Isch schwör!


Der Angeklagte glaubt, vor Gericht sein Bestes gegeben zu haben. Der Richter muss sich das Augenrollen verkneifen Quelle: dpa
Arabische Angeklagte schwören vor Gericht häufig, um glaubwürdig zu wirken. Wenn ein Angeklagter das aber in Deutschland macht, hält der Richter ihn oft für einen Lügner. Eine Ex-Anwältin erzählt.

Von Ann-Kathrin Jeske | DIE WELT

Wenn sie arabischstämmige Mandanten hatte, nahm sich Ex-Strafverteidigerin D. vor Gerichtsterminen besonders viel Zeit. Sie übte mit ihnen, welches Verhalten Richter vor deutschen Gerichten erwarten. Und sie erklärte ihnen, was nicht gut ankommt: ungefragtes Schwören auf Allah, minutenlange Antworten auf simple Fragen, mantraartige Wiederholungen der Aussage. Viele Mandanten dachten, sich mit diesem Verhalten vor Gericht von ihrer besten Seite zu zeigen. Die Richter dagegen glaubten, sich ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht anzuhören.

Rechtspsychologen wissen, dass es vor Gericht nicht nur auf harte Fakten und Paragrafen ankommt. Wie der Angeklagte spricht und welche Hautfarbe er hat, kann sich enorm auf eine richterliche Entscheidung auswirken. Vor allem in den USA wird viel dazu geforscht, welchen Einfluss kulturelle Unterschiede vor Gericht haben. Auch in Deutschland gibt es vermehrt Anlass dazu, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

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