Janitscharen: Erdogans osmanische Helden sind Symbole der Reaktion


Die Janitscharen waren der Inbegriff des Schreckens, den die osmanische Armee über Jahrhunderte hinweg verbreitete. Auf seinem Aquarell stellte Daniel Chodowiecki 1763 vor allem ihre Fremdartigkeit heraus. Quelle: picture-alliance / akg-images/akg-images
Wenn der türkische Präsident die Größe der Osmanen beschwört, verweist er gern auf ihre Elitetruppe, die Jantischaren. Ausgerechnet sie stehen für ein Strukturproblem vieler muslimischer Gesellschaften.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

Wenn der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan über Geschichte spricht, gerät er ins Schwärmen: von der Größe des Osmanischen Reiches, der Pracht seiner Sultane und der Stärke seiner Soldaten. Bei den üblichen Feiern anlässlich der Eroberung Konstantinopels durch die Türken (was immerhin vor mehr als 564 Jahren geschehen ist), kommen auch Szenen mit den berühmtesten osmanischen Truppen zur Aufführung, den Janitscharen.

Um ihren Glanz seinen Untertanen vor Augen zu führen, scheut Erdogan keinen Konflikt. So entzündeten sich die Protestaktionen im Jahr 2013 in Istanbul an einem Plan seiner Regierung, den populären Gezi-Park für die Rekonstruktion einer osmanischen Kaserne zu opfern, einer Janitscharenkaserne. Drei Jahre vor dem Militärputsch und der autoritären Wende in der Türkei gab dieses Projekt schon einen Vorgeschmack auf die Gegenwart.

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