Beschleunigter Artenschwund


Bild: Susanne Aigner
Aktuellen Schätzungen zufolge verschwinden auf der Erde jeden Tag bis zu 130 Arten. Im Gegensatz zu anderen Massensterben wurde das heutige vom Menschen ausgelöst

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Eine erschreckende Bilanz zieht das Bundesamt für Naturschutz (BfN) in seinem zuletzt im Juni erschienenen Agrarreport zur biologischen Vielfalt. So gut wie alle Tier- und Pflanzenarten in den Agrarlandschaften sind im Schwinden begriffen, insbesondere die Vogel- und Insektenwelt. Ursache dafür ist die abnehmende Vielfalt an Lebensräumen und Biotopen. Dies geht aus der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands hervor.

Besonders Wiesen und Weiden sind Bedingungen ausgesetzt, die zu ihrem Schwinden beitragen. So ist eine qualitative Verschlechterung des Grünlands infolge intensiver Bewirtschaftung festzustellen, zum Beispiel bei blütenreichen Mähwiesen, wo rund 40 Prozent der in Deutschland gefährdeten Arten an Farn- und Blütenpflanzen wachsen. Wildkräuter wie Acker-Rittersporn und Sommer-Adonisröschen, die früher auf Äckern weit verbreitet waren, sind hier nur noch selten zu finden. So sank die Zahl der Wildkräuter im Inneren von Ackerflächen bereits um mehr als 70 Prozent.

Auch die Wasserqualität wird immer schlechter – besonders in Regionen mit einer besonders hohen Dichte an Mastschweinen, Geflügel und Rindern. Weder die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union noch die nationale Umsetzung der Erhaltung der Biodiversität konnten den Verlust biologischer Vielfalt in den Agrarlandschaften aufhalten. Weil die Geldmittel fehlen, könnten noch nicht mal die gesetzlichen Vorgaben für die EU-Naturschutzrichtlinien erfüllt werden, kritisiert BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel, die eine Kehrtwende in der Agrarpolitik fordert.

2013 zählte das BfN in Deutschland rund 48.000 Tier-, 10.000 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. Dem BfN-Artenschutz-Report von 2015 zufolge sind von den 32.000 der auf der Roten Liste stehenden Tier- und Pflanzenarten etwa ein Drittel im Bestand gefährdet, vier Prozent sind ausgestorben. Rund 20 Prozent aller Farn- und Blütenpflanzen – zwischen 48.000 und 57.000 Arten – werden für Heilzwecke genutzt, wobei die meisten der bekannten Arten noch auf ihren Nutzen für den Menschen untersucht wurden.

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Ein Gedanke zu “Beschleunigter Artenschwund

  1. Rolo

    Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis das Artensterben auch die Spezies „Mensch“ trifft. Was sind dabei ein paar Jahrtausende ? Zeit steht im Universum (fast) unbegrenzt zur Verfügung. Die Natur nutzt die Zeit, um zu reparieren was ihr unvollkommene und unnütze Lebensformen angetan haben. Mittel zum Zweck ist die Evolution. Ich möchte in, sagen wir, fünfhunderttausend Jahren gerne einmal „Mäuschen“ spielen wollen, wie es dann auf diesem Planeten aussieht.

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