Ethnologe: Religion ist für Menschen letztlich unvermeidbar


Religiöse Erfahrungen sind nach Ansicht des Ethnologen Thomas Hauschild tief im Menschen verwurzelt. „Religion muss offensichtlich passieren“, sagte der ehemalige Haller Ethnologie-Professor dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es könne weltweit keine Menschengruppe geben, die gar keine Religion kenne. „Das, was wir Religion nennen, ist ein Dialog mit Mächten, die nicht ganz deutlich in der Realität verankert sind.“

Von Leonore Kratz | evangelisch.de

So könne etwa ein besonderes Musikerlebnis, eine überwältigende Landschaft oder ein merkwürdiger Zufall religiöse Gefühle auslösen: „Das übersteigt unsere tägliche Orientierung und kann dann unbewusst religiös aufgeladen werden“, erläuterte der Wissenschaftler. Hauschild hat im Sommersemester 2017 die Hans-Blumenberg-Professur am Münsteraner Exzellenz-Cluster „Politik und Religion“ inne.

Auch ein Konflikt könne eine Erfahrung mit dem Übernatürlichen sein, sagte er. Ein Gegenüber im Streit könne leicht in übertriebener Weise „dämonisiert“ werden. Religiöse Gefühle im Alltag könnten sowohl Menschen entwickeln, die einer organisierten Religion wie etwa dem Christentum angehören als auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit.

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