Reformen des Eherechts: Katholischer Protest mit langer Tradition


© PICTURE-ALLIANCE Umstritten ist, wer sich ewig binden darf: Vor einer Hochzeit in der St. Laurentius Kirche in Rottach-Egern am Tegernsee
Sorge um die Autorität des Mannes als dem (vor der Frau) „Ersterschaffenen“ oder um den Charakter von Ehe und Familie: Schon einige Reformen des Eherechts haben Protest der katholischen Kirche erregt.

Von Ulrich Sander | Frankfurter Allgemeine

„Der Charakter von Ehe und Familie als rechtlich geschützter Lebensgemeinschaft ist nach dem vorliegenden Reformentwurf nicht mehr ausreichend sichergestellt.“ Dieser Satz eines katholischen Bischofs zielte nicht auf die Bundestagsabstimmung vom 30. Juni 2017 über den Zugang gleichgeschlechtlicher Paare zur Rechtsform Ehe. Er fiel während der Diskussionen um die Änderung des Ehe- und Familienrechtes vor vier Jahrzehnten, an deren Ende 1977 das staatliche Scheidungsrecht vom Schuld- auf das Zerrüttungsprinzip umgestellt wurde.

Noch schärfer war der kirchliche Protest gewesen, als 1953 die Rechtsfigur des männlichen Familienoberhauptes abgeschafft wurde. Bis dahin hatte es im Bürgerlichen Gesetzbuch geheißen: „Dem Mann steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt insbesondere Wohnort und Wohnung“ (Paragraph 1354 BGB). Artikel 117 des Grundgesetzes hatte dem Gesetzgeber bis zum 31. März 1953 eine Frist gesetzt, die dem Grundrechtsartikel der Gleichberechtigung von Mann und Frau widersprechenden Rechtssetzungen aufzuheben oder anzupassen. Der Termin verstrich, ohne dass der Gesetzgeber das Ehe- und Familienrecht ausreichend neu gefasst hatte. So stellte das Bundesverfassungsgericht im Dezember 1953 lapidar fest, dass „seit dem Ablauf der in Artikel 117 gesetzten Frist Mann und Frau auch im Bereich von Ehe und Familie gleichberechtigt“ seien.

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