Houellebecq über Schopenhauer: Seht her, das ist mein Philosoph!


© PICTURE-ALLIANCE Schreiben unter seinem Blick: Arthur Schopenhauer im Jahr 1845
Gefühllos will die Welt betrachtet werden: Der Schriftsteller Michel Houellebecq wirbt für Arthur Schopenhauer. Doch nicht nur auf ihn hatte der Philosoph großen Einfluss.

Von Helmut Mayer | Frankfurter Allgemeine

Schopenhauer ist ein Philosoph auch jener, die es mit der Philosophie nicht unbedingt so sehr haben. In der philosophischen Zunft ist er mittlerweile wohl doch eher von historischer Bedeutung: Der reduzierte Kant, der von Schopenhauer für die Welt als Vorstellung in Gebrauch genommen wurde, verknüpft mit der Entscheidung, an die Systemstelle des „Dings an sich“ – also des Realen jenseits der Erscheinungen – den Willen zu setzen, hat keine wirklichen Renaissancen einer einst immensen Wirkung hervorgebracht.

Denn Schopenhauer erfuhr ja andererseits seit seinen späten Jahren, als sich ein Publikum für den Außenseiter abzuzeichnen begann, eine Rezeption weit über akademisch eingehegtes Terrain hinaus. Die Einfachheit des Grundrisses seiner Metaphysik ist dafür nicht unwesentlich, aber viel mehr noch, dass die auf sie bauenden Betrachtungen ein kräftig und detailreich ausgemaltes Bild vom blindem Weltgetriebe und dem ihm ausgelieferten individuellen Leben zeichnen: Ein Bild, das sich zwar dunkel-nüchtern ausnimmt, doch auch Erlösungsmomente enthält. Momente, die sich der möglichen reinen, vom Willen losgelösten Anschauung der Dinge und Geschehnisse verdanken, und deren privilegierter Statthalter nicht die Philosophie ist, sondern die Kunst.

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