Der Westen, der IS und die Moral

Der syrische Präsident Bashar al-Assad konnte seine Position in Syrien festigen. Foto: SANA
Lange setzte der Westen in Syrien auf verschiedene Rebellengruppen – und scheiterte damit. Dass dagegen Moskaus Eingreifen Bewegung in die Lage gebracht hat, wollen viele deutsche Politiker nicht zugeben, meint unser Kolumnist.

Von Götz Aly | Stuttgarter Nachrichten

Ab sofort stellt die Bundesregierung weitere 100 Millionen Euro bereit, um die Not in Mossul zu lindern und den Wiederaufbau zu fördern. Gut so! Aber warum versagt dieselbe deutsche Regierung der gleichfalls lange umkämpften Großstadt Aleppo solche Hilfen? Ganz einfach: Aus Sicht der Bundeskanzlerin, ihrer sozialdemokratischen Koalitionspartner, der insofern regierungsfrommen Grünen und der meisten unserer Meinungsmacher haben in Aleppo die Falschen gewonnen – die Regierungstruppen Assads und die Interventionsstreitkräfte Putins.

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Dient Homosexualität der Natur zur Bevölkerungskontrolle

Richard Dawkins beantwortet Fragen zum „Darwin-Tag 2015“. Mit optionalen deutschen Untertiteln.

Richard-Dawkins-Foundation

Der Darwin-Tag ist ein internationaler Gedenktag zu Ehren Charles Darwins und wird jährlich am 12. Februar, seinem Geburtstag, begangen. In dieser Serie zum „​Darwin-Tag 2015“ beantwortet Richard Dawkins eine Reihe von Fragen zum Thema Evolution.

Frage Nr. 1: Dient Homosexualität der Natur zur Bevölkerungskontrolle?

Wir präsentieren diese Videos mit optionalen deutschen Untertiteln. Für das Erstellen der Untertitel und die Bearbeitung der Originalvideos bedankt sich die RDF beim Youtube Kanal Blossoming Reason.

Hier geht’s zum Originalartikel…

Die Freiheit darf nicht verschleiert werden

Zwei Frauen in Niqab am Berliner Kurfürstendamm (Archiv). (imago / Stefan Zeitz)
Es sei aberwitzig, das Recht auf Verhüllung unter Verweis auf multikulturelle Vielfalt zu propagieren, meint Ulrike Ackermann. Sie warnt: In anderen Ländern sei zu beobachten, wie aus dem Recht auf das Tragen eines Kopftuches sukzessive eine soziale Pflicht werde.

Von Ulrike Ackermann | Deutschlandfunk Kultur

Die Begründung der bayerischen Landesregierung für die Einführung der Ganzkörper- und Gesichtsverschleierung lautet: „Ein kommunikativer Austausch findet nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Blicke, Mimik und Gestik statt“. Er sei Grundlage unserer Gesellschaft und der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Eine Verhüllung widerspreche dieser Kommunikationskultur.

Ist das nun ein Sieg der Freiheit oder der Unfreiheit? Muss eine offene, liberale Gesellschaft mit dem Verweis auf die Religionsfreiheit voll verschleierte Frauen im öffentlichen Raum ertragen? Oder soll sie zugunsten unserer Kommunikationskultur von Angesicht zu Angesicht, auf Augenhöhe und unter Gleichen diese auch muslimischen Frauen zustehende Freiheit mit einem Verbot schützen?

Politisches Symbol und Zeichen eines erzkonservativen Islam

Es klingt paradox, aber es ist höchste Zeit dafür. Auch der Innenminister hat in der losgetretenen Debatte über die Leitkultur darauf hingewiesen. Denn bisher gibt es nur in Hessen seit 2011 ein Verbot im öffentlichen Dienst. Und einige Gerichte haben Schülerinnen und Studentinnen dort wiederholt die Vollverschleierung des Gesichts untersagt.

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Endlicher Aufenthalt im Quantentunnel

© DPA Ohne den quantenmechanischen Tunneleffekt gäbe es keinen radioaktiven Alpha-Zerfall von Atomkernen.
Gemäß der Quantenmechanik können mikroskopische Teilchen eigentlich unüberwindbare Energiebarrieren durchtunneln. Ob sie dafür Zeit brauchen oder nicht, wurde nun neu vermessen.

Von Sibylle Anderl | Frankfurter Allgemeine

Eine Merkwürdigkeit des Mikrokosmos betrifft die Fähigkeit von Quantenteilchen, Energiebarrieren zu überwinden, die nach den Gesetzen der klassischen Physik undurchdringlich sein sollten. Der quantenmechanische Tunneleffekt beruht darauf, dass sich ein Teilchen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit in energetisch unzugänglichen Gebieten aufhält – der radioaktive Zerfall mancher Atomkerne wird dadurch beispielsweise möglich.

Wie lange es für ein Teilchen dauert, durch einen Potentialwall zu tunneln, war lange unbekannt. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg um Thomas Pfeiffer haben sich dieser Frage nun gewidmet. Dabei bestrahlten sie Atome mit kurzen Laserpulsen. Die Pulse überlagerten sich so mit dem elektrischen Feld des Atomkerns, dass sich die Wahrscheinlichkeit für ein gebundenes Elektron stark erhöhte, das Atom zu verlassen.

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VW schrieb offenbar Weils Regierungserklärung um

Paukenschlag in der Diesel-Krise: Niedersachsens Ministerpräsident bat VW vor Erklärungen um Überprüfung von Redemanuskripten. Jedoch war das kein Faktencheck. Einem Bericht zufolge hübschten VW-Mitarbeiter die Reden auf.

DIE WELT

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil(SPD) hat einem Zeitungsbericht zufolge eine Regierungserklärung zur Abgas-Affäre vom VW-Konzern umschreiben lassen. Wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf ihr vorliegende Unterlagen berichtete, bekam der Autobauer die Rede, die Weil am 13. Oktober 2015 im Niedersächsischen Landtag hielt, vorab zugeschickt. Redenschreiber des Vorstandes hätten den Text dann „aufgehübscht“. „Problematische Passagen“ seien gestrichen und „positivere Formulierungen“ eingefügt worden.

Weil sagte dagegen den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, der Vorwurf, er habe seine Regierungserklärung von VW genehmigen oder nachbessern lassen, sei „schlichtweg falsch“. Im Oktober 2015 habe wegen der Diesel-Affäre die Zukunft des VW-Konzerns auf dem Spiel gestanden, „nicht zuletzt auch wegen der schwierigen Verfahrenslage in den USA“. Das sei „mittelbar auch für das Land Niedersachsen von allergrößter Bedeutung“ gewesen.

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Italien verbietet Schiff von Ärzten ohne Grenzen Landung auf Sizilien

„Prudence“ – imago/Pacific Press Agency
Ärzte ohne Grenzen zählt zu den NGOs, die nicht den von der italienischen Regierung verfassten Verhaltenskodex unterzeichnet haben.

Die Presse.com

Rom verschärft den Druck auf NGOs, die nicht den von der italienischen Regierung aufgesetzten Verhaltenskodex für private Seenotretter unterschrieben haben. Die italienischen Behörden haben dem Schiff „Prudence“ der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen verboten, nach Rettungseinsätzen für Flüchtlinge im Meer, diese nach Sizilien zu bringen.

127 Migranten, die von der Prudence am Samstag gerettet worden waren, wurden an Bord von zwei Schiffen der italienischen Küstenwache genommen. Diese führten die Migranten nach Lampedusa. Ärzte ohne Grenzen zählt zu den NGOs, die nicht den von der Regierung verfassten Verhaltenskodex unterzeichnet haben.

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Soziologin: Kirchen müssen „Versuchung der Macht widerstehen“

Innsbrucker Forscherin Stöckl bei „Salzburger Hochschulwochen“: Europäisches kooperatives Staats-Kirchen-Modell bewährt sich in „postsäkularen Konflikten“ – Berliner Neurowissenschaftler Haynes: Hirnforschung führt zu neuen ethischen Debatten
In einer Zeit zunehmender globaler kultureller Konflikte, in denen auch religiöse und moralische Fragen immer stärker eine Rolle spielen, sollten Kirchen und Religionsgemeinschaften der „Versuchung der Macht widerstehen“.

kathpress

Das hat die auf postsäkulare Konflikte spezialisierte Innsbrucker Soziologin Kristina Stoeckl im Rahmen eines Vortrags bei den „Salzburger Hochschulwochen“ am Samstag unterstrichen. Zwar sei diese Gefahr in Europa nicht virulent, aber Beispiele etwa aus Russland oder den USA würden zeigen, wie leicht in postsäkularen Konflikten Religionen und Kirchen zu politisch einflussreichen Kräften werden könnten. Hüten sollten sich die Kirchen vor dieser Versuchung insofern, als dies einem konservativen, modernitäts-skeptischen Flügel innerkirchlich in die Hände spiele.

„Postsäkulare Konflikte“ zeichnen sich laut Stoeckl u.a. dadurch aus, dass sie potenziell transnational sind, keine eindeutigen Lösungen mehr kennen und vor allem nicht mehr an der Bruchlinie religiös-säkular entlang laufen, sondern sich zwischen konservativen und liberalen Positionen entwickeln und damit zum Teil quer durch Religionen und Kirchen laufen. Beispiele hierfür seien etwa die Debatten über die „Ehe für alle“, aber auch die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Kreuzes in öffentlichen Räumen.

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Atombomben nach Hiroshima: Zynisches Feuerspiel

© DAPD Der Atompilz über Hiroshima, eine Stunde nach der Explosion am 6. August 1945, auf einem Foto der amerikanischen Streitkräfte
Vor 72 Jahren warf amerikanische Streitkräfte Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Seither setzen die Nuklearmächte auf gegenseitige Abschreckung. Doch die Menschheit ist einem Atomkrieg oft allein durch Glück entgangen.

Von Alex Rosen | Frankfurter Allgemeine

Im August 1945 verschwanden die beiden Städte Hiroshima und Nagasaki im Inferno der Atombomben. Mehr als 200.000 Menschen wurden durch die Angriffe getötet, Zehntausende starben an den Spätfolgen ihrer Verbrennungen, Verletzungen und der Radioaktivität. Die Überlebenden dieser Angriffe eint seit 72 Jahren ein gemeinsames Ziel: Sie wollen noch in ihrer Lebenszeit eine Welt ohne Atomwaffen und atomare Bedrohung erreichen. Sie wollen, dass nachfolgende Generationen niemals wieder die Hölle auf Erden erleben müssen, die sie durchgemacht haben.

Der 72. Jahrestag von Hiroshima und Nagasaki ist für die Überlebenden ein besonderer, denn dieses Jahr sind sie ihrem Ziel einen großen Schritt nähergekommen: Am 7. Juli 2017 verabschiedeten 122 Staaten bei den Vereinten Nationen einen Vertrag zur völkerrechtlichen Ächtung von Atomwaffen. Sobald der Vertrag von mindestens 50 Staaten ratifiziert ist, werden Entwicklung, Herstellung, Lagerung, Weitergabe, Erwerb, Besitz, Testung und der Einsatz von Atomwaffen gegen das Völkerrecht verstoßen. Der Vertrag bezieht sich in seiner Argumentation vor allem auf die nationalen und globalen Sicherheitsinteressen aller UN-Mitgliedsstaaten und ihrer Bevölkerungen.

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Dürre in Saskatchewan: Stromzähler fangen Feuer

Symbolbild eines Stromzählers an einer Außenwand (Bild: Kevin Dooley CC BY 2.0 (Ausschnitt))
In der kanadischen Provinz Saskatchewan haben mehrere Stromzähler Feuer gefangen. Grund ist eine Rekorddürre, die zu Bodenverschiebungen führt.

Von Daniel AJ Sokolov | heise.de

In den letzten Wochen haben in der kanadischen Provinz Saskatchewan mehrere Stromzähler anscheinend spontan zu brennen begonnen. Betroffen sind ausschließlich Gebäude, deren Stromzuleitung unterirdisch verlegt wurde. Aufgrund einer intensiven Dürre ist das Erdreich so trocken, dass sein Volumen deutlich zurückgegangen ist. Dabei wirkt auf unterirdisch verlegte Stromkabel eine Zugkraft. Diese kann so stark sein, dass am Zähler Kabel freigelegt werden und es zu Kurzschlüssen und Funkenschlag kommt.

Zwar sind in den Stromzählern Kabelreserven vorgesehen, weil sich die Kabel auch temperaturbedingt zusammenziehen können. Diese Reserven reichen aber oft nicht aus, um die nun eingetretene „Schrumpfung“ des Bodens auszugleichen. In Saskatchewans Hauptstadt Regina sind im Juli nur 1,8 mm Regen gefallen. Damit war dieser Juli der trockenste seit 130 Jahren.

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ADHS und die Suche nach dem Heiligen Gral

So stellen sich führende Psychiater, hier der MPI-Direktor Alon Chen, Forschung auf ihrem Gebiet vor: Standardisierte genetisch modifizierte Mäuse werden nochmals genetisch modifiziert und operiert, um ihre Nervenzellen in den Mandelkernen (Amygdalae) zu kontrollieren. Nach „traumatischen“ Erfahrungen durch Elektroschocks in die Füße werden Stressreaktionen untersucht. Das soll letztlich Aufschluss über Angst- und Posttraumatische Stressstörungen (PTSS) sowie Depressionen beim Menschen geben. Dabei sind die Labortiere noch nicht einmal für ihre eigene Spezies repräsentativ. Abbildung: Tali Wiesel, Weizmann Institute of Science (idw-Pressemitteilung)
Die Krise der molekularbiologischen Psychiatrie

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Im ersten Teil „30 Jahre Aufmerksamkeitsstörung ADHS“ diskutierten wir einige Auffälligkeiten der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Beispielsweise schwankt deren Diagnosehäufigkeit zwischen den Ländern teils erheblich, selbst zwischen den Bundesländern in Deutschland. Auch das Geschlecht oder das Alter bei der Einschulung spielen eine Rolle. Wie wir sahen, gibt es die Störung in dieser Form erst seit 30 Jahren.

Da gegen Kritik an ihrem Konzept häufig auf Genetik und Erblichkeit verwiesen wird, endete Teil 1 mit einer Analyse von Erblichkeitsschätzungen und Zwillingsstudien. Entgegen der unter Fachleuten verbreiteten Meinung sagen diese wenig bis gar nichts über die genetische Determination von ADHS aus, sondern sind die Zahlen durch Umweltfaktoren beeinflusst. In diesem Teil wird es ausführlicher um die Rolle der Medikamente und Hirnforschung gehen und die Stigmatisierung der Betroffenen besprochen.

Alternativ müsste man zugeben, dass man Jahr für Jahr Forschung im Milliardenbereich bezahlt, vor allem mit Steuermitteln, die mit den falschen Methoden am falschen Ort sucht. Und dass etwa die hochdotierten Lehrstühle für Mäusegenetiker in der Psychiatrie, mit denen man zunehmend die Sozialpsychiatrie ersetzte, ein großer Irrtum waren und sind, den man jetzt nicht mehr so schnell loswird. Und dass junge Ärztinnen und Ärzte, die sich anschicken, „den Menschen zu helfen“, für die Praxis nutzloses Lehrbuchwissen über Gene und Gehirn pauken müssen.

Wer Schwierigkeiten mit diesen Gedanken hat oder sie für „Geschwafel eines Geisteswissenschaftlers“ hält (O-Ton Telepolis-Forum), dem seien zwei unabhängige Auffälligkeiten der molekularbiologischen Psychiatrie angeboten: Die erste gilt speziell für ADHS, lässt sich aber analog für andere Störungen nachweisen; die zweite gilt für alle Störungen zusammengenommen.

Erstens sollte man doch erwarten, dass es nach den im ersten Teil erwähnten rund 35.000 Publikationen zur ADHS Klarheit darüber gibt, wie die verschiedenen Therapien wirken. Das gilt insbesondere für die so oft verschriebenen Medikamente, wird doch verhaltensauffälligen Kindern schon seit achtzig Jahren Amphetamin (Speed) gegeben. Auch Methylphenidat (Ritalin® u.a.) wurde schon 1944 entdeckt, also vor über 70 Jahren.

In der Cochrane-Datenbank sind 2016 zwei umfangreiche (150 bzw. 779 Seiten) Analysen erschienen, die sich nach höchsten wissenschaftlichen Standards mit der Qualität der Studien zu Amphetamin beziehungsweise Methylphenidat auseinandersetzen und die Ergebnisse zu Nutzen und Risiken auswerten. Die Ergebnisse sind ernüchternd, wenn nicht gar gravierend:

Die Mehrheit der Studien unterliegt systematischen Verzerrungen (etwa durch finanzielle Interessenkonflikte) bei geringer oder nur sehr geringer Qualität (etwa durch unzureichende Kontrollen oder unvollständige Daten). Trotz alledem ergibt sich im Endeffekt bloß ein Nutzen, der es gerade so über die Schwelle der minimalen klinischen Relevanz schafft.

Dieser „Erfolg“ kommt mit dem Nachteil von Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlafstörungen und Bauchschmerzen. Bei Methylphenidat treten diese 29% häufiger auf, nämlich bei 53% statt 41% der Kinder. Ferner waren die Studien in der Regel auf Kurzzeiteffekte angelegt, während die Medikamente häufig über Jahre hinweg verschrieben werden.

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Witziger als Erdogan erlaubt

Zu Gast beim Sultan. Die Zeitschrift „LeMan“ würdigte die Besuche von Angela Merkel bei Recep Tayyip Erdogan im Jahr 2016. FOTO: AUS DEM BESPROCHENEN BUCH
Wer Karikaturen über den türkischen Präsidenten macht, lebt gefährlich. Das Buch „Schluss mit Lustig“ gibt einen beeindruckenden Einblick in aktuelle Satire des Landes.

Von Erik Wenk | DER TAGESSPIEGEL

Recep Tayyip Erdogan versteht keinen Spaß. Spätestens nach den Kontroversen um Jan Böhmermann und Extra 3 ist klar, dass jeder, der sich über den türkischen Präsidenten lustig macht, mit Klagen, Repressionen und Inhaftierung rechnen muss. Eine harmlose Karikatur, die Erdogan als Katze zeigte, brachte der türkischen Satire-Zeitschrift „LeMan“ 2010 eine Klage ein. Der Zeichner, Musa Kart, ist unter den 17 Journalisten der Traditionszeitung „Cumhuriyet“, denen wegen des Vorwurfs, Terrorismus zu unterstützen, der Prozess gemacht wird. Kart wurde am Freitag vor einer Woche mit sechs Mitarbeitern der Zeitung vorläufig freigelassen, der Rest der Redaktion ist weiterhin in Haft.

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Christian Wulffs neuer Job bringt SPD und Linke in Rage

Ex-Präsident Christian Wulff, hier mit seiner Frau Bettina, verdient sich offenbar als Prokurist für eine Modefirma etwas dazu Quelle: pa/Boris Roessle/dpa/Boris Roessler
Wirbel um einen Nebenjob: Einem Bericht zufolge arbeitet Ex-Bundespräsident Christian Wulff künftig für eine türkische Modefirma. Bei SPD und Linke kommt das Engagement gar nicht gut an.

DIE WELT

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat einen neuen Nebenjob. Und der löst bei SPD und Links­par­tei scharfe Kritik aus. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, arbeitet Wulff seit April als Prokurist für die Deutsch­land-Toch­ter des tür­ki­schen Mo­de­la­bels „Yar­gi­ci“.

Ende Mai waren Wulff und seine Ehe­frau Bet­ti­na Star­gäs­te bei der La­de­ner­öff­nung des ers­ten deu­t­schen „Yar­gi­ci“-Ge­schäfts in Ham­burg. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in der türkischen Metropole Istanbul.

Bei der SPD kommt sein neuer Job gar nicht gut an. Allerdings weniger wegen des privatwirtschaftlichen Engagements als vielmehr wegen seines Ehrensolds. Ex-Präsidenten erhalten diesen nach ihren jeweiligen Amtszeiten. Der Ehrensold liegt aktuell bei 236.000 Euro pro Jahr.

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Mesale Tolu: Türkische Staatsanwaltschaft fordert offenbar 15 Jahre Haft für deutsche Journalistin

Bild: FB
Die deutsche Journalistin Mesale Tolu sitzt seit Monaten in einem türkischen Gefängnis, bei ihr ist ihr zweijähriger Sohn. Laut Medienberichten droht ihr wegen „Terrorpropaganda“ eine lange Gefängnisstrafe.

SpON

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu muss womöglich für Jahre in der Türkei in Haft. Laut der regierungskritischen Nachrichtenagentur Etkin News Agency (ETHA), für die Tolu gearbeitet hat, forderte die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Gefängnis für die deutsche Journalistin. Ein Gericht habe die Anklageschrift bereits angenommen. Zuvor hatte die „Bild“ über den Fall berichtet.

Tolu war am 30. April in Istanbul festgenommen worden, ihr werden „Terrorpropaganda“ und „Mitgliedschaft in einer Terrororganisation“ vorgeworfen. Ihr Ehemann Suat Corlu befindet sich ebenfalls in Untersuchungshaft. Ihr gemeinsamer, zweijähriger Sohn lebt abwechselnd bei einem Elternteil im Gefängnis.

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Astronom des Papstes will Außerirdische taufen

screenrant.com
Der Leiter des päpstlichen Observatoriums glaubt fest daran: In nicht allzu langer Zeit wird die Menschheit neue Lebensformen entdecken. Der Jesuit würde diese auch gerne taufen – allerdings unter einer Bedingung.

DIE WELT

Der Direktor des Vatikanischen Sternwarte, der Jesuit Guy Consolmagno, würde gerne mal Außerirdische taufen, aber „nur wenn Sie mich danach fragen würden“. Das erzählte er am Samstag im Interview bei Deutschlandfunk Kultur: „Denn wenn Sie jemanden taufen wollen, dann müssen sie ihn vor sich haben, sie müssen mit ihm kommunizieren können, sie müssen herausfinden, ob sie ihn verstehen können und ob er Sie verstehen kann.“

Zwar gebe es bislang keinerlei Beweise dafür, das Lebewesen auf anderen Planeten oder Monden existierten – doch wo es Bakterien gebe, sei auch anderes Leben denkbar, sagte Consolmagno weiter. „Ich glaube, dass es möglich ist, und deshalb forsche ich auch intensiv danach.“ Er wäre „sehr überrascht, wenn es kein außerirdisches Leben gäbe, zumindest bakteriologisches Leben“.

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Clean Energy: Ihr seid doch nicht ganz sauber!

Für die Clean-Coal-Vergasung geeignete Kohle. Bild: Rjhogarth/CC BY-SA-4.0
Anstatt aus fossilen Brennstoffen auszusteigen, wird ihre Nutzung sprachlich reingewaschen

Von Matthias Hüttmann | TELEPOLIS

Für manchen ist es nur eine Frage der Sprachregelung in der Öffentlichkeitsarbeit, neudeutsch „Wording“ genannt, für andere haben Begriffe wie „Clean Coal“ oder „Clean Diesel“ aber eine Funktion. Sie sollen uns glauben machen, dass die Prämisse „Augen zu und durch“ noch immer als Leitlinie unserer Lebensweise funktioniert und wir guten Gewissens weiter destruktiv in der Welt herumtollen dürfen.

Aber wer genauer liest und hört, kann vermehrt Wortschöpfungen entdecken die für einen Betrug stehen, der große Teile unserer Gesellschaften erfasst hat. Der Betrug hat dabei zwei Komponenten: den aktiven Schwindel und den passiven Selbstbetrug. Das Schema der Gehirnwäsche ist meist ähnlich: Dreckige Technologien, die das Klima und somit alle Spezies und Ressourcen wie auch Biosphären etc. negativ tangieren, werden verharmlost und als notwendig tituliert. Der Trick: Anstatt etwas grundsätzlich zu ändern oder Veränderungen anzustoßen, wird es sprachlich reingewaschen. Dabei geht es jedoch nicht um einen zeitweiligen Akt, vielmehr ist die Basis unseres Wirtschaftens damit verknüpft. Zunächst drei Beispiele.

Unter einer sogenannten sauberen Kohletechnologie wird ein Sammelsurium von Technologien verkauft, mit denen die Umweltauswirkungen der Kohleverstromung verringert und gar der weltweite Klimawandel gemildert werden soll. Das ist natürlich sinnvoll und notwendig, aber an sich nichts Neues. Denn die bei der Verbrennung von Kohle freiwerdenden gasförmigen Emissionen wie Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx) oder Quecksilber sind gleichermaßen umwelttoxisch wie außerordentlich gesundheitsschädlich.

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Saturnmond Titan besitzt wichtige Bausteine für einzelliges Leben

foto: nasa/jpl-caltech Wissenschafter entdeckten in der Atmosphäre des Titan die Chemikalie Akrylnitril. Sie könnte auf dem eiskalten Mond die Basis für Zellmembrane bilden.
Forscher entdecken Akrylnitril in der Atmosphäre des Mondes. Die Chemikalie könnte Grundstoff für Zellmembrane sein

derStandard.at

Der Saturnmond Titan ist erdähnlich und exotisch gleichermaßen: Einerseits besitzt der Himmelskörper mit einem Durchmesser von rund 5.150 Kilometern eine dichte Atmosphäre, ausgedehnte Dünenlandschaften, Flüsse, Seen und Inseln sowie einen regelrechten Flüssigkeitskreislauf. Im Unterschied zum Wassersystem der Erde sind hier die Hauptkomponenten jedoch die Kohlenwasserstoffe Methan und Ethan. Außerdem herrschen auf seiner Oberfläche lebensfeindliche Temperaturen von rund minus 180 Grad Celsius.

Dennoch ist die Vorstellung, dass auf Titan Leben existieren könnte, nicht völlig von der Hand zu weisen. Wie nun Forscher um Maureen Palmer vom Goddard Center for Astrobiology (GCA) am Goddard Space Flight Center der NASA berichten, existiert auf dem Saturnmond eine Substanz, die die Grundlage für Zellmembrane bilden könnte.

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„Großer Bullshit“

Um an gefährdete junge Muslime heranzukommen, müssen die Mitarbeiter der hessischen Initiative in die islamistische Szene eintauchen. Die Gefahr, dass ihnen das zum Vorwurf gemacht wird, besteht. (Foto: Eibner/imago)
Das „Violence Prevention Network“ will auch jugendliche Islamisten deradikalisieren. Manchmal geraten die muslimischen Helfer dabei selbst unter Extremismusverdacht.

Von Dunja Ramadan | Süddeutsche.de

Kreshnik B. hatte da eine Frage, die ihn aufwühlte und quälte. Darf man einen Treueeid brechen? Und kommt man in die Hölle, wenn man es tut? Kreshnik B. war im Juli 2013 nach Syrien aufgebrochen, um für den „Islamischen Staat“ zu kämpfen. Da war er 19, dem Anführer al-Baghdadi schwor er Treue bis in den Tod. Doch dass die Terrormiliz auch Muslime ermordete, erschütterte seinen Glauben an Miliz und Anführer, er kehrte nach Deutschland zurück, wo ihn das Oberlandesgericht Frankfurt zu drei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilte. Im Prozess verteidigte er seinen Wunsch, als Märtyrer zu sterben.

Im Gefängnis wurde der Heimkehrer ein Fall für Cuma Ülger und Hakan Çelik. Sie sind Islamwissenschaftler und Pädagogen, und Kreshnik B. gab seine Frage an sie weiter: Hat er sich versündigt, indem er den Eid brach? „Er war überzeugt, bei Gott in Ungnade gefallen zu sein, weil er sich vom IS abgewandt hatte“, erzählt Ülger, „er war in seinem Denken stark ideologisiert“. Ülger, ein Mann mit randloser Brille und akkurat gestutztem Bart, arbeitete den Fall gemeinsam mit dem radikalisierten jungen Mann erst einmal theologisch auf. Çelik und er brachten Bücher über Koranexegese und islamische Rechtssprechung mit ins Gefängnis, erklärten ihm, warum der sogenannte Islamische Staat sich nicht religiös begründen lasse. „Wir wussten, sonst kommt er davon nicht weg und kann nicht neu anfangen“, sagt Ülger. Kreshnik B. wurde vorzeitig aus der Haft entlassen, die beiden Männer begleiten ihn bis heute. Er baut sich ein neues Leben auf und macht sich gut, finden sie.

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Türkei verlegt Artillerie an syrische Grenze

foto: ap/ismail coskun/iha Türkische Truppen an der syrischen Grenze (Archivbild vom 29. August 2016)
Die Türkei hat einem Agenturbericht zufolge ihre Militärpräsenz an der südlichen Grenze zu Syrien verstärkt. In der Nacht zum Samstag seien sechs Haubitzen, Panzer und Militärfahrzeuge in die Provinz Kilis verlegt worden, meldete die Nachrichtenagentur Dogan.

derStandard.at

Kilis grenzt an die von Kurden kontrollierte syrische Region Afrin. In den vergangenen Wochen gab es nach kurdischen Angaben immer wieder Granat- und Artilleriebeschuss zwischen der türkischen Armee und den kurdischen Streitkräften und deren Verbündeten in der Region.

Eine offizielle Stellungnahme von Regierung oder Militär gab es zunächst nicht. Die Türkei betrachtet die kurdische YPG-Miliz in Syrien als verlängerten Arm der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK, die seit Jahrzehnten für Autonomie kämpft. Die Regierung hat erklärt, sie plane keinen Krieg gegen die YPG, aber die Streitkräfte seien in der Lage, auf jeden Übergriff von syrischer Seite aus zu reagieren.

Kostenlose Hochzeit für Homosexuelle

Homosexuelle Paare, die im vorpommerschen Greifswald eine eingetragene Lebenspartnerschaft haben, sollen nach dem Willen der SPD kostenlos heiraten können.

evangelisch.de

Dies sei „ein schönes Geschenk für die Paare und ein positives Zeichen für Greifswald als weltoffene Stadt“, sagte SPD-Bürgerschaftsmitglied Erik von Malottki am Wochenende auf epd-Anfrage. In den vergangenen 15 Jahren hatten 57 homosexuelle Paare eine Lebenspartnerschaft im Greifswalder Rathaus begründet.

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Verseuchte Eier: Behörden wussten seit Juni von Pestizid-Belastung

APA/dpa/Guido Kirchner
Die belgischen Behörden haben bereits vor mehr als zwei Monaten von der möglichen Pestizid-Belastung von Hühnereiern erfahren. Das bestätigte eine Sprecherin der Lebensmittelbehörde.

Die Presse.com

Millionen mit einem Pestizid verunreinigter Eier wurde in den vergangenen Tagen in Deutschland aus den Kühlregalen entfernt und entsorgt. Nach wie vor herrscht Unklarheit über die Ausmaße der Verbreitung von Fipronil, dem besagten Pestizid. Während Behörden und Verantwortliche versichern, dass es keine gesundheitlichen Bedenken gäbe und zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestanden habe, bestätigt eine Sprecherin der belgischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, dass die Causa bereits seit mehr als zehn Wochen bekannt war.

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