USA versus Nordkorea: „Wir sind Bauernopfer“

(Bild: US-Luftwaffenstützpunkt Anderson auf Guam während des Vietnamkriegs (1972). Bild: US-Airforce / gemeinfrei )
Demokraten fordern Trump auf, nicht weiter zu eskalieren. Auf Guam ist ein Teil der Bevölkerung wütend, zwischen die Fronten zu geraten

Von Wolfgang Pomrehn | TELEPOLIS

Über 60 demokratische Mitglieder des US-Abgeordnetenhauses haben in einem offenen Brief an den Washingtoner Außenminister Rex Tillerson diesen aufgefordert, mäßigend auf Präsident Donald Trump einzuwirken, berichtet die liberale südkoreanische Zeitung The Hankyoreh in ihrer englischsprachigen Ausgabe. Trumps Erklärungen seien gefährlich, unverantwortlich und ein willkommenes Geschenk für die Regierung in Pjöngjang, die stets bemüht sei, der Bevölkerung die USA als Bedrohung darzustellen.

Die Unterzeichner, fordern dass die Regierung „ihre Übereinstimmung mit den verfassungsmäßigen Normen erklärt, wonach jeder präventive Angriff auf Nordkorea im Parlament debattiert und von diesem autorisiert werden muss“, wie die Washingtoner Zeitung The Hill zitiert.

Der Initiator des Briefs, der demokratische Abgeordnete John Conyers sagte bei der Vorstellung des Briefs laut The Hill:

„Als Veteran des Korea Krieges beschämt es mich, dass unser Oberster Befehlshaber sich derart rücksichtslos verhält und damit unsere in Korea stationierten Truppen sowie unsere Verbündeten in der Region gefährdet. (…) Trump muss sofort mit dem Gerede von einem Präventiv-Krieg – der vom Kongress autorisiert werden müsste – aufhören und sich dem diplomatischen Weg widmen, wie es amerikanische Experten und die südkoreanische Regierung fordern.“
John Conyers, Demokrat, Mitglied des US-Abgeordnetenhauses

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Ärzte ohne Grenzen setzen Mittelmeer-Rettungsmission aus

Ärzte ohne Grenzen bei einer Rettungsaktion im Mittelmeer – Reuters
Die Hilfsorganisation fühlt sich von der libyschen Küstenwache bedroht.

Die Presse.com

Ärzte ohne Grenzen (MSF) setzen nach eigenen Angaben ihre Flüchtlingsrettungsmission im Mittelmeer aus. Die Hilfsorganisation fühlt sich von der libyschen Küstenwache bedroht und die Politik der italienischen Regierung habe ihre Arbeit erschwert, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf den MSF-Chef Italiens, Loris De Filippi, am Samstag.

„Wir setzen unsere Aktivitäten aus, weil wir nun das Gefühl haben, dass das bedrohende Verhalten durch die libysche Küstenwache sehr ernst ist … wir dürfen unsere Kollegen keiner Gefahr aussetzen“, sagte De Filippi zu Reuters.

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Dodo Gloria und die Geschlechterdebatte

Bild. BR24
Gloria von Thurn und Taxis mischt sich erneut mit provokanten Äußerungen in eine gesellschaftspolitische Debatte ein. Dieses Mal zieht sie in der offiziellen Zeitung des Bistums Regensburg gegen die Gleichstellung der Geschlechter und transsexueller Menschen zu Felde.

Von Uli Scherr | RB24

Gloria empfiehlt in der jüngsten Ausgabe der „Katholischen Sonntagszeitung“ mit Blick auf den Feiertag Mariä Himmelfahrt eine Hinwendung zur Heiligen Maria. Das „schärft unseren Verstand, zu erkennen, wo der Widersacher lauert“, schreibt sie wörtlich und nimmt konkret Bezug zur Diskussion um das „Gender Mainstreaming“, also die  Förderung der Geschlechtergleichstellung.

„In der Sklaverei wollte uns der Teufel immer schon haben. Nun hat er einen Teil der Wissenschaft hinter sich gebracht, der uns einreden will, wir seien nur die Summe unserer Veranlagungen.“

Gloria von Thurn und Taxis in der ‚Katholischen Sonntagszeitung‘

Sexuelle Vielfalt

„Mittlerweile gibt es offiziell 60 verschiedene Geschlechteridentitäten, von Transgender bis Pangender und intersexuell“, so die Fürstin. Jetzt werde den Kindern bereits in der Vorschule spielerisch beigebracht, „wie sich sexuelle Vielfalt angeblich positiv auswirkt“, behauptet sie.

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Ist Evolution eine Tatsache?

Richard Dawkins beantwortet Fragen zum „Darwin-Tag 2015“. Mit optionalen deutschen Untertiteln.

Richard-Dawkins-Foundation

Der Darwin-Tag ist ein internationaler Gedenktag zu Ehren Charles Darwins und wird jährlich am 12. Februar, seinem Geburtstag, begangen. In dieser Serie zum „​Darwin-Tag 2015“ beantwortet Richard Dawkins eine Reihe von Fragen zum Thema Evolution.

Frage Nr. 1: Ist Evolution eine Tatsache?

Wir präsentieren diese Videos mit optionalen deutschen Untertiteln. Für das Erstellen der Untertitel und die Bearbeitung der Originalvideos bedankt sich die RDF beim Youtube Kanal Blossoming Reason.

Fahnder sollen Nutzerdaten von Facebook & Co. künftig direkt abgreifen können

(Bild: dpa, Lex van Lieshout/Archiv)
Über neue, von der EU derzeit ausgearbeitete Verfahren sollen Polizeibehörden künftig leichter auf private Kommunikations- und Nutzerdaten zugreifen können.

heise.de

Die Europäische Kommission bereitet einen neuen Mechanismus für den Zugriff auf Daten amerikanischer Kommunikationsdienstleister wie Facebook und Google vor. Die Herausgabe durch US-Firmen würde dann „über Ansprechpunkte erfolgen, die innerhalb der Europäischen Union einzurichten wären“, berichtet die Rheinische Post in ihrer Samstagsausgabe. Von diesen Plänen der Kommission berichtete die Bundesregierung in einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken.

Damit könne das förmliche Rechtshilfeverfahren entfallen, da Strafverfolgungsbehörden dann unmittelbar mit den in den USA ansässigen Unternehmen zusammenarbeiten. Die Bundesregierung prüft derzeit, ob mit dem Verfahren nur Nutzer-Adressen und Zeitpunkte der Kommunikation abgefragt werden sollen, oder auch Inhalte.

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Türkischer Geheimdienst infiltriert auch Deutschlands Polizei?

Fälle in Wiesbaden und Köln rücken enge Verbindungen von Polizisten zu Institutionen wie DITIB, Milli Görüs, der UETD oder der Islamischen Föderation in verdächtiges Licht

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Nachdem im Juli bekannt wurde, dass der türkische Geheimdienst MIT versucht hat, Agenten über ausgeschriebene Stellen beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) einzuschleusen, legen nun verschiedene Medienberichte nahe, dass der türkische Geheimdienst seine Leute auch in Deutschlands Polizeibehörden platziert hat.

Die Polizei wirbt besonders bei jungen Menschen mit Migrationshintergrund für den Polizeidienst. Vor dem Hintergrund der jüngsten Spionage-Verdachtsfälle könnten deutsche Behörden nun ein weiteres Problem mit Erdogans langem Arm haben. Fortschrittliche türkische und kurdische Organisationen in Deutschland warnen schon seit einiger Zeit vor einem Netzwerk von MIT-Agenten, das über den islamischen Dachverband DITIB, türkische Konsulate, Unternehmen und Banken gebildet wurde. Es hat nun ganz den Anschein, also ob auch gezielt versucht wird, auch deutsche Behörden zu infiltrieren.

Jüngstes Beispiel ist die Hauptkommissarin D. Y., der enge Verbindungen zum MIT vorgeworfen werden. Im Dezember letzten Jahres kam bei einer Routineuntersuchung des hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) heraus, dass die in Ankara geborene Beamtin wahrscheinlich Kontakte zum türkischen Geheimdienst hatte. Ihre Vorgesetzten nahmen dies allerdings nicht ernst.

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Weitere umstrittene Justizreform in Polen in Kraft getreten

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass der Justizminister Gerichtsvorsitzende ohne Grund entlassen und austauschen kann.

Die Presse.com

In Polen ist am Samstag eine weitere umstrittene Justizreform der nationalkonservativen Regierung in Kraft getreten. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass Justizminister Zbigniew Ziobro künftig Gerichtsvorsitzende ohne Grund entlassen und ohne Rücksprache mit Juristen durch neue Kandidaten austauschen kann.

Dadurch könne er die Posten mit eigenen Kandidaten besetzen, bemängelten Rechtsexperten und Regierungsgegner. Trotz großer Proteste der Bevölkerung und eindringlicher Warnungen der EU-Kommission hatte Präsident Andzej Duda das von der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) forcierte Gesetz Ende Juli unterschrieben. Die EU-Kommission leitete daraufhin ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Polen ein, das im letzten Schritt sogar zur Verhängung von Strafgeldern führen könnte.

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Zombies in der Kultur

Ausschnitt aus dem Cover des im Artikel erwähnten Buches von John Cussans „Undead Uprising. Haiti, Horror and the Voodoo-Complex„. (Verlag: Strange Attractor)
Der Zombie als popkulturelle Figur hat den Horrorfilm verlassen und wankt inzwischen auch über andere Straßen

Von Dominik Irtenkauf | TELEPOLIS

Die Figur des Horrorfilms, der Zombie, erfährt in vielen Bereichen des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens ein Revival der besonderen Art. Nicht allein im popkulturellen Raum, auch in der internationalen Finanzwelt zum Beispiel oder in der Politik ist die Rede von „Zombie-Banken“ oder gar „Zombie-Ländern“. Mit Zombie-Walks, Aktionen in den Innenstädten, versuchen politische Aktivisten und Aktivistinnen auf Missstände aufmerksam zu machen. (Wie zuletzt auch als friedlicher Protest gegen den G20-Gipfel.)

Durch den Tod des italo-amerikanischen Regisseurs George A. Romero vor wenigen Wochen, ist das Zombie-Thema erneut in den Fokus der Medien gerückt. Bereits in den 1980er Jahren hat die ZDF-Doku „Mama Papa Zombie“ (1984) für Aufmerksamkeit gesorgt. Sorgen gaben das Stichwort ab – Eltern und Medienvertreter, Pädagogen und Sozialarbeiter zeigten sich über die „Videoschwemme“ entsetzt. Zombiefilme drangen in Kinderzimmer ein. Die Darstellung von Gewalt, von menschenähnlichen Leichen, die nicht sterben wollten, erhitzte die Gemüter.

Das Bild, das sich heute zeigt, ist ein anderes: Der Zombie als popkulturelle Figur hat den Horrorfilm verlassen und wankt inzwischen auch über andere Straßen. Die reine Beschreibung der verschiedenen Kontexte, in denen der Zombie als mediale Figur auftaucht, kann nicht ausreichen. Seine drastische „Nach-dem-Leben-Lebensweise“ verlangt nach einer Kontextualisierung.

Einen Zombie zum Thema zu befragen, führt nicht wesentlich weiter: ein Gröhlen, ein Grunzen, ein Brüllen, ein Blöken. Das fehlende oder inaktive Hirn gestaltet das Sprechen schwer. Über die Frage, ob Zombies über ein Selbstbewusstsein und soziales Miteinander verfügen, soll erst später nachgedacht werden. Die Zombies bewegen sich in definierten Räumen – was vielleicht auch den besonderen Reiz ausmacht, sie als Metapher zu gebrauchen.

Filmfans werden viele Beispiele ihres Leib-und-Magen-Mediums vermissen. Dazu sei gesagt: Zombies entstanden nicht erst im Film, aber der Film hat sie populär gemacht, hat sie verteidigt, hat sie künstlich ernährt, bis sie in die Welt jenseits der Leinwand getorkelt sind und vielleicht kann nur das Medium Film die Zombieflut eindämmen, aber es soll hier ein Blick neben der sonstigen Spur gewagt werden.

Der Zombie gilt als untotes Wesen, das sich vom Fleisch der noch lebenden Menschen nährt. Seinen Ursprung besitzt er im Voodoo-Glauben der Neuen Welt. Westafrikanische Sklaven brachten ihren Glauben in die Karibik und auf Haiti finden sich Berichte über automatisierte Menschen. Ihre biologische Existenz reduziert sich auf Arme und Beine, um zu schuften. Ohne Fragen zu stellen. Das Fressen von Menschenfleisch ist bei diesen frühen zombis (noch ohne das „e“) nicht ausgeprägt.

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Das dunkle Erbe der Präsidentenvilla

Die Dienstvilla des Bundespräsidenten im Berliner Stadtteil Dahlem Quelle: picture alliance / dpa
1933 wurde der heutige Berliner Dienstwohnsitz des deutschen Staatsoberhaupts dem jüdischen Eigentümer offenbar unter Wert abgepresst. Darüber hat ein Gutachter das Bundespräsidialamt aber im Unklaren gelassen.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Amtierende Staatsoberhäupter leben überall in der Welt in repräsentativen Residenzen oder Schlössern statt in privaten Wohnungen. Natürlich hält auch Deutschland für seinen Präsidenten eine Dienstvilla bereit, gelegen in der Pücklerstraße 14 im noblen Berliner Stadtteil Dahlem. Zuletzt wohnte hier Altbundespräsident Joachim Gauck, sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier soll in Kürze einziehen.

Allerdings fällt nun ein Schatten auf die Immobilie Pücklerstraße 14. Denn wie jetzt durch Recherchen der „Bild“-Zeitung bekannt geworden ist, musste der jüdische Eigentümer das Haus 1933 unter Druck und weit unter Wert verkaufen. Herausgefunden hat das der Historiker und Jurist Julien Reitzenstein bei Forschungen über die Wissenschaftsabteilung der SS, die in unmittelbarer Umgebung der Pücklerstraße mehrere Grundstücke nutzte. Reitzenstein forscht seit vielen Jahren über Opfer des NS-Regimes und lehrt an verschiedenen Universitäten.

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Ein Kindermörder will raus

Gefängnis (Public Domain)

Magnus Gäfgen ermordete 2002 den elfjährigen Jakob von Metzler. Nach fünfzehn Jahren Haft beantragte er nun, die Reststrafe zu Bewährung auszusetzen. Hat das Aussicht auf Erfolg?

Von Heinrich Schmitz | DIE KOLUMNISTEN

Das Verfahren schlug damals wie heute hohe Wellen. Um das entführte Kind vielleicht noch zu retten, hatte der Kriminalhauptkommissar Ortwin Ennigkeit Gäfgen mit Folter gedroht, was von seinem Vorgesetzten, dem ehemaligen stellvertretenden Frankfurter Polizeipräsidenten Wolfgang Daschner angeordnet worden war. Die beiden wurden zu einer Verwarnung mit Strafvorbehalt verurteilt. Gäfgen erhielt eine Entschädigung von 3000.–€ zugesprochen. Zum  Zeitpunkt der Nötigung war Jakob bereits tot.

Kindermörder Gäfgen erhielt vom Schwurgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes, bei welcher die besondere Schwere der Schuld im Urteil festgestellt wurde. Und „so einer“ will jetzt auf Bewährung raus. Das Unverständnis in der Bevölkerung ist groß, was allerdings auch an der allgemeinen Unkenntnis im Hinblick auf die lebenslange Freiheitsstrafe liegen mag. Zeit mal durchzuatmen und sich wieder abzuregen.

Bis zum Lebensende?

Schon aufgrund der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist das Lebenslang ja eben keine absolute Strafe mehr. Nur für diejenigen, die innerhalb der ersten 20 Jahre im Knast sterben, ist es eine Strafe bis zum Lebensende. Nicht wenige beenden ihr Leben in der Haft durch Suizid, in der Obhut des strafenden Staates. Und nicht wenige draußen finden das gut. Nicht wenige bedauern in solchen Fällen auch das Verbot der Todesstrafe. Aber der Reihe nach.

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Mafia droht katholischer Zeitung in Süditalien

Bild: hiphop ’n’more

Wochenzeitung „Avvenire di Calabria“ hatte sich unter anderem in Recherchen mit Machtverstrickungen und einem Müllskandal in Kalabrien befasst.

kath.net

Die katholische Wochenzeitung „Avvenire di Calabria“ in Kalabrien sieht sich von der kalabrischen Mafia ‚Ndrangheta bedroht. Unbekannte hätten nachts die Eingangstür zur Redaktion aufgebrochen, ohne jedoch irgendwelche Sachwerte mitgehen zu lassen. Der Vorfall trage die Handschrift eines typischen Einschüchterungsversuchs, schrieb die in Mailand erscheinende Tageszeitung „Avvenire“ (Sonntag), die mit dem Wochenblatt in Süditalien verbunden ist. Der Erzbischof von Reggio Calabria, Giuseppe Fiorini Morosini, sagte, offenbar ärgere die Zeitung jemanden. Er empfinde eine gewisse Genugtuung, „weil das heißt, dass die Journalisten empfindliche Themen und Interessen berühren“.

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Wer die Zeit misst, erhöht die Unordnung der Welt

Armbanduhren – (c) imago/Gottfried Czepluch
Was ist Zeit? Die trockenste Antwort darauf ist: das, was man mit einer Uhr misst. In diesem Sinn entwarf Marcus Huber, Physiker in Wien, ein Gedankenexperiment, das auch zeigt: Eine Uhr kann nicht beliebig genau gehen.

Von Thomas Kramar | Die Presse.com

„Für uns gläubige Physiker“, schrieb Albert Einstein kurz vor seinem Tod an einen Freund, „hat die Scheidung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft nur die Bedeutung einer, wenn auch hartnäckigen, Illusion.“ Ein guter Grabspruch für Physiker, gewiss, aber ist es nicht ganz essenziell für die Zeit, dass sie in eine Richtung „fließt“?

Wenn man einen Film über Billardkugeln oder über Planeten, die um einen Stern kreisen, rückwärts laufen lässt, merkt man keinen Unterschied. Sehr wohl merkt man einen Unterschied bei einem Film, der eine auf den Boden fallende und zerbrechende Tasse oder das Leben eines Menschen zeigt. Das liegt daran, dass dabei die Entropie – salopp gesagt: die Unordnung – zunimmt, wie in allen Systemen, die nicht im thermodynamischen Gleichgewicht sind. Die Zeit fließt also in Richtung der wachsenden Entropie. Gibt es im thermodynamischen Gleichgewicht (in dem alle Vorgänge reversibel sind) überhaupt eine Zeit? „Das ist eine schwierige Frage“, sagt Marcus Huber, Quantenphysiker an der Akademie der Wissenschaften, „messen kann man sie jedenfalls dann nicht. Denn auch eine Uhr ist nur eine Wärmekraftmaschine (die Wärme in Arbeit verwandelt). Im thermodynamischen Gleichgewicht kann keine Uhr existieren.“

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Der Bibelstreit

Nimmt eine kristallklare Position ein: Deutschlands am höchsten liegende Kirche. Foto: afp
Die Bibel hat ein Altes und ein Neues Testament. Warum? Und soll das so bleiben? Ein Streit unter Theologen stellt seit geraumer Zeit die Grundsatzfragen.

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Meistens zählen die Geisteswissenschaftler zu den gut erzogenen Mitbürgern. Sie schreien sich selten an, sie verzichten auf derbe Beschimpfungen, grüßen einander, auch wenn sie unterschiedlicher Meinung sind.

Intrigen, verletzte Eitelkeiten: Das gibt es wie überall, wo Menschen mit Ruhm und Anerkennung rechnen, wo es um Macht und Einfluss geht, und sei es die Macht, eigene Deutungen durchzusetzen. Aber offener, teils hasserfüllter, affektgeladener Schlagabtausch? Schäumend hin- und hergeschleuderte Vorwürfe, mit denen man sich gegenseitig jede wissenschaftliche Kompetenz abspricht, persönliche Angriffe, NS-Vergleiche – das hat man eher selten.

Die Gräben sind tief

Auch so gesehen ist der seit vier Jahren an der Fakultät der Evangelischen Theologie der Humboldt Universität tobende Streit bemerkenswert: Es haben sich – wider Willen – alle Seiten deutlich zu erkennen gegeben. Die Gräben an der Fakultät sind seitdem tief. Einvernehmliches Miteinander, so heißt es, sei längst nicht mehr möglich. Unstimmigkeiten gibt es länger schon an dieser Fakultät, eine der größten Deutschlands.

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ARKTIS: Ein gewaltiger Flächenbrand, der sich vom Boden nährt

Das Feuer wütet im Osten von Grönland Quelle: Infografik Die Welt
Zwischen Schnee, Eis und Kälte wütet in der Arktis ein gewaltiger Flächenbrand. Die Menge an Feuern hat in der Region zugenommen, vor allem in den letzten zwei Jahren. Ihre Hauptquelle ist der Boden selbst.

Von Caroline Ring | DIE WELT

Zwei Kilometer hoch ragen die Rauchschwaden, mehrere Hundert Kilometer weit seien sie sichtbar, berichten lokale Nachrichten. Dieser Flächenbrand ist zwar kleiner als die Feuer, die zuletzt in Frankreich und Portugal wüteten, doch seine Lage ist extrem ungewöhnlich: Er liegt in der Arktis, an der Ostküste von Grönland. Die Aussichten auf ein baldiges Abschwellen seien gering.

Der Satellit Sentinel-2 hatte die Feuer aufgezeichnet, er gehört zum Copernicus-Programm der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Es ist das größte Feuer, das durch Satelliten in dieser Region beobachtet wurde.

Schätzungen über seine Ausbreitung reichen von 1200 bis 3000 Hektar. Unklar ist, was das Feuer ausgelöst haben könnte. In der Region gibt es keine Siedlungen, der nächste Ort Kangerlussuaq dient Forschern als Basisstation für Expeditionen.

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Lutheraner und Reformierte: Es war keine Liebeshochzeit

Protestantische Kirchen sind beide, aber theologisch unterscheiden sich Reformierte und Lutheraner. Die Nassauische Union vor 200 Jahren war darum etwas Besonderes. Für das strittige Abendmahl wurde eigens ein „Unionsbrot“ erfunden.

Von Nils Sandrisser | evangelisch.de

Angeblich war der persönliche Wunsch des Herzogs ausschlaggebend. Wilhelm I. von Nassau, der dem reformierten Bekenntnis in der Tradition von Calvin und Zwingli anhängt, will gemeinsam mit seiner lutherischen Frau Luise das Abendmahl feiern. Im Jahr 1817 ist das undenkbar: Es gibt mehrere protestantische Kirchen, die theologisch uneins sind.

Wilhelm will das ändern. Neben dem gemeinsamen Abendmahl mit der Gattin hat er auch einen ganz handfesten Beweggrund: Nach den Wirren der napoleonischen Zeit muss er seine Herrschaft in Nassau festigen. Er will das Land vereinheitlichen – und praktischerweise die Kirchen gleich mit. Im Falle der Katholiken ist das zwar von vornherein aussichtslos, aber nicht bei den verschiedenen Richtungen der Protestanten.

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Even a ‚Minor‘ Nuclear War Would Be an Ecological Disaster Felt Throughout the World

Photo Credit: aisvector / Shutterstock

This kind of warfare can pose an existential threat to humanity.

By David McCoy | The Conversation/Alternet

President Donald Trump’s vow to hit North Korea with “fire and fury like the world has never seen” is an unveiled threat to unleash America’s most potent weapons of mass destruction onto the Korean peninsula. According to many defence analysts, the risk of nuclear confrontation over Europe and the Indian subcontinent has also increased in recent years.

In a more hopeful turn of events, 122 countries voted in June to adopt the United Nations Treaty on the prohibition of nuclear weapons in New York. The “ban treaty” will make nuclear weapons illegal for ratifying countries, and many see it as an opportunity to kick start a renewed effort towards multilateral disarmament. Supporters of the treaty argue that even a limited, regional nuclear war would produce a catastrophic and global humanitarian crisis.

Equally, other analysts suggest that the reality is not as severe as is often depicted. In March this year, Matthias Eken, a researcher of attitudes towards nuclear weapons, wrote in The Conversation that their destructive power “has been vastly exaggerated” and that one should avoid overusing “doomsday scenarios and apocalyptic language”.

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Berlin: Jusos entfernen AfD-Plakate vor dem Jüdischen Museum

Das Jüdische Museum in Kreuzberg. Wahlwerbung ist hier verboten.FOTO: KITTY KLEIST-HEINRICH
Seit 2013 dürfen die Parteien nicht mehr vor dem Jüdischen Museum werben, die AfD wusste das offenbar nicht. Nun droht der Partei ein Ordnungsgeld.

Von Felix Hackenbruch | DER TAGESSPIEGEL

Mitglieder der SPD-Jugendorganisation Jusos Friedrichshain-Kreuzberg haben am Donnerstag zwei Wahlplakate der AfD vor dem Jüdischen Museum abgehängt. „Gerecht ist unter den Augen der Polizei und mit Werkzeug des Ordnungsamts Plakate der AfD vor dem Jüdischen Museum abzunehmen“, schrieben sie auf ihrer Facebook-Seite. Dazu posteten sie zwei Bilder, die zeigen, wie sie die Plakate mit dem Slogan „Neue Deutsche? Machen wir selber“ und „Burkas? Wir steh’n auf Bikinis“ vor einem Wagen des Ordnungsamts abmontieren.

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Mehrzahl der NGOs unterschreibt Verhaltenskodex für Mittelmeer

Die meisten Hilfsorganisationen, die im Mittelmeer Migranten retten, haben den umstrittenen Verhaltenskodex der italienischen Regierung nun doch unterschrieben. 

Frankfurter Rundschau

„Wir waren nicht gegen die Unterzeichnung des Verhaltenskodexes. Aber wir hatten Bedenken und sind jetzt sicher, dass diese berücksichtigt werden“, sagte Sophie Beau, Vizepräsidentin der Organisation SOS Méditerranée. Jetzt müsse man sich wieder auf die eigentlichen Probleme konzentrieren. Nach wie vor sei im Mittelmeer eine große humanitäre Krise im Gang, sagte sie.

Verfolgte iranische Bloggerin flieht nach Israel

Neda Amin is welcomed by Times of Israel’s David Horovitz at Ben-Gurion Airport, August 10, 2017 (Times of Israel staff)
Der iranischen Journalistin und Bloggerin Neda Amin gelang die Flucht vor der Todesstrafe. Am Donnerstag erreichte sie den israelischen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv.

Die Presse.com

Neda Amin ist eine 32-jährige iranische Bloggerin und Journalistin. Als sie ein Buch über Frauenrechte schrieb, musste sie 2014 aus ihrer Heimat fliehen. Seitdem lebte Amin in der Türkei. Dort bloggte und schrieb die Journalistin für die persische Ausgabe der israelischen Nachrichtenseite „Times of Israel“ – doch ihre Lage wurde immer brenzliger. Nun ist sie nach Israel ausgereist.

Vergangene Woche benachrichtigten die türkischen Behörden die Journalistin über ihre bevorstehende Abschiebung zurück in den Iran. Eine Rückkehr würde für sie aber „Folter, Vergewaltigung und letztendlich Hinrichtung“ bedeuten, schrieb Amin der Menschenrechtsorganisation UN Watch und bat sie um Hilfe. Denn Veröffentlichungen in Israel, das Teheran nie offiziell anerkannt hat, sind iranischen Behörden ein Dorn im Auge. Seit der Islamischen Revolution 1979 gelten Israel und der Iran als Erzfeinde.

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The ‘Lucifer’ Heatwave in Europe Is Reportedly Fuelling Terrifying Wasp Attacks

Image: MOTHERBOARD
With climate change, bee and wasp attacks are expected to get worse.

By Caroline Haskins | MOTHERBOARD

A lethal heat wave is plaguing parts of Europe, and it’s so intense that meteorologists are calling it „Lucifer.“ The heat wave is fuelling wildfires, shutting down tourist attractions, and being blamed for causing heart attacks. But as if that isn’t enough, Romanians also have to worry about Lucifer fueling wasp and bee attacks.

According to local Romanian news sources, seven people swimming in a river were rushed to the hospital this week after being attacked by what eyewitnesses claim were wasps. Three victims reportedly went into anaphylactic shock, and one of them later died.

Local sources claim that dozens of other attacks have taken place over the past couple of weeks, including a severe attack on a 19-year-old.

„Climate change is going to really bring out some honey bee and social wasp populations in a big way,“ Lynn Kimsey, a professor of entomology at the University of California, Davis, told me in a phone call. „They’re going to be more active, and probably more aggressive, because it’s hot.“

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