Bellum judaicum: „Der Wahnsinn der Fanatiker vernichtete Jerusalem“


„In der großen Menge häuften sich die Toten um den Brandopferaltar“, berichtet der jüdische Historiker Flavius Josephus Quelle: picture alliance / CPA Media Co.
Während die Römer im Sommer des Jahres 70 Jerusalem belagerten, tobte in der Stadt ein mörderischer Bürgerkrieg. Am Ende war die Stadt zerstört und das antike Judentum von Grund auf verändert.

Von Berthold Seewald | DIE WELT

In der Stadt tobte ein Kampf jeder gegen jeden. Man kannte keine Rücksicht mehr auf lebende Angehörige, und die Toten begrub man nicht mehr, berichtet der jüdische Historiker Flavius Josephus, der sich beizeiten den Römern ergeben hatte und im Stab ihres Feldherrn das blutige Geschehen verfolgte: „Die Freunde des Friedens mordeten sie als gemeinsame Feinde, sodass das Einzige, worin sie übereinstimmten, die Niedermetzelung derer war, die eine Rettung verdient hätten … keine Art von Grausamkeit ließen sie ungeschehen.“

So sah es aus im Jerusalem des Jahres 70 n. Chr. Seit vier Jahren tobte der Aufstand gegen die Herrschaft der Römer, die ihm den Namen Jüdischer Krieg gegeben hatten. Ganze Regionen waren zerstört, Städte ausgelöscht worden. Doch selbst als die Legionen sich der alten Hauptstadt Jerusalem näherten, verschlissen die Rebellen ihre Kräfte in mörderischen Kämpfen gegeneinander und ließen dabei ihrer Wut gegenüber jenen freien Lauf, die vielleicht das Unglück noch hätten abwenden können.

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