Abrahams Grab ist palästinensisches Weltkulturerbe


Grabmal der Patriarchen, Bild: SRF
Die Unesco hat die Altstadt von Hebron auf Antrag der Palästinenser zum Weltkulturerbe erklärt. Wie viel Politik steckt hinter dem dem Entscheid über kulturelles Erbe in einem Brennpunkt im Nahen Osten? Eine Einschätzung von Journalistin Gisela Dachs.

SRF.ch

Um die Stadt im Westjordanland streiten sich Israel und die Palästinenser schon lange. Vor allem um die sogenannten Patriarchengräber, die sowohl für Juden, Christen und Muslime heilig sind. Nun hat die Unesco die Altstadt von Hebron im Westjordanland zum palästinensischen Weltkulturerbe erklärt.

Die Palästinenser jubeln, Israel tobt. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu will deshalb die Mitgliedsbeiträge an die UNO um fast eine Million Franken kürzen.

SRF News: Ist Israels Kritik an der Entscheidung der Unesco Ihrer Meinung nach berechtigt?

Gisela Dachs: In diesem Antrag der Palästinenser, dem durch die Unesco stattgegeben wurde, ist die Rede von Hebron als einer islamischen Stadt. Nun geht es vor allem um das Grabmal der Patriarchen, indem nach biblischer Überlieferung Isaak und Abraham begraben sind. Abraham wird sowohl im Judentum wie auch im Christentum und im Islam als Stammvater verehrt. Das heisst, wenn Abrahams Grab als palästinensisches Weltkulturerbe alleine bezeichnet wird, wird damit diese alte jüdische Geschichte dort negiert.

Ein weiteres Argument für die Unesco war es, zu sagen, dass die Gräber schutzbedürftig seien. Beide Argumente weist Israel vehement zurück. In Israel sagt man, beide Punkte seien im Grunde ein palästinensisches Narrativ, das auf einer Negierung des jüdischen Narrativs basiert.

Israel stört sich also vor allem daran, dass die Patriarchengräber palästinensisches Weltkulturerbe sind – nicht, dass sie generell Weltkulturerbe sind?

Genau darum geht es: Um eine Politisierung dieser Nomination. Die Palästinenser hatten im letzten Moment einen Notfall-Antrag gestellt und diesen ausgenutzt, um ihr diplomatisches Bestreben im Rahmen der Unesco voranzubringen. Damit spielt sich der israelische-palästinensische Konflikt auf diesem Territorium aus.

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