„The Encyclopedia of Jewish-Christian Relations“ – Reif für neue Perspektiven

Das Kompendium zur jüdisch-christlichen Beziehung will den Blick aufeinander richten (imago stock&people/epd-bildx/xJoernxNeumann)
2000 Jahre ist die christlich-jüdische Beziehungsgeschichte alt, doch bisher fehlt eine gründliche Analyse: Eine neue Enzyklopädie soll diese Lücke schließen. Erzählt wird die Geschichte von Antijudaismus und Antisemitismus, Verfolgung und Vernichtung, gewürdigt werden aber auch bisher übersehene Gemeinsamkeiten.

Vom Carsten Dippel | Deutschlandfunk

Auf vier Bände ist das ambitionierte Projekt angelegt, das dereinst ein Standardwerk zur bald 2000-jährigen christlich-jüdischen Beziehungsgeschichte sein will: „The Encyclopedia of Jewish-Christian Relations“. Damit wird mehr als sieben Jahrzehnte nach der Shoah ein Werk präsentiert, das sowohl den Blick zurück als auch in die Gegenwart und Zukunft dieser vielfach belasteten, aber auch reichen Geschichte richtet. Der Anstoß zu diesem Mammutprojekt kam aus dem Potsdamer Abraham Geiger Kolleg sowie dem Zentrum für Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Rabbiner Walter Homolka, Direktor des Geiger-Kollegs, will das Lexikon als eine Ermunterung für eine stärkere internationale Perspektive verstanden wissen.

„Viele Erkenntnisse im deutschsprachigen Raum sind in den USA nicht bekannt und umgekehrt. Es gibt mittlerweile verschiedene Erklärungen, gibt aber auch eine große Zahl an Forschungsvorhaben und das einmal einer Gesamtschau zu unterziehen und dann vor allem auch den Blick in die Zukunft zu wagen und zu fragen: Was hat das dann für Auswirkungen für die Aussagen der christlichen Kirchen zum Judentum und für die Aussagen jüdischerseits zu den Kirchen? Das ist das Anliegen.“

weiterlesen

Astronomen entdecken gigantischen Supercluster

Der langgestreckte Saraswati-Supercluster (Bildmitte) ähnelt einer Wand aus dichterer Materie © Bagchi et al. /IUCAA
Kosmischer Gigant: Astronomen haben eine der größten bekannten Strukturen des Kosmos entdeckt – einen langgestreckten Supercluster, der sich über mindetens 650 Millionen Lichtjahre erstreckt und Billiarden Sonnenmassen an Galaxien und Galaxienclustern umfasst. Wie dieser Saraswati-Supercluster entstanden ist, wissen die Astronomen nicht. Sie vermuten aber, dass die geheimnisvolle Dunkle Energie dabei eine wichtige Rolle spielte.

scinexx

Die Materie ist im Universum nicht gleichmäßig verteilt, sondern bildet großräumige Strukturen – Galaxiencluster, Filamente und auch sogenannte Supercluster. Letztere sind gewaltige Strukturen, in denen sich zehntausende von Galaxien gemeinsam bewegen. Auch unsere Milchstraße gehört zu einem solchen Supercluster, dem rund 520 Millionen Lichtjahre großen Laniakea.

weiterlesen

Afghanistan: „Die Regierung hat die Kontrolle verloren“

In manchen Teilen Afghanistans haben sich die Taliban wieder festgesetzt. Die Wut der Einheimischen, wenn es zivile Opfer bei Luftangriffen gibt, kommt ihnen zunutze. Emran Feroz hat einen lokalen Taliban-Kommandeur getroffen.

Von Emran Feroz | Qantara.de

„Dutzende von Staaten dürfen in diesem Land mitregieren, doch für uns soll kein Platz sein? Das sehen wir nicht ein“, meint Habibullah Samimi (Name geändert) mürrisch, während er an seiner Teetasse nippt. Samimi ist ein lokaler Taliban-Kommandeur. Im Distrikt Khogyani in der ostafghanischen Provinz Nangarhar hat der Dschihad-Veteran, der einst schon gegen die sowjetische Besatzung kämpfte, das Sagen. Seine Kritik gilt der afghanischen Regierung in Kabul, die seiner Meinung nach „keinen Frieden“ mit den Taliban will.

Khogyani ist Taliban-Gebiet. Selbst die Menschen aus der Provinzhauptstadt Dschalalabad, rund dreißig Minuten Autofahrt entfernt, meiden die im Distrikt liegenden Dörfer. Wie in vielen anderen Distrikten Afghanistans, die von den Taliban kontrolliert werden, hat auch in Khogyani die Kabuler Regierung nichts zu sagen. „Hier herrscht Recht und Ordnung“, meint Samimi.

Der Kommandeur prahlt damit, dass es nicht einmal Diebstähle gebe. Der Grund: Die Angst vor drakonischen Strafen. Die Regierung in Kabul habe dagegen die Kontrolle im Innern verloren und handle nicht nach „islamischen Werten“.

Kampf an zwei Fronten

Seit 2015 kämpfen die Taliban an zwei Fronten. Einerseits gegen die afghanische Armee und ihre Verbündeten, andererseits gegen die Zelle des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) in Afghanistan. Der afghanische IS-Ableger, der Schätzungen zufolge nur aus wenigen Tausend Kämpfern bestehen soll, operiert vor allem in der Provinz Nangarhar und zählt auch ehemalige Taliban-Kommandeure zu seinen Mitgliedern. Erstmals berichtet wurde über die Zelle im Februar 2015. Seitdem kam es immer wieder zu Kampfhandlungen zwischen IS- und Taliban-Kämpfern.

weiterlesen

Russland kopiert deutsches Netzwerkdurchsetzungsgesetz

Bild: heise.de/tp
Reporter ohne Grenzen verweist darauf, man habe gewarnt, dass es repressiven Staaten als Vorbild dienen könne

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

In Russland wird am 1. Juli 2018 ein Anti-Terror-Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung in Kraft treten. Dann sind alle Telekom- und Internetprovider verpflichtet, alle Kommunikationsinhalte für 6 Monate und die Verbindungsdaten für 3 Jahre zu speichern. Internetprovider müssen dann den Strafverfolgungsbehörden die Schlüssel übergeben, um den gesamten Verkehr und einzelne Kommunikation einsehen zu können.

Wie Reporter ohne Grenzen berichten, wird im russischen Parlament ein neuer Gesetzentwurf behandelt, mit dem gegen das Gesetz verstoßende Inhalte im Internet schärfer kontrolliert werden sollen. Vorbild ist ausgerechnet das von Justizminister Maas stammende Netzwerkdurchsetzungsgesetz (Wissenschaftlicher Dienst: NetzDG auch grundgesetzwidrig), mit dem die Aufgabe der Kontrolle den Betreibern großer sozialer Netzwerke zugeschanzt wird, die selbst unter dem Druck hoher Geldstrafen binnen 24 Stunden entscheiden müssen, welche Informationen gelöscht bzw. zensiert werden (Bundestag winkt Zensurgesetz durch).

Reporter ohne Grenzen verweist darauf, dass man das Netzwerkdurchsetzungsgesetz gerade auch deswegen kritisiert habe, weil es repressiven Staaten als Vorbild dienen könne, um Zensur indirekt auszuüben und durchzusetzen: „Unsere schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Das deutsche Gesetz gegen Hassbotschaften im Internet dient undemokratischen Staaten nun als Vorlage, um gesellschaftliche Debatten im Internet einzuschränken“, so ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. „Auch in Russland sollen in Zukunft Mitarbeiter sozialer Netzwerke unter hohem Zeitdruck darüber entscheiden, welche Informationen gelöscht werden. In einem Land ohne unabhängige Gerichte, die den Schutz der Meinungsfreiheit durchsetzen könnten, ist das eine verheerende Entwicklung.“

weiterlesen

Der ‚unsägliche‘ Papst

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
„In den ‚frömmsten‘ Winkeln der Sozialen Netzwerke ist gerade der Teufel los. Katholiken, die von sich behaupten, sie seien die wahrhaft Papsttreuen, pesten gegen Papst Franziskus, dass es nur so kracht.“

Von Bernhard Meuser | kath.net

In den „frömmsten“ Winkeln der Sozialen Netzwerke ist gerade der Teufel los. Katholiken, die von sich behaupten, sie seien die wahrhaft Konservativen und Papsttreuen, pesten gegen Papst Franziskus, dass es nur so kracht. Da liest man Sätze, dass einem der Atem stockt. Ich zitiere: „Dieser Papst ist nicht unbequem, sondern schlichtweg unerträglich und schädlich für die katholische Kirche. Dieser Papst ist ein Fehlgriff und damit Basta.“ Und weil das übliche Material für ein ordentliches Papstbashing nicht hinreicht, hilft man ein bisschen nach mit alternativen Tatsachen. Ein Hund mit eigener Facebook-Seite raunt, was sein Herrchen niemals raunen würde – dass man nun gewiss und aus zuverlässig flüsternder Quelle wisse, was wirklich geschehen sei, – auf welch infame, kirchenzerstörende Weise der Papst seinen treuen Vasallen Müller gefeuert habe. Fünf fürchterliche Fragen habe ihm der Gnadenlose auf dem Papstthron gestellt – ob er für das Frauenpriestertum sei und für die Aufhebung des Zölibats … Die Folge? Eine halbe Nacht lang: Kollektives Aufheulen im Internet. Ahnte man es nicht? Typisch Franziskus! Nur – am Morgen platzte die Blase. Kardinal Müller hatte entrüstet dementiert. Alles nur Fake. Alles frei erfunden.

weiterlesen

„Unmögliche“ Korallenriffe entdeckt

Dieses Riff aus Steinkorallen – entdeckt an Seamounts nördlich von Hawaii – dürfte es dort eigentlich nicht geben. © Florida State University
Verblüffender Fund: Meeresforscher haben nördlich von Hawaii Korallenriffe entdeckt, die es so eigentlich nicht geben dürfte. Denn die Riffe wachsen in einer Meeresregion, in der das Wasser zu wenig Aragonit enthält – den Baustoff für die Kalkskelette der Steinkorallen. Zudem lösen sich Karbonate hier doppelt so schnell wie im Atlantik. Der erste Fund von Steinkorallenriffen in diesem Gebiet ist daher ein Rätsel.

scinexx

Steinkorallen galten lange Zeit als typische Bewohner lichtdurchfluteter tropischer Meere, darunter dem berühmten Great Barrier Reef. Doch inzwischen haben Meeresforscher die Riffbauer auch an sehr ungewöhnlichen Orten entdeckt: in der Amazonasmündung, vor Yucatan und sogar in der Tiefsee vor der Küste Grönlands.

weiterlesen

El-Shamy: „Die Hassprediger sitzen in den politischen Ämtern und Ministerien“

Foto: Kurier/Juerg ChristandlSalafist, Amir El Shamy
Der 27-jährige Muslim über Extremismus-Vorwürfe, die Organisation „Iman“ und die Entscheidung, Frauen nicht die Hand zu reichen.

Von Michaela Reibenwein | kurier.at

Amir El-Shamy wählt seine Worte genau. Das hat er gelernt. Sieben Jahre lang engagierte er sich bei der SPÖ in Wien. Vor wenigen Wochen gab er seinen Austritt bekannt. Es ist ein jäher Schnitt. El-Shamy war nicht nur Nachwuchs-Politiker. Er war auch Integrationsbotschafter beim Integrationsfonds, hatte sich außerdem beim Jugendrat der islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) engagiert. All das ist Geschichte. Jetzt konzentriert er sich auf die „Aufklärung“. Konkret ist der Student Generalsekretär bei „Iman“. Die Organisation steht unter Salafismus-Verdacht.

[…]

Ein „normaler Muslim“

Er sei ein „ganz normaler Muslim“, erklärt er im folgenden Gespräch mehrfach, der sich an das österreichische und das islamische Recht halte. Das Zitat hätte er auch gerne als Titel zu dieser Geschichte.

Ein ganz normaler Muslim? Diese Meinung teilt nicht jeder. Ermittler des Verfassungsschutzes beobachten „Iman“. Die Organisation gilt als bedenklich, als Verfechter eines politischen Islam. Auf der Straße werden von den Unterstützern Flyer verteilt, um die Menschen „zum Islam zu führen“. In sozialen Medien werden Videos veröffentlicht, in denen Menschen auf der Straße vom „einzig wahren Glauben“ überzeugt werden sollen.

weiterlesen

Kein Mensch ist so selbstlos

80 Menschen taten sich zusammen, um eine Familie zu retten. Foto: Rosalind Beckton
Was bringt Menschen dazu, anderen zu helfen? Nicht alle sind so altruistisch, wie sie tun. Nicht mal Mutter Teresa.

Von Jean-Martin Büttner | Tages Anzeiger

Die Bilder gingen um die Welt, die Fernsehstationen brachten Wackelfilme vom Ereignis, interviewten die Mutter, die Kinder, die Rettenden. Wer noch an das Gute in den Menschen glauben möchte und einen alltäglichen Beleg dafür sucht, dem wird die Menschenkette am Strand von Panama-City in Florida in Erinnerung bleiben. 80 Badende formten eine Menschenkette, um eine neunköpfige Familie zu retten, die von der Strömung abgetrieben worden war, verzweifelt um Hilfe rief und ohne den kollektiven Einsatz wohl ertrunken wäre. Sogar Nichtschwimmer gingen ins Wasser und reihten sich in die Kette.

Die Aktion von Florida lässt sich als alltäglicher Ausdruck von Altruismus verstehen: eine Hilfe ohne die Erwartung einer Gegenleistung, also selbstlos. Diese Hilfe kann eine Geste sein: Ein Mann hilft einer gestürzten Frau beim Aufstehen, ein Kind teilt seinen Zmittag mit einem anderen, eine Frau hilft einem Blinden über die Strasse. Die Hilfe kann bis zur Gefährdung des eigenen Lebens reichen.

weiterlesen

Algen: Der „grüne Tsunami“ in der Bretagne

foto: stefan brändle Der 72-jährige Naturschützer André Ollivro kämpft seit Jahren gegen die Ursachen der Algenplage in der französischen Bretagne.
Ausgerechnet zur Ferienzeit grassiert die Algenpest. Das Problem ist die Überdüngung der Böden durch die lokale Landwirtschaft

Von Stefan Brändle | derStandard.at

Die „Pointe des Guettes“ ist ein Geheimtipp für Bretonen: Der Sandstrand in einer kleinen Felsbucht ist zu Fuß nur durch eine steile Treppe erreichbar. Drei Burschen in Shorts, im Arm einen Ball, nehmen mehrere Stufen auf einmal und jauchzen bei jedem Sprung. Doch bei der Kette ist Endstation. Der Zugang zum Meer ist gesperrt, wie die Präfektur auf einem heruntergerissenen Dekret mitteilt. Enttäuscht macht sich das Trio auf zum nächsten Strand, in der Hoffnung, dass dieser noch offen ist, frei von der Algenpest.

Denn deshalb ist die Pointe des Guettes seit ein paar Tagen geschlossen: Den Sand bedeckt ein dicker Teppich angeschwemmten Grünzeugs. André Ollivro hebt eine Handvoll hoch und stellt fest: „Dieser ‚Salat‘ ist noch frisch.“ Der 72-jährige Naturschützer geht knöcheltief durch glitschigen Schlick. „Nicht gerade das, was das Herz des Urlaubers erfreut“, meint er sarkastisch. „Diesen Sommer ist die grüne Plage schlimmer als in den Vorjahren.“

weiterlesen

Wenn Politiker raten: Kein Sex! Kein Fleisch! – „Hindu Science“

Massiv beanstandete Unterhose mit Ganesha-Abbildung (Foto: spreadshirt.de)
Plastische Chirurgie wurde vor Jahrhunderten von Hindus erfunden, ebenso das Flugzeug. Und werdenden Müttern hilft eine Darmreinigung. In Indien sind bizarre Theorien auch unter Spitzenpolitikern beliebt.

Von Sohini Chattopadhyay | Süddeutsche.de

Das sollte die Ärzte wohl beeindrucken. Schon im antiken Indien habe es plastische Chirurgie gegeben, sagte der indische Premierminister Narendra Modi vor hochrangigen Medizinern kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2014; der Hindu-Gott Ganesha – wegen seines Rüssels bekannt als Elefantengott – sei ein prominentes Beispiel dafür. Und mehr noch: Der Krieger Karna – das uneheliche Kind aus dem indischen Epos Mahabharata – sei ein Beispiel für frühe Stammzelltechnologie.

Das ist in etwa so, als würde man in christlichen Kulturkreisen die Geburt Jesu als Erfolg der Gentechnik darstellen. Seither hat die indische Regierung und ihre Organisationen immer wieder mit dubiosen Wissenschaftsdeutungen für Aufsehen gesorgt. Zwar schätzt auch die aktuelle Regierung Forschung durchaus, ebenso wie medizinischen Fortschritt, doch was sie darunter genau versteht, ist mitunter erstaunlich. Kein Fleisch, kein Sex. Dafür schöne Gedanken – und hübsche Bilder an den Wänden. Solche Ratschläge erteilt ein von der Regierung herausgegebenes Infoheft schwangeren Frauen. Das Büchlein „Mother and Child Care“ rate außerdem zu inspirierender Lektüre über besondere Persönlichkeiten sowie dazu, sich wohlige Gedanken zu machen – berichtete die Hindustan Times, die zweitgrößte englischsprachige Tageszeitung des Landes.

weiterlesen

Kirchliche Trauungen: «Die weltliche Konkurrenz hat zugenommen»

Nicolas Mori von der reformierten Zürcher Landeskirche findet, die Kirche müsse sich öffnen, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Von Lena Schenkel | Neue Zürcher Zeitung

Zürcher Paare heiraten zwar nicht weniger häufig als vor zwanzig Jahren, aber immer weniger oft kirchlich (siehe Grafik). Selbst unter Kirchenmitgliedern heiratet nur jeder dritte Reformierte nach der zivilen Trauung auch kirchlich, bei den Katholiken sind es 23 Prozent. Bei Letzteren sorgt immerhin der hohe Ausländeranteil von rund 30 Prozent für eine steigende Zahl kirchlicher Trauungen von Zürcher Katholiken, die sich in der Statistik allerdings nicht wiederfinden – weil sie im Ausland abgehalten werden. Bei den Reformierten hingegen ist die Zahl der kirchlichen Trauungen innert 50 Jahren um gut drei Viertel eingebrochen.

Herr Mori, weshalb trauen sich nur noch so wenige Paare kirchlich?

Früher hatten Heiratswillige die Wahl zwischen einer nüchternen Trauung auf dem Standesamt und einer feierlichen Zeremonie in der Kirche – dazwischen gab es nichts. In Zürich können sie sich heute auch im Zunfthaus oder im Zoo standesamtlich trauen lassen. Die säkulare Konkurrenz hat zugenommen – heute zählt eben auch die Location.

weiterlesen

Heisenbergsche Unschärferelation ausgetrickst

Durch einen Trick haben Physiker Heisenbergs Unschärferelation neutralisiert © Portrait: Bundesarchiv / CC-by-sa 3.0
Verhinderter Quanteneffekt: Physikern ist es gelungen, ein quantenphysikalisches Grundprinzip auszutricksen – die Heisenbergsche Unschärferelation. Nach dieser verändert schon die Messung das Verhalten eines Teilchens. Doch in einem Oszillator aus einer Membran und einer Atomwolke haben die Forscher diesen Effekt nun weitgehend neutralisiert. Dieser Durchbruch könnte neue Sensoren für die Elektronik, aber auch für Gravitationswellendetektoren ermöglichen, so die Forscher im Fachmagazin „Nature“.

scinexx

In der Welt der kleinsten Teilchen hat schon das „Hinschauen“ dramatische Konsequenzen: Allein dadurch, dass wir den Lichtstrahl eines Mikroskops oder einen Messlaser auf ein Teilchen richten, verändern wir dessen Energiezustand und Verhalten. Die auftreffenden Photonen übertragen ihren Impuls und damit einen Teil ihrer Energie auf das Teilchen. Dadurch ist die genaue Messung seiner Position und Geschwindigkeit unmöglich – ein Prinzip, das schon der Werner Heisenberg in den 1920er Jahren erkannte.

weiterlesen

Deutlich mehr Beschwerden von Soldaten über Rechtsextremismus

Bundeswehr © fabbio auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die öffentliche Diskussion über Rechtsextreme in der Bundeswehr hat die Anzeigenbereitschaft von Fehlverhalten offenbar gesteigert. Im Ersten Halbjahr 2017 wurden bereits 96 Verdachtsfälle gemeldet, im Gesamtjahr 2016 wurden 63 Fälle angezeigt.

MiGAZIN

In der Bundeswehr beschweren sich immer mehr Soldaten über sexuelle Belästigung, Rechtsextremismus oder Fehlverhalten von Vorgesetzten. Während im Jahr 2016 nur 28 Verdachtsfälle wegen Fehlverhalten von Vorgesetzten gemeldet wurden, waren es bis zum 9. Juli dieses Jahres 56, wie die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post unter Berufung auf Daten des Verteidigungsministeriums berichtete. Ein Ministeriumssprecher sieht als Grund dafür ein gestiegenes Bewusstsein für Fehlverhalten in der Truppe.

Gestiegen ist demnach auch die Zahl der gemeldeten Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung: Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 127 Verdachtsfälle erfasst, fast so viele wie im gesamten Jahr 2016 mit 128 Fällen. Auch die Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle mit rechtsextremem oder fremdenfeindlichem Hintergrund nahm von 63 im Jahr 2016 auf 96 im ersten Halbjahr 2017 deutlich zu.

weiterlesen

Der Atem der Raumzeit

David Andriot vor einer Computersimulation von Gravitationswellen. Foto: Gerd Engelsmann
„Gravitationswellen werden nicht entdeckt, wie man Amerika entdeckte“: Der Potsdamer Astrophysiker David Andriot über seine Suche nach Extradimensionen.

Interview Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Am 28. Juni berichtete das Max Planck Institut für Gravitationsphysik in Potsdam-Golm von einer Arbeit zweier seiner Wissenschaftler. David Andriot und Gustavo Lucena Gómez machen den Vorschlag, Gravitationswellendetektoren zum Aufspüren sogenannter Extradimensionen zu verwenden.

Den Aufsatz der beiden, „Signatures of extra dimensions in gravitational waves“, veröffentlicht im „Journal of Cosmology and Astroparticle Physics“, verstand ich nicht, darum rief ich David Andriot an und bat ihn um Aufklärung. Beim Gespräch in seinem ganz und gar unbewohnt wirkenden Büro steht er viel auf und führt die Bewegung der Extradimensionen oder z. B. die Bewegung der Raumzeit an einem Badehandtuch – „große Massen dellen sie ein!“ – vor. Einmal geht er zur mit vielen Gleichungen beschriebenen Tafel und zeichnet eine Welle.

weiterlesen

Trump kommt nur zum Staatsbesuch, wenn May ihm eine gute Berichterstattung garantiert

Theresa May und Donald Trump am 8. Juli in Hamburg. Bild: Weißes Haus
Nach der geleakten Mitschrift eines Telefongesprächs soll der US-Präsident den vereinbarten Besuch nur machen, wenn die britische Regierungschefin für einen „guten Empfang“ sorgt

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Nach Frankreich kam US-Präsident Donald Trump offenbar gerne, auch zum G20-Gipfel reiste er an. Mit Macron scheint er sich zu verstehen, den er etwa so pries: „Great bilateral meetings at Élysée Palace w/ President @EmmanuelMacron. The friendship between our two nations and ourselves is unbreakable.“

Doch Großbritannien, dessen Brexit-Anhänger in vielen Hinsichten mit der Trump-Politik konform gehen und wo die strauchelnde May-Regierung Rückhalt beim großen Bruder sucht, scheint Trump meiden zu wollen. Die britische Regierung will unbedingt mit den USA ein Handelsabkommen abschließen. Das will auch Trump, wie er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz während des G20-Gipfels am 8. Juli in Hamburg sagte und die sehr unterwürfig wirkende May schmeichelte, mit ihr eine „sehr besondere Beziehung“ entwickelt zu haben.

Im Mai endete aufgrund der Wahlen eine Petition an das Parlament, die verhindern wollte, dass Trump offiziell als Staatsgast nach Großbritannien eingeladen wird. Seine Frauenfeindlichkeit und seine vulgären Äußerungen würden es ausschließen, von der Queen oder Prince Charles empfangen zu werden. Immerhin hatten mehr als 1,8 Millionen Menschen die Petition unterschrieben. Dazu beigetragen könnte auch haben, wie Trump versuchte, seinen Golfplatz in Schottland durchzudrücken.

weiterlesen

Die Hoffnung auf etwas „Un-Intelligent“ Design

Symbolbild. Bild: hippo by swatts
Was ist Leben eigentlich, also ich meine wissenschaftlich betrachtet? Was macht uns und unsere Umwelt auf dem Planeten Erde aus? Hat die Wissenschaft heute das Rätsel des Lebens gelöst? Und gibt es Leben jenseits unseres Planeten?

Von Andreas Losch | diesseits.ch

Mit solchen Fragen haben wir uns in einem interdisziplinären Projekt an der Universität Bern in den letzten Jahren intensiv beschäftigt, und auch damit, ob sie zusammenhängen. Heute erscheint die Frucht dieser Bemühungen, ein Buch zum Thema „What is Life? On Earth and Beyond“. Dabei gehen die Meinungen auseinander, ob die Frage, was das Geheimnis des Lebens ist, beantwortet ist. Die Biologen sagen ja, die Philosophen meinen „vielleicht“, und die Theologen fragen sich, ob das wohl stimmt. Naja, so grob jedenfalls.

Woran liegt das? Ich denke, es hat mit der Perspektive zu tun, mit der man die Frage stellt. In vergangenen Jahrhunderten dachte man oft an eine geheimnisvolle Vitalkraft in den Lebewesen, vielleicht ein Echo biblischer Geschichten, nach denen der Atem Gottes alles Leben am Leben erhält. Biologen haben bald herausgefunden, dass es diese Vitalkraft anscheinend nicht gibt, dass Leben nur Physik und Chemie ist, und keinen zusätzlichen Stoff enthält. Nun ja, nicht ganz, denn heutige Biologen sind da etwas schlauer, denn schließlich ist ja quasi alles Physik und Chemie, also ein Stein ja genauso. Besonders am Leben aber ist, dass es eine Geschichte hat, also der Evolution unterliegt. Die Ursprünge des Lebens hängen nun mit dem Beginn der biologischen Evolution zusammen, und tatsächlich hat man diese Frage, wann und wie das Leben entstanden ist, noch nicht gelöst.

weiterlesen

Ex-Muslims at the Pride in London: „Allah is gay“

Bild: ex-muslim.org.uk
CEMB was at Pride in London in full force highlighting the plight of LGBT in countries under Islamic rule with bodypainting by the award-winning Victoria Gugenheim.

Ex-Muslim.org.uk

Whilst a few were not pleased to see apostates in Pride, we were met with overwhelming and heart-warming support and solidarity. For all of those who participated, it was an unforgettable moment in the struggle for freedom of conscience, expression and the fight for LGBT rights in countries under Islamic rule.

Maryam Namazie, Spokesperson for CEMB, said: “In a world where apostasy, blasphemy and ‘immorality’ are punishable by death in many Islamic states, and religiously non-prescribed sex and women’s bodies are so despised, it becomes all the more important to celebrate them and show very clearly that people have a right to think, live and love as they choose without state or group intervention and persecution. Of course some were and will be offended by our message as we are offended by Islam and religion but offence can never be a reason to silence and threaten nor is blasphemy and offence more important than murder.”

read more

„Erdogan schreckt mehr Touristen ab als die Terroristen“

Trotz des mörderischen Anschlags reisen viele Deutsche unbeirrt weiter zum Tauchen nach Ägypten. Mit der Türkei dagegen wollen viele Touristen nichts mehr zu tun haben – aus politischen Gründen.

Von Olaf Gersemann | DIE WELT

Wann immer eine Airline ins Schlingern gerät, ein beliebtes Reiseziel von Terroristen angegriffen wird oder das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimmt: Aus der Tourismusbranche sind nur selten klare Worte zu hören. Beschwichtigung ist Usus, offenbar will es sich niemand mit seinen Geschäftspartnern verscherzen.

Nun redet doch jemand offen – unter dem Schutz der Anonymität: Stefan M. führt seit 21 Jahren sein eigenes Reisebüro. „Bisher habe ich alle Krisen der Branche überstanden“, sagt der Kölner der WELT nicht ohne Stolz. „Aber manchmal war es ganz schön knapp.“

weiterlesen

Über falsch verstandenen Lifestyle-Feminismus

Bild: heise.de/tp
Seit einiger Zeit sind in vielen Magazinen Porträts junger Start Up-Gründerinnen, Freiberuflerinnen und Frauen in Führungspositionen zu sehen. Sie stehen für die Vision einer neuen modernen Frau, die alles machen kann, was sie will. Fälschlicherweise meinen einige, dass es sich hierbei um eine neue Form des Feminismus handeln würde.

Von Marina Ahne | TELEPOLIS

Doch blickt man hinter die z. T. tatsächlich beeindruckenden Geschichten dieser Frauen, erfährt man, dass sich die meisten mitnichten als „Feministinnen“ bezeichnen würden – aus den verschiedensten Gründen. Zu grau, zu verhüllt, zu lesbisch, zu männerfeindlich; der Feminismus hat viele Imageprobleme. Dennoch wird er diesen Frauen zugeschrieben, wenn auch in einer soften, vermeintlich „erträglicheren“ Version.

Da gibt es zum Beispiel bauchfreie Shirts mit dem Aufdruck „Fem-Power“ oder ähnlicher Bekennerschrift, denn inzwischen sind auch die großen Marken auf den Modefeminismus aufmerksam geworden und schwimmen ganz oben auf der Welle mit. Diese „neue Form“ des Feminismus ist viel schöner, bunter, schriller, freizügiger und für viele auch alltagstauglicher. Feminismus zum Anziehen (und auch wieder Ausziehen). Damit erspart man sich auch gleich die Debatte über Frauenrechte, denn die Trägerinnen der Fem-Mode sind – nach eigenen Angaben – schon befreit genug. Der Lifestyle-Feminismus suggeriert jungen Frauen, dass sie alles ausprobieren, sein und machen können und auch machen sollten.

weiterlesen

Macron denounces anti-Zionism as a new form of anti-Semitism

French President Emmanuel Macron embraces Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu during a ceremony commemorating the 75th anniversary of the Vel d’Hiv roundup in Paris on July 16, 2017. (AFP PHOTO / POOL / Kamil Zihnioglu)
Unprecedented statement from a French leader comes as he hosts Netanyahu at Paris event marking 75 years since 13,152 French Jews were deported to Auschwitz

By Raphael Ahren | The Times of Israel

French president Emmanuel Macron on Sunday condemned anti-Zionism as a new form of anti-Semitism, in what observers said was an unprecedented statement from the leader of France in support of the Jewish state.

“We will never surrender to the messages of hate; we will not surrender to anti-Zionism because it is a reinvention of anti-Semitism,” Macron said an event in Paris marking the mass deportation of French Jews during World War II. He was directly addressing Prime Minister Benjamin Netanyahu, who attended the event.

During a lengthy and introspective speech commemorating the 75th anniversary of the Vel d’Hiv roundup, a mass arrest of 13,152 French Jews in July 1942 that was part of the Nazi effort to eradicate the Jews of France, Macron forcefully denounced Holocaust denial and anti-Semitism.

Like several of his predecessors, Macron accepted France’s responsibility for the deportations, admitting that the Vichy regime actively organized them. “It is indeed France that organized” the roundup, Macron said. “Not a single German” took part, he added.

read more