Zehn Schweine als Wiedergutmachung für eine Vergewaltigung


Sexuelle Gewalt ist in Papua-Neuguinea weit verbreitet. Vom schwachen Staat können die Opfer wenig Hilfe erwarten.

Von Patrick Zoll | Neue Zürcher Zeitung

Deborah schaut zum eisernen Tor an der Einfahrt zum Haus. Draussen quält sich der Morgenverkehr von Port Moresby durch die Schlaglöcher. Busse holpern vorbei, Menschen schlendern scheinbar ziellos. Deborah könnte sich problemlos unter sie mischen, das Tor steht offen. Doch die Furcht hält sie zurück, die Furcht vor ihrem Ehemann. «Wenn er mich zufällig auf der Strasse sehen, aus seinem Auto steigen und mich verprügeln würde – niemand käme mir zu Hilfe», sagt sie auf der Terrasse, von wo sie das Tor nicht aus den Augen lässt.

Die gekaufte Frau

Deborah will ihren richtigen Namen nicht nennen. Einer lokalen Zeitung würde sie auch nie erzählen, was sie erlebt hat. Aber einer, die in einer fremden Sprache und weit weg erscheint – das sollte eigentlich ungefährlich sein, meint sie, ebenfalls zögernd. Obwohl Deborah sagt, dass es ihr jetzt gutgehe und dass sie glücklich sei, ist ihre Angst deutlich zu spüren. «Eine Frau ohne Mann gilt in Papua-Neuguinea nichts», sagt sie. Eine Narbe über dem rechten Auge und die zersprungene Lippe sind Spuren des Missbrauchs, den sie jahrelang erleiden musste – von ihrem Ehemann. Dass er ihr den Arm und die Seele gebrochen hat, ist weniger sichtbar.

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