„Das Kopftuch war niemals ein Thema“


Die Islamwissenschaftlerin Armina Omerika. (picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke)
Die Professorin Armina Omerika lehrt die Ideengeschichte des Islam. Auf einer Tagung der Katholischen Akademie reflektierte sie darüber, ob eine Fakultät möglich ist, an der unter einem Dach über die monotheistischen Religionen geforscht wird.

Armina Omerika im Gespräch mit Philipp Gessler | Deutschlandfunk Kultur

Philipp Gessler: Armina Omerika sieht nicht wirklich so aus, wie man sich eine Professorin für Islamische Theologie geheimhin vorstellen mag: kein Kopftuch, keine professoralen Allüren, um sich in der immer noch stark männlich geprägten akademischen Welt leichter Gehör zu verschaffen, keine hoch gezwirbelte Sprache, die nur noch Insider verstehen. Stattdessen eine schwarz gekleidete, noch ziemlich junge Wissenschaftlerin mit offenem schwarzen Haaren und gutem Witz – und noch besserer Selbstironie, die ihr enormes Wissen und ihre gedankliche Schärfe hinter schlichter Sprache fast versteckt. Sehr erfrischend! Armina Omerika war eine der rund zwei Dutzend hochkarätigen Fachleute, die am Dienstag der zu Ende gehenden Woche in der Katholischen Akademie auf Einladung der Akademie in Berlin und des Erzbistums Berlin die Möglichkeiten eines kühnen Projekts erörterten: Wie könnte es möglich sein, in der deutschen Hauptstadt eine Fakultät oder einen Campus zu etablieren, in dem die Theologien des Judentums, des Christentums und des Islams möglichst unter einem Dach forschen und lehren könnten – auch zu gemeinsamen Themen der heutigen Zeit, etwa zum Fundamentalismus in den monotheistischen Religionen? Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, etwas Geld ist da. – Deshalb habe ich Armina Omerika dazu befragt.

Meine erste Frage aber an sie war zunächst, wie sie die Entwicklung der Islamischen Theologie in Deutschland, einer erst sehr jungen Disziplin hierzulande, einschätzt und ob da vom Niveau her nicht noch einige Luft nach oben wäre.

Armina Omerika: Na ja, zunächst einmal ist das in der Tat eine sehr beachtliche Entwicklung gewesen innerhalb sehr kurzer Zeit. Also, alle sechs Standorte der islamisch-theologischen Studien in Deutschland haben sehr, sehr schnell ein … ich würde schon sagen: sehr hohes Niveau an Organisation, an Planung überhaupt, an der Etablierung oder Grundsteinlegung des Faches erreicht, das innerhalb dieser kurzen Zeit tatsächlich vielleicht auch einmalig ist für Deutschland. Wenn man sich anschaut, das ist eine sehr junge Disziplin, aber es gibt mittlerweile einen ausgebildeten akademischen Nachwuchs, und zwar einen gut ausgebildeten akademischen Nachwuchs, das Fach ist sehr beliebt unter den Studierenden. Also, an allen Standorten werden große Einschreibungszahlen verzeichnet. Es ist aber in der Tat natürlich noch ein Prozess. Und für so eine Disziplin, so eine ganz junge, vielleicht sogar die jüngste Disziplin an den deutschen Universitäten ist das in der Tat eine sehr lobenswerte Leistung. Natürlich ist es so, dass wie bei jedem neuen Fach es immer Raum nach oben gibt.

Und ich würde sagen, jetzt kommt eben eine Phase, wo man sich noch einmal viel intensiver untereinander auch unterhalten muss, was neben den praktischen Erwägungen, die bis jetzt hauptsächlich auch im Vordergrund standen, was der nächste Schritt ist in einer wissenschaftstheoretischen Bestimmung der islamischen Theologie in Deutschland. Man muss sich auch noch untereinander intensiver darüber austauschen, was denn die Zukunftsperspektiven des Fachs sind, also, welche Profile strebt man an? Und vor allem auch darüber, was die Zukunfts- und Berufsperspektiven der eigenen Studierenden sind, von denen es, wie ich bereits sagte, sehr viele gibt. Das sind also die großen Fragen, die jetzt erst diskutiert werden können, weil sich jetzt erst diese Lage auch nach dieser ersten, sehr schnellen oder, wenn Sie so wollen, sehr intensiven Aufbauzeit der Raum für solche Diskussionen überhaupt eröffnet.

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