„Die Kirche muss die Chance nutzen, mit diesen Mitgliedern(AfD) ins Gespräch zu kommen“


Bild: Ziko van Dijk (CC BY SA 3.0)
Autor Wolfgang Thielmann fordert mehr Dialog zwischen Christen und der AfD

EKD

In den Augen der Kirchen basiert vieles an der Programmatik der AfD auf einem Menschenbild, das nicht mit dem christlichen Glauben zu vereinbaren ist. Die Rechtskonservativen selbst geben sich als Hüter des christlichen Abendlands, liegen mit den großen Kirchen aber so über Kreuz, dass es bereits von Vertretern Aufrufe zum Kirchenaustritt gab. Die Positionen scheinen verhärtet. Dennoch sollten beide Seiten miteinander reden, fordert der langjährige Journalist und Pastor Wolfgang Thielmann, der kürzlich ein Buch zum Thema veröffentlich hat. Mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) sprach Thielmann über einen möglichen Umgang der Kirchen mit der AfD und die Frage, warum es überhaupt Christen gibt, die Populisten wählen.

Spitzenpersonal der AfD hat in der Vergangenheit Positionen und Personal der Kirchen scharf angegriffen. Sie fordern in Ihrem Buch, dass beide Seiten stärker miteinander reden. Warum sollte die Kirche den Dialog mit dieser Partei suchen?

Wolfgang Thielmann: Mir ist bewusst, dass die Auseinandersetzung mit der AfD schwierig ist. Es gibt dieses Strategiepapier, in dem es heißt, dass es der AfD mehr auf Provokation als auf Argumente ankommt. Trotzdem muss man gerade in der Kirche die Auseinandersetzung mit Argumenten suchen. Mein Ausgangspunkt für das Buch war die Aussage des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki, dass diese Alternative kein Mensch brauche. Mein Gedanke damals war: So können wir uns damit nicht auseinandersetzen. Ich kann nicht pauschal eine Partei verurteilen, sondern muss mir die Mühe machen, herauszuarbeiten, warum und wo sie gegen grundlegende Prinzipien, von denen wir als Christen überzeugt sind, verstößt. Und im kritischen Gespräch muss ich bereit sein, meine eigene Position infrage stellen zu lassen und zu überdenken. Ich fand es gut, dass der Kirchentag die Auseinandersetzung mit der AfD geführt hat.

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