Buddhismus: „Wegsehen hat noch keiner Gemeinschaft geholfen“


Antwortstunde mit Lama Ole Nydahl vor einer Buddhastatue – Mechthild Klein erlebte buddhistische Meister, die ihre Übersetzerin vorführten und begann zu recherchieren. (Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Autorin Mechthild Klein befasst sich mit den dunklen Seiten des Buddhismus: mit Machtmissbrauch und kulturkämpferischem Gedankengut. „Grundsätzlich sehe ich es als Problem an, dass junge Buddhisten einen Machtmissbrauch gar nicht wahrnehmen“, sagte sie im Dlf.

Mechthild Klein im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: In wenigen Tagen treffen sich im Allgäu tausende Buddhisten zu einem Sommerkurs. Sie wollen meditieren, der Erleuchtung näherkommen und vor allem wollen sie Ole Nydahl zuhören, einer buddhistischen Berühmtheit. Unsere „Sendung Aus Religion und Gesellschaft“ nimmt heute Abend um 20:10 Uhr das Wirken einiger spiritueller Stars unter die Lupe, eben auch das von Ole Nydahl.

Kinderkriegen als Kulturkampf, verkündet Nydahl – das ist eine eher unbekannte Seite der sanften Lehre, eine andere ist der Machtmissbrauch von Lehrern gegenüber ihren Schülerinnen. Mechthild Klein hat für uns recherchiert. Sie ist die Autorin der Sendung von heute Abend und gibt nun einen Einblick in ihre Werkstatt. Frau Klein, wie haben Sie Verdacht geschöpft, dass die buddhistische Welt nicht nur aus Yoga und innerem Gleichgewicht besteht?

Mechthild Klein: Das war eher ein Zufall. Ich recherchierte zu einem anderen Thema im Buddhismus. Ich war bei einer überregionalen Veranstaltung und habe dort buddhistische Meister erlebt, die ihre Übersetzerin total vorgeführt haben. Ein tibetischer Meister hat superlange Absätze gesprochen und die Übersetzerin hatte Schwierigkeiten, im Deutschen hinterher zu kommen. Der Vortrag des Meisters war inhaltlich dermaßen flach und mit Binsenweisheiten gespickt, dass ich mich wunderte, dass dieser Mann so hofiert und gefeiert wurde. Dann fing ich an, genauer hinzusehen und nachzuforschen.

Im Internet habe ich Plattformen, Dokumente und Zeitschriften gefunden, die den Machtmissbrauch aufgegriffen haben. Da waren Meister im Fokus, die Dutzende von Affären mit ihren Schülerinnen hätten – natürlich unter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit. Wenn man sich vorstellt: Diese buddhistischen Lehrer werden von ihren Anhängern verehrt und als erleuchtet angesehen. Und was machen diese Meister? Nicht die Welt retten. Nicht den Menschen helfen, ihr spirituelles Potenzial zu entwickeln oder Mitgefühl zu kultivieren. Sondern sie nutzen die Frauen aus oder sondern rechtsradikale Ansichten ab.

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