, den Tod bestätigt haben sollen.

Nach SOHR handele es sich um vertrauenswürdige Informanten, nach denen al-Baghdadi, der sich ein Vierteljahr in einem Dorf in der Provinz Deir-Ezzor an der Grenze zum Irak aufgehalten haben soll. Wie der IS-Führer ums Leben kam, sei aber nicht bekannt. Man habe schon Monate zuvor Informationen von einem Treffen erhalten, auf dem IS-Führer beschließen sollten, einen Nachfolger zu finden.

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Reformen des Eherechts: Katholischer Protest mit langer Tradition

© PICTURE-ALLIANCE Umstritten ist, wer sich ewig binden darf: Vor einer Hochzeit in der St. Laurentius Kirche in Rottach-Egern am Tegernsee
Sorge um die Autorität des Mannes als dem (vor der Frau) „Ersterschaffenen“ oder um den Charakter von Ehe und Familie: Schon einige Reformen des Eherechts haben Protest der katholischen Kirche erregt.

Von Ulrich Sander | Frankfurter Allgemeine

„Der Charakter von Ehe und Familie als rechtlich geschützter Lebensgemeinschaft ist nach dem vorliegenden Reformentwurf nicht mehr ausreichend sichergestellt.“ Dieser Satz eines katholischen Bischofs zielte nicht auf die Bundestagsabstimmung vom 30. Juni 2017 über den Zugang gleichgeschlechtlicher Paare zur Rechtsform Ehe. Er fiel während der Diskussionen um die Änderung des Ehe- und Familienrechtes vor vier Jahrzehnten, an deren Ende 1977 das staatliche Scheidungsrecht vom Schuld- auf das Zerrüttungsprinzip umgestellt wurde.

Noch schärfer war der kirchliche Protest gewesen, als 1953 die Rechtsfigur des männlichen Familienoberhauptes abgeschafft wurde. Bis dahin hatte es im Bürgerlichen Gesetzbuch geheißen: „Dem Mann steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung“ (Paragraph 1354 BGB). Artikel 117 des Grundgesetzes hatte dem Gesetzgeber bis zum 31. März 1953 eine Frist gesetzt, die dem Grundrechtsartikel der Gleichberechtigung von Mann und Frau widersprechenden Rechtssetzungen aufzuheben oder anzupassen. Der Termin verstrich, ohne dass der Gesetzgeber das Ehe- und Familienrecht ausreichend neu gefasst hatte. So stellte das Bundesverfassungsgericht im Dezember 1953 lapidar fest, dass „seit dem Ablauf der in Artikel 117 gesetzten Frist Mann und Frau auch im Bereich von Ehe und Familie gleichberechtigt“ seien.

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Methan-Ausbrüche vor Helgoland

45 Kilometer nordwestlich von Helgoland bedecken 300.000 frische Krater den Meersgrund © Pegasus2/ CC-by-sa 3.0
Überraschender Fund: Am Meeresgrund vor Helgoland haben Forscher rund 300.000 frische Krater entdeckt. Sie entstanden im Herbst 2015 bei der abrupten Freisetzung von tausenden Tonnen Methangas aus dem Untergrund. Für die Deutsche Bucht sind solche Gasausbrüche ein absolutes Novum – aber vermutlich keine Ausnahme, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Scientific Reports“ berichten.

scinexx

Dass an verschiedenen Stellen des Meeresgrunds Methan austritt, ist nichts Neues: Solche Methanquellen haben Forscher bereits vor der US-Ostküste, im Pazifik, im Südpolarmer und in der Tiefsee entdeckt. Viele dieser Gasaustritte werden von tauendem Gashydrat gespeist, aber auch Methan aus sich zersetzenden organischen Ablagerungen kann diese Quellen speisen.

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„Es ist wichtig, Störung von Zerstörung abzugrenzen“

Dieter Thomä ist ein deutscher Philosoph und Professor an der Universität St. Gallen. © picture-alliance/ ZB Fotograf: Karlheinz Schindler
Beim G20-Gipfel haben Randalierer ein Chaos angerichtet, das zum Teil ein ungeahntes Ausmaß hatte. Wie konnte es dazu kommen? Was war los auf Hamburgs Straßen? Der Philosoph Dieter Thomä hat kürzlich über die „Philosophie des Störenfrieds“ das Buch „Puer robustus“ geschrieben.

NDR Kultur

Herr Thomä, „puer robustus“ bedeutet auf Lateinisch „der robuste Knabe“, also auch „Störenfried“. Sie schreiben in Ihrem Buch von Kippfiguren, Schreck- oder Wunschgestalten. Aber: Was macht diesen Störenfried aus? Wie tickt der?

Dieter Thomä: Er bewegt sich am Rand der Ordnung. Das heißt, er steht an so einer Schwelle, wo er sich überlegt: Spiele ich mit? Verstoße ich gegen die Regeln? Und wo sich dann entsprechend die Ordnung, zu der er sich verhält, überlegen kann: Stoße ich ihn aus? Nehme ich dessen Anregungen an? Deshalb ist er so eine Kippfigur. Der Erfinder der Figur, der Philosoph Thomas Hobbes, hat eigentlich eher das Negative, das Gefährliche dieser Figur betont. Dann haben sich 400 Jahre lang die großen Geister den Kopf darüber zerbrochen, wie er seine Gestalt ändert, denn er hat eben so etwas Streitvolles in vielen Fällen, der bringt ein bisschen Bewegung in eine erstarrte Ordnung. Zum Teil hat er etwas furchtbar Abschreckendes. Immer, wenn ich in dem Buch an das Abschreckende geraten bin oder wenn ich als Bürger heute ans Abschreckende gerate, dann werde ich deprimiert und merke, dass es wichtig ist, Störung von Zerstörung abzugrenzen. Das ist ein entscheidender Punkt bei diesen Störenfrieden. Man würde Terroristen und auch viele der Leute, die da am Wochenende agiert haben, viel zu nett bezeichnen, wenn man sie als „Störenfriede“ bezeichnen würde. Das sind „Zerstörfriede“, wenn es das Wort gäbe.

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Wie die Documenta das Publikum bevormundet

In Piotr Uklańskis saalhoher Porträtgalerie „Real Nazis“ von 2017 taucht auch der Documenta-Künstler Joseph Beuys (untere Reihe, 7. v. r.) auf. (Foto: Nils Klinger)
In Kassel pflegen Künstler wie Kuratoren einen politischen Anklagemodus, der vereinfacht statt aufzuklären. Die Schau ist viel zu parteiisch.

Von Kia Vahland | Süddeutsche.de

Der Ich-Erzähler aus Peter Weiss‘ „Ästhetik des Widerstands“ sinniert über den Pergamonaltar und seine eigene Situation als Kommunist im Berlin des Jahres 1937: „Immer hatten sich die Oberen die Rechte geholt, und immer hatten sie auf ihrer Hegemonie bestanden, bis andere Mächtige zur Ablösung kamen, und wir hatten es nie weitergebracht, als nachzugeben und uns zu fügen“. Daraus entfaltet sich eine klassenkämpferische Sicht auf Werke der klassischen Kunst, auf Gericault, Goya und Bruegel. Hoffnungsträger der jungen Kommunisten ist der mythische Herakles, dem sie zutrauen, doch noch die Verhältnisse umzustürzen.

Die Kunst wird zum Instrument später Gerechtigkeit: Dieser Gedanke ist in diesem Sommer wieder en vogue, denn die Documenta verschreibt sich der politischen Aktion. Doch in Kassel ist wenig zu spüren von dem Selbstzweifel, den bei Peter Weiss der Erzähler formuliert, der hadert mit sich und dem, was das wäre, eine sich in qualvollen Suchbewegungen erst formierende „Ästhetik des Widerstands“.

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Luther ist die Pleite des Jahres

Bild: mdr.de

Das Jubiläum der Reformation sollte ein einziger großer Erfolg werden. Doch die Zwischenbilanz ist ernüchternd, denn die Kundschaft bleibt aus.

Von Ralph Bollmann | Frankfurter Allgemeine

Immerhin, für die Spielzeugmarke Playmobil ist das Reformationsjubiläum jetzt schon ein voller Erfolg. Mehr als eine Million Exemplare ihres Martin Luther hat die Herstellerfirma aus der Nähe von Nürnberg schon verkauft, so viele wie von keiner anderen Figur in der Geschichte des Unternehmens. Mit Talar, Federkiel und aufgeschlagener Bibel („Das Neue Testament übersetzt von Doktor Martin Luther“) ist der 7,5 Zentimeter große Plastik-Reformator auch allzu putzig anzusehen. Das Interesse hat alle Erwartungen übertroffen.

Für die übrigen Bestandteile des üppigen Jubiläumsprogramms gilt eher das Gegenteil. Vielfach sind die Besucherzahlen hinter den Erwartungen zurückgeblieben, teils sogar drastisch. Die Zwischenbilanz fällt jetzt, in der Mitte des Jubiläumsjahrs, ernüchternd aus. Weltausstellung in Wittenberg, Kirchentag in Berlin, „Kirchentage auf dem Weg“, Abschlussgottesdienst – überall lagen die Zahlen niedriger als vorausgesagt.

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Krisenprofiteur Prince: Afghanistan soll einen US-Vizekönig bekommen

Aus dem Bilderschatz der Britischen Ostindien-Kompanie Bild (ca.1760): Dip Chand / gemeinfrei
Der frühere Blackwater-Chef ist wieder gut im Geschäft. Möglicherweise auch mit dem Weißen Haus. Auch für Libyen hat er lukrative private Lösungsvorschläge

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Der Krieg in Afghanistan ist wie eine unheilbare Krankheit, die seltsame Fantasien fördert. Kommt nach der Superbombe ein Superplan zum Einsatz? Ein aktueller Artikel der New York Times bringt einen alten Bekannten zurück auf die Spielfläche, auf der es um Optionen in Afghanistan geht.

Der Mann heißt Erik Prince und dürfte manchem Leser noch als früherer Chef des berüchtigten privaten Söldner- bzw. Sicherheitsunternehmens Blackwater bekannt sein, das mit einer wilden Schießerei (17 Tote, 24 Verletzte) im Irak im Herbst 2007 weltweit bekannt wurde (siehe Gebt mir mein Auge zurück).

Blackwater wurde unter US-Präsident George W. Bush und seinem Vizepräsidenten Cheney groß. Das Sicherheitsunternehmen erhielt Regierungsaufträge in Milliardenhöhe. Es geriet aber geradezu magnetisch in Schlagzeilen, die der Privatarmee Verwicklungen in rechtlich unsaubere „Problemlösungen“ im Irak und Afghanistan nachsagten (siehe Blackwater und die Killerkommandos der CIA). 2009 benannte Gründer Prince das Unternehmen um, 2010 verkaufte er es. Er war aus den Schlagzeilen.

Jetzt ist er wieder da. Wer im Januar die Kabinettsliste von Trump durchsah, war darauf vorbereitet. Als Erziehungsministerin nominierte der neue Präsident Betsy DeVos, die Schwester von Eric Prince. Später gab es vereinzelt Nachrichten darüber, dass Steve Bannon und Prince in gutem Kontakt stünden, und auch Kontakte zwischen Michael Flynn und Prince wurden erwähnt. Im April berichtete Bloomberg gar davon, dass der Ex-Blackwater-Chef dem „innersten Zirkel“ von Präsident Trump mit seinen Einsichten und Ratschlägen zur Seite stand.

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Abrahams Grab ist palästinensisches Weltkulturerbe

Grabmal der Patriarchen, Bild: SRF
Die Unesco hat die Altstadt von Hebron auf Antrag der Palästinenser zum Weltkulturerbe erklärt. Wie viel Politik steckt hinter dem dem Entscheid über kulturelles Erbe in einem Brennpunkt im Nahen Osten? Eine Einschätzung von Journalistin Gisela Dachs.

SRF.ch

Um die Stadt im Westjordanland streiten sich Israel und die Palästinenser schon lange. Vor allem um die sogenannten Patriarchengräber, die sowohl für Juden, Christen und Muslime heilig sind. Nun hat die Unesco die Altstadt von Hebron im Westjordanland zum palästinensischen Weltkulturerbe erklärt.

Die Palästinenser jubeln, Israel tobt. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu will deshalb die Mitgliedsbeiträge an die UNO um fast eine Million Franken kürzen.

SRF News: Ist Israels Kritik an der Entscheidung der Unesco Ihrer Meinung nach berechtigt?

Gisela Dachs: In diesem Antrag der Palästinenser, dem durch die Unesco stattgegeben wurde, ist die Rede von Hebron als einer islamischen Stadt. Nun geht es vor allem um das Grabmal der Patriarchen, indem nach biblischer Überlieferung Isaak und Abraham begraben sind. Abraham wird sowohl im Judentum wie auch im Christentum und im Islam als Stammvater verehrt. Das heisst, wenn Abrahams Grab als palästinensisches Weltkulturerbe alleine bezeichnet wird, wird damit diese alte jüdische Geschichte dort negiert.

Ein weiteres Argument für die Unesco war es, zu sagen, dass die Gräber schutzbedürftig seien. Beide Argumente weist Israel vehement zurück. In Israel sagt man, beide Punkte seien im Grunde ein palästinensisches Narrativ, das auf einer Negierung des jüdischen Narrativs basiert.

Israel stört sich also vor allem daran, dass die Patriarchengräber palästinensisches Weltkulturerbe sind – nicht, dass sie generell Weltkulturerbe sind?

Genau darum geht es: Um eine Politisierung dieser Nomination. Die Palästinenser hatten im letzten Moment einen Notfall-Antrag gestellt und diesen ausgenutzt, um ihr diplomatisches Bestreben im Rahmen der Unesco voranzubringen. Damit spielt sich der israelische-palästinensische Konflikt auf diesem Territorium aus.

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Die Kirche will erst Kondome auf dem CSD verteilen – dann lieber doch nicht

Aber ein bisschen dabei sein will sie dann doch.

Von Julia Wadhawan | bento

Der Christopher Street Day (CSD) ist bekannt dafür, schrill, bunt und alles andere als konventionell zu sein. Auf dem Demozug der LGBT-Gemeinschaft, der in vielen verschiedenen Städten weltweit stattfindet, soll sich jeder ausleben können – egal, wie anders er zu sein scheinen mag.In diesem Jahr will das auch die Evangelische Kirche unterstützen. Zum ersten Mal nimmt die Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) – genauer deren Berliner Ableger – mit einem eigenen Wagen an der großen Demo teil.

Das Motto des Festwagens lautet „Trau Dich!“ und soll Werbung für kirchliche Hochzeiten machen. In Berlin und Brandenburg können sich gleichgeschlechtliche Paare seit dem 1. Juli 2016 kirchlich trauen lassen.weiterlesen

The Farm Belt Führer: The Making of a Neo-Nazi

Photo Credit: Jaroslav Moravcik / Shutterstock.com

Gerhard Lauck was Germany’s biggest supplier of neo-Nazi materials. His trajectory is a valuable case study in recognizing the signs of a budding hatemonger.

By Carson Vaughan | The Guardian|Alternet

They’re easy to spot, the neo-Nazi and his driver, strolling side by side up Main Street beneath a noonday sun, flanked by the two-story brick and limestone buildings of Beatrice, Nebraska. But it’s not the way they’re dressed.

Gerhard Lauck, the man they call the “Farm Belt führer” doesn’t draw attention to himself heedlessly, doesn’t swaddle himself in swastikas – not any more, anyway, and not out here in south-east Nebraska, where he finally retreated after serving a four-year stint in a German prison for distributing neo-Nazi propaganda. He doesn’t bark “Heil Hitler!” He doesn’t shoot his right arm into the air.

No, it’s not the way they’re dressed, though Lauck is wearing a military brown shirt, and his driver, who won’t identify himself, is over-buttoned for a warm spring day. It’s something about their posture, a self-seriousness reflected in their stride, as if they’re not conducting business so much as playing at it.

At 6ft 4in and roughly 240lb, Lauck towers above his driver. Were it not for his illicit activity abroad, his tireless promotion of “racial purity”, his worship of Adolf Hitler (whom he likes to call “too humane” just to revel in the outrage), the pair would seem almost comical, a Laurel and Hardy, or closer still, a Pinky and the Brain.

“A joke? He was never a joke,” said Bob Wolfson, former director of the Anti-Defamation League’s Plains States Region, when I questioned Lauck’s significance. “If you’re talking about American Nazis that have had an impact internationally in the last 50 years, Gerhard is probably number one.”

For Wolfson, Lauck’s trajectory is a valuable case study, a narrative worth repeating to recognize the signs of a budding hatemonger.

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