„Kirchenasyl ist nie eine Kuschel-Angelegenheit“


Schlafplatz unter dem Kreuz: Flüchtlinge in einer Hamburger Kirche. Foto: dpa
In einigen Härtefällen finden Flüchtlinge in deutschen Gemeinden Kirchenasyl. Das ist für beide Seiten eine Herausforderung.

Von Harald Biskup | Frankfurter Rundschau

Als sich die Tür zu Nezirs und Ayads Zimmer öffnet, dringt wohlig-aromatischer Duft in den schmalen Flur. Die beiden Iraker hocken an einem kleinen Tisch und rauchen mit zwei Freunden Wasserpfeife wie Tausende deutsche Jugendliche. Aber sie treffen sich nicht zum Chillen, bevor es gemeinsam in die Disco geht. Nezir und Ayad haben sozusagen Hausarrest, denn sie dürfen ihre vorübergehende Zuflucht, das Kirchenasyl in der evangelischen Christuskirche im fränkischen Haßfurt, nicht verlassen. Nicht einmal für fünf Minuten. Würden sie von der Polizei aufgegriffen, drohte ihnen die sofortige Abschiebung.

Doris Otminghaus freut sich über den gelegentlichen süßlich-fruchtigen Shisha-Qualm in ihrem Pfarrhaus. „Es sind junge Leute, die versuchen, ein Stück Normalität in dieser wahrlich alles andere als normalen Situation zu leben.“ Die Pastorin hat im Frühjahr vergangenen Jahres Räume für maximal vier Flüchtlinge in auswegloser Lage bereitgestellt, nachdem das Presbyterium mit deutlicher Mehrheit zugestimmt hatte.

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