Die Göttlichkeit von Bart und Haarkranz


Orthodoxe Juden, Bild. wdr5
Haare spielen auch in der Religion eine wichtige Rolle. Im Christentum machte sich bereits Apostel Paulus grundlegende Gedanken dazu. Für den Reformator Luther diente der Bart indes lediglich als profane Tarnung.

Von Stefan Reis Schweizer | Neue Zürcher Zeitung

Dass es mit dem Haar auch in der Religion etwas Besonderes auf sich hat, wird an den Überlieferungen in Judentum und Christentum deutlich. Das jüdische Religionsgesetz, die Halacha, konfrontiert heutige Juden mit nicht weniger als 613 Geboten und Verboten. Doch wenn es um Kopfhaare und Bart geht, werden vor allem die Bräuche der Vorväter hochgehalten. Am augenfälligsten ist das bei den Ultraorthodoxen zu beobachten, wie man sie etwa im Jerusalemer Stadtviertel Mea Shearim antrifft. Die Haredim, hebräisch für Gottesfürchtige, folgen einer Jahrhunderte alten Kleiderordnung, männliche Juden tragen dem Klischee entsprechend einen Vollbart und Schläfenlocken, die Pejes. Sie berufen sich dabei auf das 3. Buch Mose: «Ihr sollt nicht rund abnehmen die Seitenenden eures Haupthaares, und nicht zerstören die Enden eures Bartes.»

Eintritt in die Männerwelt

Verheiratete ultraorthodoxe Frauen verbergen aus Gründen der Sittsamkeit ihre Haare unter einer Perücke. Vordergründig erscheint das absurd, denn im Zweifelsfall kann das Kunsthaar attraktiver sein als das natürliche. Dennoch gilt das natürliche Haar als sinnlicher, darum muss es vor den Blicken der Männer geschützt werden. Bei manchen Ultraorthodoxen ist es gar üblich, dass Frauen ihr Kopfhaar komplett abrasieren.

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