Wenn Amerikas Neonazis ihr Blut reinwaschen


Kinn hoch, Kehle durch, IS-Stil: Ein Vertreter der überlegenen weißen Rasse in Charlottesville zeigt Gegendemonstranten, was er tun möchte Quelle: AFP
In der „White Supremacy“-Bewegung, die in Charlottesville wütete, wird blütenweiße Abstammung verlangt. DNA-Tests sind beliebt. Die Mehrheit erlebt, wie eine Studie zeigt, eine böse Überraschung.

Von Uwe Schmitt | DIE WELT

Wann immer Amerikas Neonazis, die an die Überlegenheit der weißen Rasse glauben, ihren Ahnen mit DNA-Tests auf die Spur kommen wollen, steht das Ergebnis fest: Es kommen nur nicht-jüdische, hundertprozentig blütenweiße Europäer infrage. Man erahnt das Entsetzen, das den militanten Rassisten Craig Cobb ergriffen haben muss, als er in einer Live-Talkshow 2013 erfuhr, er sei „86 Prozent europäisch und 14 Prozent schwarzafrikanisch“.

Doch Cobb blieb ruhig. Selbst als die schwarze Moderatorin Trisha Goddard Salz in die Wunde rieb: „Liebling, du hast ein bisschen was Schwarzes in dir.“ Cobb, polizeibekannter Gründer einer weißen Enklave in North Dakota, entgegnete lächelnd: „Halt, Moment, das nennt man statistisches Rauschen.“ Der Test hatte versagt, nicht sein Blut, das rein war wie sein Gewissen. Er tat vor der Kamera, was Tausende seiner Glaubensbrüder auf Neonazi-Webforen wie „Stormfront“ ständig tun: ideologische Blutwäsche.

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