Afghanistan: „Als ob niemand je den Namen einer Frau gehört hätte“


Afghanische Frauen nehmen am 24. August am ersten öffentlichen Event der Kampagne „Where Is My Name“ in Kabul teil. (Foto: AFP)
In Afghanistan ist es Tradition, dass Frauen nicht beim Namen genannt werden, sie werden nur als „Mutter von“, oder „mein Haushalt“ bezeichnet. Eine Kampagne soll das ändern.

Von Johanna Dürrholz | Süddeutsche.de

Als der afghanische Präsident Aschraf Ghani bei einer Rede den Namen seiner Frau nennt, bricht ein Sturm der Empörung los. Nicht, weil Bibi Gul zuvor in Ungnade gefallen war. Sondern weil das Nennen eines weiblichen Namens in Afghanistan Anstoß erregt. „So als ob niemand je den Namen einer Frau gehört hätte“, schreibt Somaia Ramish.

Ramish ist Lokalpolitikerin in Herat und hat kürzlich einen Essay mit dem Titel „Call me by my name“ geschrieben. Tatsächlich, schreibt sie, werden Frauen in Afghanistan in der Regel beim Namen ihres Vaters genannt, bei dem des Sohnes oder des Ehemanns – nie aber bei ihrem eigenen. Vor allem nicht in der Öffentlichkeit, doch auch zu Hause würden Frauen lieber als „Tante“, als „Mutter meines Kindes“, „Meine schwache Hälfte“ oder „Mein Haushalt“ bezeichnet.

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