Ahmadiyya in Deutschland: Liberal, offen – Scharia wertkonservativ


© DPA Volles Haus: Muslime folgen der Predigt in der Karlsruher Messehalle.
Zur sogenannten „Friedenskonferenz“ treffen sich jährlich 40.000 Muslime der Ahmadiyya. In Karlsruhe richtet sich der Kalif an seine Gemeinde aus aller Welt. Wofür stehen die Ahmadiyya-Muslime in Deutschland?

Von Lilian Häge | Frankfurter Allgemeine

Der Bus zum Karlsruher Messegelände ist zum Bersten gefüllt mit Menschen, verschiedene Sprachen werden durcheinander gesprochen. Vorne sitzen die Frauen, die Haare locker bedeckt, hinten die Männer. Auch sie tragen eine Kopfbedeckung. Ein Mann unterhält sich angeregt mit dem Fahrer über das Busfahren, holt sein Smartphone aus der Tasche, scrollt durch die Bilder auf dem Display. Stolz zeigt er Artikel, die über ihn als „der netteste Busfahrer von Bonn“ geschrieben wurden. Er, ein Busfahrer aus Pakistan, sei wegen seiner Hilfsbereitschaft besonders beliebt, er habe sogar einen Preis für Integration gewonnen.

Integration ist das Stichwort der Ahmadiyya-Muslime, die sich zu Zehntausenden für ihr jährliches spirituelles Treffen, der Jalsa Salana, in Karlsruhe versammeln. Etwa 40.000 Teilnehmer aus aller Welt werden erwartet, knapp so viele, wie die deutsche Gemeinde Mitglieder hat. Die weltweite Gemeinschaft der Ahmadiyya gilt als liberal, wenngleich wertekonservativ. Die Mitglieder legen den Islam streng nach den Vorschriften des Koran aus, bezeichnen sich selbst aber als reformistisch und offen.

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