„Wir sind nicht im Kalten Krieg mit der Türkei“


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Politikexperte Volker Perthes spricht in der FR über die schwierigen Beziehungen zwischen Berlin und Ankara und Präsident Erdogans Motive.

Von Michael Hesse | Frankfurter Rundschau

Herr Perthes, wenn Sie sich den Fall des Schriftstellers Akhanli ansehen: Ist das eine neue Dimension in den Beziehungen der Türkei zu Europa?
Für die Beziehungen der Türkei zu Deutschland, der EU und den Partnerstaaten insgesamt hat das in der Tat eine neue Dimension. Was wir sehen, ist der Missbrauch eines internationalen Kooperationsprojekts für einen politischen Zweck. So etwas kommt in der Regel unter Alliierten nicht vor, durch Interpol gegen einen politischen Gegner vorzugehen.

Drückt sich in dem Vorgehen gegen Akhanli die Absicht aus, Menschen türkischen Ursprungs gefügig zu machen?
Erdogan hat nie richtig anerkannt, dass ein Türke oder eine Türkin mal etwas anderes werden könnte als eben türkisch zu sein. Menschen mit türkischen Wurzeln, die seit Generationen in Deutschland, den Niederlanden oder Österreich leben und auch die Staatsangehörigkeit dieser Länder angenommen haben, bleiben für ihn Türken oder Türkinnen, auch wenn diese sich eher als Westeuropäer oder Deutsche fühlen. Das zeigt sich sowohl in seiner Propaganda nach innen als auch in seinem Auftreten in Richtung Europa. Erdogan akzeptiert es nicht: Er hat vor Jahren türkischstämmige Menschen aufgefordert, sich zu integrieren. Gleichzeitig schreibt er ihnen vor, wie sie zu wählen haben. Das sieht man derzeit etwa an seiner Aufforderung an Deutsche mit türkischen Wurzeln, die hierzulande das Wahlrecht haben, bestimmte Parteien nicht zu wählen.

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