Pressefreiheit in Palästina: Journalisten zwischen den Fronten


In den Autonomiegebieten werden palästinensische Medienvertreter als Faustpfand im Machtkampf zwischen Hamas und Fatah benutzt. Der Spielraum für freie und unabhängige Berichterstattung wird spürbar geringer.

Von Inge Günther | Qantara.de

Den tatsächlichen Grund, warum sie vor über zwei Wochen überhaupt verhaftet wurden, haben die fünf palästinensischen Journalisten bis heute nicht erfahren. Eine Woche lang saßen sie hinter Gittern der Autonomiebehörden im Westjordanland. Jetzt sind die Fünf, die für oppositionelle, teils auch Hamas-nahe Online-Medien arbeiten, wieder auf freiem Fuß. Aber mit konkreten Vorwürfen sei er zu keiner Zeit konfrontiert worden, meinte einer von ihnen, Kotaibeh Kasem, ein Freelancer aus Bethlehem, nach seiner Entlassung. Mit den Sicherheitsbehörden von Präsident Mahmud Abbas hatte er schon öfters Ärger. Diesmal habe er gleich geahnt, „dass es sich um eine politische Festnahme handelte“.

Zugespitzt könnte man sagen, dass die fünf Journalisten den palästinensischen Geheimdiensten in der Westbank als eine Art Faustpfand dienten, um die Hamas in Gaza zur Freilassung eines mit der Fatah verbandelten Reporters zu zwingen. Fuad Dscharada, Gaza-Korrespondent von „Palestine TV“, dem Abbas nahestehenden Nachrichtenkanal, war vor rund zwei Monaten von der Hamas-Polizei ins Gefängnis geworfen worden. Vorletzte Woche ließ sie ihn endlich raus, woraufhin die Autonomiebehörden im Gegenzug besagte fünf Journalisten aus der Haft entließen.

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