Putins Beichtvater: Den Orientierungslosen Trost spenden


© IMAGO Wen Gott bei der Hand nimmt: Der russische Präsident Putin zeigt sich mit Bischof Tichon vor der Moskauer Kirche der Neuen Märtyrer den Untertanen.
Von der heiligen Sorglosigkeit dessen, der zum ersten Mal die väterliche Fürsorge Gottes spürt: Bischof Tichon Schewkunow, Putins Beichtvater, erzählt aus dem Innenleben der orthodoxen Kirche.

Von Kerstin Holm | Frankfurter Allgemeine

Die Russische Orthodoxe Kirche, deren Renaissance in den späten Sowjetjahren begann, ist zur tragenden Säule des russischen Staates geworden und will der Gesellschaft christliche Demut beibringen. Gebildete verlassen in Scharen das Land, das einen anderen Weg gehen will als das westliche Europa. Während hier Kirchengebäude geschlossen oder zweckentfremdet werden, wächst in Russland die Zahl der Gotteshäuser stetig, nicht selten auch gegen den Willen von Anwohnern, die ihre Spazierwege oder Parks behalten möchten. Die Kirche bietet aber einer verarmenden Bevölkerung Trost und Halt, und die Finanzelite spendet gern für sie, außerdem erteilt sie den Gewaltorganen Absolution; sie zieht indes auch viele sinnsuchende Intellektuelle der jüngeren Generation an.

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