„Brigade 48“ macht nun in Libyen Jagd auf Flüchtlinge


Themenbild. dpa
Die kriminelle „Brigade 48“ tut das, was die Militärs der EU eigentlich selbst auf legalem Wege mit libyschen Behörden machen wollten. Die Miliz ist eine neue Macht – und äußerst erfolgreich.

Von Christoph B. Schiltz | DIE WELT

Sie sind gut ausgerüstet und äußerst brutal, eine Truppe aus früheren Militärs, Polizisten und Zivilisten. Sie nennen sich „Brigade 48“. Ihr Anführer soll ein ehemaliger Mafioso sein. Sie patrouillieren in den Straßen, überwachen Strände, sie legen sich mit den berüchtigten Menschenschmugglern an und hindern Flüchtlinge daran, nach Europa zu fliehen. Die Miliz ist eine neue Macht vor Ort – und äußerst erfolgreich. Die Bande könnte einen wichtigen Anteil daran haben, dass im Juli und August immer weniger Migranten nach Italien gekommen sind.

Sabratha, eine Hafenstadt im Nordwesten Libyens, 70 Kilometer von der libyschen Hauptstadt Tripolis entfernt: Die Stadt ist einer der Hauptablegeplätze für Flüchtlingsboote nach Italien. Aber seit kurzer Zeit ist das Schmugglergeschäft weitgehend erlahmt. Gerettete Flüchtlinge berichteten laut Internationaler Organisation für Migration (IOM), dass es mittlerweile schwer sei, von Sabratha abzulegen. „Es gibt Leute, die die Boote stoppen, bevor sie herausfahren, und wenn sie es doch schaffen, werden sie sofort zurückgeschickt“, sagte IOM-Sprecher Flavio Di Giacomo. Schleuser Mourad Zuwara sagte der „New York Times“, dass ihn lokale Kräfte daran gehindert hätten, weitere „Operationen“ durchzuführen.