Geschichten vom Aussteigen: Ein Atheist in der Kirche

Foto: Friedemann Vetter
Florian Chefai war mal überzeugt, von einem göttlichen Wesen behütet zu sein. Heute ist er Vorsitzender eines atheistischen Vereins. Und geht häufiger in die Kirche als früher.

Von Adrian Froschauer | volksfreund.de

Da schleppt man einen Atheisten in die Kirche, und dann das: „Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Kreuzgang, der ist wunderschön“, sagt Florian Chefai und eilt durch den Trierer Dom. Er erklärt, dass in der Orgel ein kleiner Teufel versteckt ist, der eine verstimmte Panflöte spielt. Dass man von einem bestimmten Punkt im Innenhof einen perfekten Blick auf mehrere verschiedene Baustile gleichzeitig hat. Dass eine Statue am Portal der Liebfrauenkirche das Judentum verkörpert: Augenbinde, schiefe Krone, die zehn Gebote rutschen aus der Hand, christlicher Antijudaismus, sehr problematisch. Chefai ist ein echter Kirchenexperte. Dabei kann er mit der Kirche gar nichts anfangen.

Als Kind ist Chefai ganz selbstverständlich davon überzeugt, dass es irgendwo ein höheres Wesen gibt, einen gutmütigen, allmächtigen Lenker. Ein Ausstieg aus der Religionsgemeinschaft steht gar nicht zur Debatte. Das Elternhaus im saarländischen Neunkirchen: „klassische Arbeiterfamilie“, sagt Chefai, nicht besonders gläubig, nicht besonders ungläubig. Man ist katholisch, weil man eben katholisch ist. Doch der junge Chefai ist fasziniert von den kirchlichen Prunkbauten, von den rätselhaften Riten, von den „großen Geschichten“, die er im Kommunionsunterricht hört.

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Astrophysiker ist sich sicher: Es gibt Außerirdische

Artist’s render of the TRAPPIST-1 system. Image: ESO/M.Kornmesser Themenbild
Mit dem Weltraumteleskop Kepler wurden schon Hunderte Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der Astrophysiker Klaus G. Strassmeier vom Leibniz-Institut für Astrophysik erklärt, warum das nichts Besonderes mehr ist. Er weiß, was wir tun müssen, um die fernen Himmelskörper genauer zu studieren und möglicherweise sogar Hinweise auf Leben zu entdecken.

Von Rüdiger Braun | Märkische Allgemeine

Als Experte für kosmische Magnetfelder hat AIP-Professor Klaus G. Strassmeier auch mit Exoplaneten zu tun. Im Interview erklärt er, welche aufregenden Entdeckungen noch auf uns warten könnten.

Das Weltraumteleskop „Kepler“ hat jüngst etwa 200 neue Exoplaneten entdeckt, zehn davon erdähnlich. Geht das jetzt munter so weiter oder steigt die Rate sogar exponentiell?

Die schiere Anzahl ist nicht mehr das, was den Astronomen hinterm Ofen hervorlockt. Am 1. Juli waren insgesamt 3621 Planeten bei 2712 Sternen bekannt, inklusive 611 Systeme mit mehreren Planeten. Etwa 1500 davon stammen von Kepler. Die Detektionsrate wird weiter zunehmen, nicht exponentiell, aber sehr stark. Zum Beispiel sind 3000 weitere Objekte noch nicht endgültig bestimmt. Das Gesichtsfeld von Kepler umfasst ungefähr 150000 Sterne. Es werden also noch viele weitere Entdeckungen alleine von Kepler kommen, obwohl dessen Mission bereits beendet ist. Wir nehmen all diese Exoplaneten wahr, wenn sie vor ihren Muttersternen vorüberziehen. Bei diesem sogenannten Transit können wir den Radius des Planeten feststellen. Bei Folgebeobachtungen mit Teleskopen am Boden können wir dann die Masse des Planeten bestimmen. Mit der Masse und dem Radius können wir die mittlere Dichte des Exoplaneten bestimmen und damit mit theoretischen Modellen vergleichen.

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Todesurteile gegen 28 Islamisten in Ägypten bestätigt

Präsident al-Sisi, Bild: businessinsider.com/bearb.:BB

Ein ägyptisches Gericht hat die Todesurteile gegen 28 mutmaßliche Islamisten wegen des Mordes an dem Generalstaatsanwalt Hischam Barakat bestätigt.

Frankfurter Rundschau

Barakat war Ende Juni 2015 in Kairo bei einem Bombenanschlag auf seinen Autokonvoi ums Leben gekommen. Der frühere Generalstaatsanwalt ist das prominenteste Opfer in einer Reihe von Anschlägen in dem Land seit 2013. Das ägyptische Gericht verurteilte zudem 38 Mitangeklagte zu Strafen zwischen zehn Jahren und lebenslanger Haft. 16 Angeklagte wurden in Abwesenheit verurteilt. Gegen die Urteile kann noch Berufung eingelegt werden.

EKD-Kulturbeauftragter: NS-Relikte in Kirchen nicht verschweigen

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, empfiehlt, Relikte aus der NS-Zeit in kirchlichen Räumen nicht zu verschweigen. „Kirchengemeinden tun gut daran, offen, klar und deutlich dieses Thema anzusprechen“, sagte Claussen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

evangelisch.de

Im Streit über eine Adolf Hitler gewidmete Glocke im Turm der protestantischen Jakobskirche in Herxheim am Berg in Rheinland-Pfalz sei es sinnvoll, mit einer Plakette oder auf der Internetseite auf deren belastete Geschichte hinzuweisen.

Wenn es nicht möglich sei, einen Gegenstand mit NS-Vergangenheit aus kirchlichen Räumen zu entfernen, müsse man über ihn selbstkritisch und distanziert informieren, sagte der 53-jährige evangelisch-lutherische Theologe. Die evangelische Kirche werde ihre Scham darüber, mit dem Hitler-Regime verstrickt gewesen zu sein, nicht dadurch los, dass sie Objekte wie die Herxheimer Glocke verstecke. Kirchengemeinden und Kommunen sollten „keine Furcht davor haben“, Verantwortung auch für ihr fragwürdiges Erbe zu übernehmen.

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Die Türkei ist kein Rechtsstaat mehr

Bild: heise.de/tp
Die schwarze Liste der in den Augen türkischer Behörden der Terrorunterstützung verdächtiger deutschen Unternehmer und Einzelpersonen soll 681 Namen umfassen. Ein Kommentar

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Außenminister Gabriel ließ die Reisehinweise für die Türkei verschärfen. Für deutsche Unternehmer und Touristen herrsche keine Rechtssicherheit mehr, so der Tenor der aktualisierten Reisehinweise des Auswärtigen Amtes. Wenn Gabriel eine solch harte Äußerung tätigt, wird der ehemalige Wirtschaftsminister über etliche Informationen aus deutschen Wirtschaftskreisen über Vorfälle aus Betrieben aus der Türkei verfügen.

Dass es im Prinzip jeden treffen kann, der aus irgendeinem Grund in die Mühlen der türkischen Justiz gerät, ist nicht von der Hand zu weisen. Ein PC oder Handy mit Verschlüsselung im Gepäck kann schon genügen, als Terrorunterstützer zu gelten.

Die Türkei ist kein Rechtsstaat mehr. Die Säuberungen im Staatsapparat haben dazu geführt, dass inkompetente Leute bzw. 150-prozentige Erdogan-Anhänger die Stellen von einst gut ausgebildeten Angestellten eingenommen haben. Die neuen Staatsdiener handeln in vorauseilendem Gehorsam, sei es, weil sie selbst Angst haben, in die Mühlen der Justiz zu geraten, wenn sie nicht Erdogans Paranoia bedienen, sei es, weil sie selbst etwas vom Kuchen der Macht abhaben möchten.

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Kann sich Frankreich seine Atomkraftwerke nicht mehr leisten?

Baustelle des Druckwasserreaktors in Flamanville am Ärmelkanal. Die Baukosten haben sich von drei auf 10,5 Milliarden Euro verteuert Quelle: picture-alliance/ dpa
Bisher galt Frankreich als Musterland der Atomenergie. Aber die 58 Kernkraftwerke weiter zu betreiben, würde mehr als 100 Milliarden Euro kosten. Der von Macron geplante Ausstieg wäre deutlich billiger.

Von Gesche Wüpper | DIE WELT

Sie galt einst als Stolz der Nation, als Aushängeschild der heimischen Ingenieurskunst. Doch nun steht die französische Atomindustrie ausgerechnet in ihrer Heimat vor einer ungewissen Zukunft. Frankreich will Ernst machen mit seiner Energiewende, hin zu erneuerbaren Stromquellen. Doch das sind nicht die einzigen Sorgen, die den hoch verschuldeten Reaktorbetreiber EDF (Electricité de France) und den noch immer unter den Folgen der Fukushima-Katastrophe leidenden Atomkonzern Areva plagen.

So hat die Atomsicherheitsbehörde Autorité de sûreté nucléaire (ASN) EDF zwar vorläufig grünes Licht für die für Ende 2018 geplante Inbetriebnahme des um Jahre verspäteten EPR-Druckwasserreaktors in Flamanville in der Normandie erteilt – allerdings nur unter Auflagen.

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16-jährige Deutsche unter festgenommenen IS-Kämpferinnen

Eine 16-Jährige aus Sachsen gehört nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft zu den in der vergangenen Woche in der irakischen Stadt Mossul festgenommenen IS-Kämpferinnen.

Frankfurter Rundschau

Sie sei jetzt identifiziert, teilte die Behörde heute mit. Das Mädchen aus Pulsnitz bei Dresden werde von der deutschen Botschaft im Irak betreut. Weitere Angaben wollte die Staatsanwaltschaft zunächst nicht machen. Die Schülerin war im Sommer 2016 verschwunden, kurz nachdem sie zum Islam konvertiert war. Sie soll über Internet-Chats mit IS-Anhängern in Kontakt gestanden haben.

Dodo Voderholzer als „Fremdkostümierter“ abgewiesen

Erst nach Vorzeigen seines Dienstausweises konnte Voderholzer in seiner bischöflichen Kleidung (Talar und Bischofskreuz) das Festgelände der „Landshuter Hochzeit“ betreten – Kardinal Marx verzichtete daraufhin auf seinen Talar

kath.net

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer wollte das Volksfest „Landhuter Hochzeit“ besuchen, wurde aber von einem Ordner zunächst abgewiesen: Als „Fremdkostümierter“ habe er keinen Zutritt zum Festgelände. Das berichtete das Landshuter „Wochenblatt“ . Erst nach Vorzeigen seines Dienstausweises konnte Voderholzer in seiner erkennbaren bischöflichen Kleidung (Talar und Bischofskreuz) das Festgelände betreten. Aus Sicherheitsgründen hatte der Sicherheitsdienst die Anweisung, keine kostümierten Personen auf das Gelände zu lassen. Noch vor wenigen Jahren kamen viele Besucher in mittelalterlicher Kleidung.

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„Ich habe Amerika gesehen und es ist widerlich“

Als „widerlich“ bezeichnet der Präsident Amerika Quelle: REUTERS/Ezra Acayan
Öffentlich schlug er eine Einladung des US-Präsidenten Donald Trump aus: Der philippinische Staatspräsident sagte, er werde niemals Amerika besuchen. Es ist nicht das erste Mal, das er unflätig wurde.

DIE WELT

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat eine Einladung seines US-Kollegen Donald Trump nach Washington öffentlich ausgeschlagen.

Er werde die USA niemals besuchen, weder in seiner Amtszeit noch danach, sagte Duterte am Freitag. „Ich habe Amerika gesehen und es ist widerlich“, fügte er hinzu.

Trump hatte Duterte nach Angaben des philippinischen Präsidentensprechers bei einem Telefongespräch im April ins Weiße Haus eingeladen.

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Kritik von Soldaten: Keine „positiven Bezüge“ auf angesammelte „Kampferfahrung“ im 2. Weltkrieg

Symbolbild.
Beim Gelöbnis am 20. Juli erhält die Verteidigungsministerin Beistand von Michael Wolffsohn

Von Dirk Eckert | TELEPOLIS

Zum 19. Mal hat die Bundeswehr den 20. Juli mit einem Rekrutengelöbnis begangen. Doch die Erinnerung an das Hitler-Attentat an diesem Tag vor 73 Jahren war diesmal ganz anders als sonst: Die nächste Bundestagswahl steht kurz bevor und die Verteidigungsministerin ist im eigenen Haus schwer umstritten, seit sie der Bundeswehr ein „Haltungsproblem“ attestiert hat sowie „Führungsschwäche auf verschiedenen Ebenen“, nachdem mal wieder rechtsextreme Tendenzen in der Truppe öffentlich geworden waren.

Umso spannender war es, was Michael Wolffsohn wohl zu all dem sagt. Als Professor hatte er jahrzehntelang selbst an der Bundeswehr-Universität in München den Soldaten Neuere Geschichte gelehrt. In diesem Jahr war er der Gastredner beim Gelöbnis am 20. Juli im Berliner Bendlerblock dabei, wo seinerzeit die Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich den Sturz des NS-Regimes versucht hatten.

Michael Wolffsohn wird als unabhängiger Denker nicht nur unter Konservativen geschätzt. Deswegen war es geschickt, ihn einzuladen. Schon im Vorfeld hatte er sich deutlich für Ursula von der Leyen positioniert. Es gebe derzeit Soldaten, die „beleidigte Leberwurst“ spielen, monierte er. Man könne viele Einzelfälle eben irgendwann nicht mehr als solche abtun und dürfe auch nicht warten, bis diese tröpfchenweise ans Licht kommen.

Im Hof des Bendlerblocks mahnte Wolffsohn deshalb die Rekruten zum Widerspruch. Denn: „Widerspruch ist für das Denken des Einzelnen sowie für alle in einer Demokratie unverzichtbar, sogar im Militär einer Demokratie.“ Die Bundeswehr verbinde „gemäß dem Vermächtnis des 20. Juli 1944“ mit dem Konzept vom „Bürger in Uniform“ Befehle und Bürgerrechte. Das sei „moralisch und militärhistorisch (…) geradezu einzigartig“. In der Bundeswehr gehe es darum, „Befehle zu empfangen, sie auszuführen, trotzdem mit- oder gegenzudenken und, wo nötig, zu widersprechen“.

Und dann wurde er deutlich: In der Bundeswehr gebe es „Defizite und Fehlentwicklungen wie zum Beispiel das Fehlverhalten von Vorgesetzten, rassistische Deutschtümelei oder Männer-Chauvinismus“, kritisierte Wolffsohn: „Dieses Verhalten widerspricht dem Geist der Bundeswehr.“ Die Soldaten sollten sich in solchen Fällen an den Wehrbeauftragten wenden. Und wohl mit Blick auf die Kritiker von Ursula von der Leyen stellte er klar:

Hin und wieder werden Sie sich über die jeweilige Koalition oder Opposition oder auch über beide ärgern, vielleicht sogar über einzelne Minister oder Ministerinnen. Wie alle Bürger können Sie das ändern. Beteiligen Sie sich an Wahlen und bürgerschaftlichen Belangen.

Michael Wolffsohn

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Richard Dawkins Event in Berkeley Canceled Due To His “Abusive,” “Hurtful” Words

Image. Friendly Atheist
Richard Dawkins has a new collection of essays coming out next month in a book called Science in the Soul. Naturally, he’ll be visiting the U.S. on a book tour.One of the stops was going to be in Berkeley, California on August 9. It was sponsored by KPFA, a progressive radio station in the area, in a city known for being the hotbed of liberal activism.

By Hemant Mehta | Friendly Atheist

But that talk has now been canceled.

While that website doesn’t offer any reason for the cancellation, Jerry Coyne notes that people who had bought tickets received a more detailed email with this explanation:

We regret to inform you that KPFA has canceled our event with Richard Dawkins. We had booked this event based entirely on his excellent new book on science, when we didn’t know he had offended and hurt — in his tweets and other comments on Islam, so many people.

KPFA does not endorse hurtful speech. While KPFA emphatically supports serious free speech, we do not support abusive speech. We apologize for not having had broader knowledge of Dawkins views much earlier. We also apologize to all those inconvenienced by this cancellation. Your ticket purchases will automatically be refunded by Brown Paper Tickets.

The world’s most famous atheist criticized Islam and upset people… so he can’t give a talk about science? It’s a ridiculous reason that gets even more absurd when you consider the source.

Dawkins has no doubt put his foot in his mouth on Twitter many times before. There’s a whole generation of people who know him less for his science writing and more for his misguided tweets. We’ve criticized him many times on this site over those tweets, and he’s been “de-platformed” by atheists, too. This isn’t anything new.

I would also say there’s a difference between attempting to make a logical argument, off the cuff, on Twitter (where nuance dies) — and doing it completely ineffectively — and targeting individuals a la trolls who go out of their way to be controversial.

Dawkins isn’t someone who goes around targeting people with hateful or abusive speech. Dumb speech? Absolutely. Offensive speech? Yes, though that’s impossible to avoid when your topic of choice is religion. But hate is in the eye of the beholder, and most of his critics take single tweets more literally than he ever intended.

That’s not to excuse his words. He’s still responsible for what he says. But his entire career has been about persuading people to see things his way, whether or not he’s always succeeded, and he’s well aware that bigotry wouldn’t advance that goal. He’s a strong supporter of progressive Muslims who are trying to modernize the faith “from the inside.” (It’s also worth mentioning that all the “controversial” tweets we’re talking about were made years ago and he’s really mellowed out on Twitter ever since having a minor stroke in early 2016.)

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Maria Sibylla Merian – die naturforschende Künstlerin

Maria Sibylla Merian um 1700. Kupferstich von Jakob Houbraken nach einem Porträt von Georg Gsell. Jacobus Houbraken – „Das Insektenbuch“, Insel Verlag Leipzig Frankfurt am Main 1991. Bild: wikimedia.org/PD

Vor 300 Jahren in Amsterdam gestorben, war die gebürtige Frankfurterin Maria Sibylla Merian nicht nur als Künstlerin erfolgreich. Sie war auch Forscherin, Forschungsreisende, Geschäftsfrau und alleinerziehende Mutter.

Von Stephanie Kusma | Neue Zürcher Zeitung

Mehrmals hat er versucht, sie zurückzubekommen – oder mit ihr und den Töchtern zusammenleben zu dürfen. Mehrmals wurde er abgewiesen: Maria Sibylla Merian war es ernst mit der Trennung von ihrem Mann. Vor ihrem Umzug in die religiöse Kommune bei Wieuwerd im niederländischen Friesland soll zwar noch eine Art Versöhnungsgespräch stattgefunden haben. Doch die Tore der pietistischen Gemeinschaft, in der Merian mit Kindern und Mutter lebte, blieben ihm – ganz wörtlich – verschlossen. Selbst als die Mutter starb, die Kommune sich auflöste, kehrte sie nicht zu ihm zurück. Stattdessen zog Maria Sibylla, die gebürtige Frankfurterin, allein mit ihren zwei Töchtern nach Amsterdam. Es war das Jahr 1691.

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„Lisa Pathfinder“: Auf der Suche nach Gravitationswellen

Bild: NASA/public domain
Die ESA feiert den Erfolg von „Lisa Pathfinder“. Die Mission war ein Testlauf für den Bau eines geplanten riesigen Weltraum-Observatoriums zum Aufspüren von Gravitationswellen.

Von Pamela Dörhöfer | Frankfurter Rundschau

Unsere wildesten Träume wurden übertroffen“, freut sich Paul McNamara. „Wir werden das weit entfernte Universum beobachten können.“ Was den Wissenschaftler der europäischen Weltraumorganisation Esa so ins Schwärmen bringt, sind die Ergebnisse von „Lisa Pathfinder“ – einer am Dienstagabend beendeten Mission, die als Probelauf für ein Großprojekt der Esa diente, das in 17 Jahren an den Start gehen soll: Konkret ging es darum, die Tauglichkeit der Schlüsseltechnologie für ein geplantes Weltall-Observatorium zum Erforschen von Gravitationswellen zu prüfen. Und dieser Test war, wie Paolo Ferri, Leiter des Missionsbetriebs bei der Esa, sagt, „ein voller Erfolg“: „In fast allen Bereichen hat die Mission die Erwartungen übertroffen, in manchen war sie sogar hundertmal besser als angenommen.“

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Austria: Muslime-Chef Olgun lehnt nach Protest die Evolutionsthe­o­rie doch ab

Foto: APA/GEORG HOCHMUTH, IGGÖ-Präsident Ibrahim Olgun
Zuerst kritisierte der IGGiÖ-Chef die Streichung der Evolutionstheorie, dann unterstützte er die AKP-Linie.

Von Bilal Baltaci | kurier.at

„Wir verurteilen schamlose Journalisten, die Fake-News verbreiten, aufs Schärfste“, wettert Ibrahim Olgun, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ).

Aber was hat den Präsidenten so geärgert, dass er sich aus dem Urlaub meldet?

Angefangen hat es mit einer Entscheidung der türkischen Regierung, die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen zu streichen. Kritik kam nicht nur von europäischen Regierungen, auch der Moscheeverband ATIB und IGGiÖ distanzieren sich davon. „Der Islam steht immer für einen überzeugten, durch Wissenschaft belegten Glauben“, erklärte Olgun gegenüber dem oberösterreichischen Volksblatt in der Ausgabe vom vergangenen Donnerstag.

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Die Basis der Kirche bröckelt leise

Gläubige im Dom St. Petri in Bautzen (Sachsen). (Foto: dpa)
  • Die Austrittszahlen in der evangelischen und der katholischen Kirche sind im vergangenen Jahr gesunken.
  • Dennoch treten immer noch weit mehr Menschen aus der Kirche aus als vor knapp zehn Jahren.
  • Durch den kleinen Babyboom in Deutschland gab es jedoch mehr Taufen, und auch die Einnahmen durch die Kirchensteuer liegen auf einem Rekordhoch.

Von Matthias Drobinski | Süddeutsche.de

Man kann die Zahlen positiv sehen: Das kirchliche Leben in Deutschland habe sich „im vergangenen Jahr als weitgehend stabil erwiesen“, erklärt erfreut die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Die evangelische und die katholische Kirche haben ihre Daten zum kirchlichen Leben veröffentlicht, im zweiten Jahr in ökumenischer Verbundenheit am gleichen Tag.

Tatsächlich sind die Austrittszahlen beider Kirchen gesunken: Verließen 2015 noch 210 000 Menschen die evangelische Kirche, waren es ein Jahr später nur noch 190 000. Bei den Katholiken gab es 2015 noch 182 000 Austritte und 2016 noch 162 000. 21,9 Millionen Menschen gehören nun der evangelischen Kirche an, 23,6 Millionen der katholischen; rechnet man noch die ungefähr drei Millionen freikirchlichen, orthodoxen und sonstigen Christen hinzu, sind 58,3 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen Christen. Dass Deutschland einem „Prozess forcierter Entchristlichung“ ausgesetzt sei, wie Kardinal Gerhard Ludwig Müller in der italienischen Zeitung Il Foglio klagte, lässt sich mit diesen Zahlen nicht belegen.

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Schwerkraft-Anomalie im Kristall

Das Universum in einem Kristall: Physiker haben in einem Kristall eine Quanten-Anomalie nachgewiesen, die sonst nur unter extremer Schwerkraft auftritt. © Robert Strasser, Kees Scherer /IBM Research
Spannender Durchbruch: Physiker haben erstmals eine schwerkraftbedingte Quanten-Anomalie im Labor erzeugt, die bisher als unmöglich nachzuweisen galt. Denn sie tritt sonst unter der extremen Schwerkraft von Neutronensternen, Schwarzen Löchern oder kurz nach dem Urknall auf. Doch in einem exotischen Kristall gelang es den Forschern, diese axial-gravitationale Quanten-Anomalie nun zu beobachten, wie sie im Fachmagazin „Nature“ berichten.

scinexx

Der gängigen Theorie nach könnte unter extremen Bedingungen im Kosmos eine Quanten-Anomalie auftreten: In den extremen Gravitationsfeldern von Neutronensternen, Schwarzen Löchern oder im Quark-Gluon-Plasma kurz nach dem Urknall wird demnach eine grundlegende Symmetrie durchbrochen. Bei normalerweise spiegelsymmetrischen Paaren Teilchenpaaren soll dadurch eines der Teilchen nun häufiger vorkommen oder mehr Energie und Impuls besitzen als sein Partner.

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Streit um Tempelberg eskaliert – Drei Tote und 400 Verletzte

The Temple Mount in Jerusalem (photo credit: Miriam Alster/Flash90)
In Jerusalem und dem Westjordanland hat der Streit um den Tempelberg mindestens drei Menschenleben gefordert.

DIE WELT

  • Drei Palästinenser starben bei Konfrontationen in Ost-Jerusalem. 400 wurden in Jerusalem und im Westjordanland verletzt.
  • Als Auslöser der Unruhen gilt ein Streit um Metalldetektoren, die Israel am Tempelberg aufgestellt hatte.

Der Streit um den Tempelberg in Jerusalem ist am Freitag heftig eskaliert und hat mindestens drei Menschenleben gefordert. Nach dem Freitagsgebet wurden nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörden drei Palästinenser bei Konfrontationen in Ost-Jerusalem getötet und rund 400 weitere in Jerusalem und im Westjordanland verletzt. Mehrere Verletzte schwebten in Lebensgefahr, wie das Gesundheitsministerium mitteilte.

Als Auslöser der Unruhen gilt ein Streit um Metalldetektoren, die Israel nach einem tödlichen Anschlag am Tempelberg an Eingängen zu der heiligen Stätte in Jerusalems Altstadt aufgestellt hatte. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bat die USA um sofortige Intervention in der Krise.

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Münchner Theologe beklagt Personenkult um Luther

Im Jahr des Reformationsjubiläums dreht sich alles nur um Martin Luther und der Reformationsgedanke wird vollkommen vernachlässigt? Die Theologen Lauster und Gundlach beziehen Stellung

evangelisch.de

Einen Personenkult um den Reformator Martin Luther hat der Münchner Theologieprofessor Jörg Lauster beklagt. Dieser Personenkult in der evangelischen Kirche komme auch dadurch zum Ausdruck, dass ein Bild Luthers das Symbol für das gesamte Reformationsjubiläum geworden sei, sagte Lauster dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei sei der Reformator den Menschen heute „in vielem erschreckend fremd“. Der Grund für den Personenkult sei, dass die evangelisch-lutherische Kirche als einzige Kirche den „Namen eines Menschen“ als Bezeichnung führt. Deshalb gab Lauster zu bedenken, ob die evangelischen Kirchen zum Reformationsjubiläum nicht auf den Zusatz „lutherisch“ hätten verzichten sollen.

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So beginnt jeder Faschismus

Tausende Erdoğan-Anhänger feiern den Jahrestag des vereitelten Putsches in Istanbul (Foto: AFP)
Erdoğan greift gezielt die an, die sich für Freiheit und Rechte einsetzen. Die größte Sorge unseres Autors ist deshalb, dass „alle Werte in der Türkei zu Müll werden“.

Von Yavuz Baydar | Süddeutsche.de

Vielleicht ist es mein Fehler. Ich habe kein Verständnis mehr für die Naivität – manch einer mag es auch Wunschdenken nennen – jener Menschen, die behaupten, man müsse mit dem türkischen Erdoğan-Regime vernünftig diskutieren. Sie sagen das, ganz gleich, wie hart das Regierungslager gegen all seine Kritiker vorgeht.

Ich kenne Özlem Dalkıran seit einer Ewigkeit. Sie ist einer der gewissenhaftesten, humorvollsten Menschen, die ich in der Türkei kenne. Immer stand sie in der vordersten Reihe, wenn es darum ging, für Benachteiligte aufzustehen. Sie reihte sich bei denen ein, die mit Begeisterung uralte Tabus in der Türkei durchbrachen. Und sie war eine Freundin des vor zehn Jahren getöteten Hrant Dink – Dalkıran half der Familie bei ihrem Prozess. Kurzum: Wann immer es Ärger mit staatlicher Repression gab, war sie zur Stelle.

„Wie können sie ihr das nur antun“, war die Frage, die ich von ihren Freunden hörte, nachdem sie mit neun anderen Menschenrechtsaktivisten verhaftet worden war. Der Ton änderte sich, als ihre Haft verlängert wurde. Plötzlich sagten Optimisten, es habe sich nur um ein Missverständnis gehandelt und ihre Freilassung stehe sicherlich kurz bevor. Ich traute meinen Ohren nicht. „Lebst du in einem anderen Universum?“, fragte ich eine dieser Optimistinnen, der ich so nahe stehe, dass ich meine Fassungslosigkeit ihr gegenüber nicht kaschieren muss. „Kriegst du wirklich nicht mit, was für einem barbarischen Regime die Türkei ausgeliefert ist?!“, fragte ich sie und versuchte ihr zu erklären, wie Stalin seine Schauprozesse inszenierte. Wie er jeden unliebsame Kritiker zum Staatsfeind erklären ließ.

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Gesinnungsterror gegen Uni-Professor Kutschera

Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera wird nach einem kath.net-Interview von deutschen Politikern und Medien unter Druck gesetzt und in seiner Existenz bedroht

kath.net

Der Evolutionsbiologe Ulrich Kutschera wird nach einem kath.net-Interview von deutschen Politikern und Medien unter Druck gesetzt. Der Wissenschaftler meinte im Interview: „Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen. Der kinderlose Gender-Vater John Money hat diese Verhaltensweisen im Rahmen seiner absurden Geschlechter-Ideologie bereits vorgelebt.“Gender-Vater John Money, der sogar formal „katholisch“ ist, hält die Worte des beamteten Professors für abstrus. Er erwarte, dass die Universität Kassel prüfe, ob der Professor als Beamter seine Pflichten dadurch verletzt habe, dass er sich in abfälliger oder herabsetzender Weise gegen homosexuelle Menschen geäußert hat. Dies berichte die „Welt“.

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