Dodo Juli 2017: Gloria von Thurn und Taxis


Lasst uns über Fossilien reden. Lebende.
Die Töne des Abschlussberichts zu Missbrauch und Gewalt bei den Regensburger Domspatzen waren noch nicht verklungen als sich die unheilige Allianz von Pfaffentum und blaublütiger Melange, aus Hausfrau und Unternehmerin, zu Wort meldete. Nirgendwo wird der Gegensatz zwischen Moderne und Ewiggestrigkeit deutlicher als in der Thematik sexueller Missbrauch und Gewalt.
Um es vorweg zu nehmen. Natürlich gibt es häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch bis in die Familien, oder gerade dort. Aber niemand von den Tätern behauptet Kinder ficken zu müssen im Namen Gottes, geweiht zu sein um mit irdischen Leid den Christen zu formen. Keiner der Täter meint seine Moral als unabdingbar darstellen zu müssen oder gar als gesellschaftliche Norm einzufordern. All das tun kinderfickende, prügelende, cholerische Pfaffen, die sich noch als Vertreter Gottes auf Erden sehen. Jahrzehnte schaute die Institution Kirche wohlgefällig in andere Ecken. Mit dem öffentlichen Ruf „Haltet den Dieb“ lenkte man von sich ab und stahl Kindern und Jugendlich einen wichtigen Teil ihres Lebens, die Kindheit, die Jugend. Ein Schuldbewusstsein, bis in „ehrwürdigste“ katholische Kreise, hat sich nicht entwickelt. Im Gegenteil, die Täter-Opfer-Umkehr funktioniert bestens. Die anderen sind schuld. Die anderen sind die Schweine, die am komatösen Kirchenkörper auch noch die letzten Dreckstellen aufdecken wollen.

Eilfertig kommt die Regensburger Hausfrau Gloria in die Dislussion gestürzt und versucht aus dem Dreckschwein ein sauberes zu machen. Ihre Argumentation kann man durchaus Plemplem nennen:

Das ist totaler Schmarrn. Das ist einfach richtig gemein. In jeder Schule, in jedem Sportverein gibt es dieses Phänomen und das wird es auch immer geben. Man geht gerne auf die Kirche los und das ist ein gefundenes Fressen.
Gloria von Thurn und Taxis

Irgendjemand meinte nach dieser Äußerung, dass die Regensburger Hausfrau nicht mehr alle Latten am Zaun habe. Angesichts der Bereitschaft die Ereignisse, Straftaten, die Gewalt bei den Regensburger Domspatzen zu relativieren ist das noch geschmeichelt.

Auf Schloß Emmeram können sich die Betroffenen ihre Wunden lecken und über die ach so schlechte Welt wehklagen. Thron und Kirche, moralischer Niedergang aller orten. Dank des Konstrukts der Beichte ist man mit seinem imaginären Freund schon wieder im Reinen. Politische Unterstützung gibt es auch, ob nun von Vertretern der AfD oder von der schweigenden Mehrheit „christlicher“ Politik. Klerikaler Konservatismus mit faschistoider Tendenz. Die Fossilien wollen zurück in ihren Sumpf. Den gilt es trockenzulegen.
Gloria von Thurn und Taxis Kämpferin für Recht und eine Ordnung die die meisten Menschen nicht wieder haben wollen. Sexuelle Aufklärung im Kindesalter fördere Pädophilie. Im Oberstübchen scheinen etliche Kontakte nicht mehr zu funktionieren.

In dem Sinne, herzlichen Glückwunsch zum zweiten Dodo.

Die Menschen werden niemals frei sein bis man nicht den letzten König mit den Eingeweiden des letzten Priesters erdrosselt hat.Denis Diderot

 

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3 Gedanken zu “Dodo Juli 2017: Gloria von Thurn und Taxis

  1. Angelika Oetken

    Wenn ich mitbekomme, wie Frau von Thurn und Taxis in der Öffentlichkeit auftritt und was sie dort so von sich gibt, dann denke ich „Es ist schon ein Luxus, als die Person leben zu dürfen, die man eigentlich ist“. Und freue mich. Denn ein Liferollenspiel in einer Burlesque darf ich mir ersparen. An sich hat Gloria von Thurn und Taxis Lebensleistung Anerkennung verdient.

    Was das Volk von seiner Fürstin hält, veranschaulichen die Kommentare zum auf der Homepage des Bayerischen Rundfunks eingestellten Artikel „Schläge waren etwas ganz normales“ vom 21.7.2017.

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  2. Angelika Oetken

    Frau von Thurn und Taxis befindet sich, was die Aufdeckung der Missbrauchskriminalität rund um die Regensburger Domspatzen angeht, in einem geradezu typischen Interessenkonflikt. Genauso wie fast alle anderen FunktionsträgerInnen, die mit der Seilschaft, deren Aushängeschild dieser Knabenchor ist, zu tun haben. Die Gruppe der miteinander Verbundenen reicht weit über die Region hinaus. Einige dieser ProtagonistInnen tun auch jetzt, angesichts der weiter voran schreitenden Aufklärung von Gewalt und Missbrauch das, was sie immer schon getan hatten: sie spielen ihre Rolle. So wie diese Leute meinen, dass es ihr Publikum erwartet. Ziel ist, vom eigentlichen abzulenken. Dabei liegt das auf der Hand.

    „Gott-sei-Dank“ darf man formulieren, wächst die Zahl der Menschen, die keinen Hehl mehr daraus machen, dass sie genug von diesem Schmierentheater haben und eine umfassende, vom Bistum unabhängige Untersuchung fordern. Und die wird dann, außer den im Verbund verübten Gewalt- und Sexualstraftaten, auch andere Formen der Kriminalität unter die Lupe nehmen müssen. Die lassen sich bei den Domspatzen, wie in vergleichbaren Fällen auch, nicht voneinander trennen.

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