Geschichten vom Aussteigen: Ein Atheist in der Kirche


Foto: Friedemann Vetter
Florian Chefai war mal überzeugt, von einem göttlichen Wesen behütet zu sein. Heute ist er Vorsitzender eines atheistischen Vereins. Und geht häufiger in die Kirche als früher.

Von Adrian Froschauer | volksfreund.de

Da schleppt man einen Atheisten in die Kirche, und dann das: „Kommen Sie, ich zeige Ihnen den Kreuzgang, der ist wunderschön“, sagt Florian Chefai und eilt durch den Trierer Dom. Er erklärt, dass in der Orgel ein kleiner Teufel versteckt ist, der eine verstimmte Panflöte spielt. Dass man von einem bestimmten Punkt im Innenhof einen perfekten Blick auf mehrere verschiedene Baustile gleichzeitig hat. Dass eine Statue am Portal der Liebfrauenkirche das Judentum verkörpert: Augenbinde, schiefe Krone, die zehn Gebote rutschen aus der Hand, christlicher Antijudaismus, sehr problematisch. Chefai ist ein echter Kirchenexperte. Dabei kann er mit der Kirche gar nichts anfangen.

Als Kind ist Chefai ganz selbstverständlich davon überzeugt, dass es irgendwo ein höheres Wesen gibt, einen gutmütigen, allmächtigen Lenker. Ein Ausstieg aus der Religionsgemeinschaft steht gar nicht zur Debatte. Das Elternhaus im saarländischen Neunkirchen: „klassische Arbeiterfamilie“, sagt Chefai, nicht besonders gläubig, nicht besonders ungläubig. Man ist katholisch, weil man eben katholisch ist. Doch der junge Chefai ist fasziniert von den kirchlichen Prunkbauten, von den rätselhaften Riten, von den „großen Geschichten“, die er im Kommunionsunterricht hört.

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