Wie politisch darf Kirche sein?


Das neue Schisma / Illustration: Marco Wagner für Cicero
Deutschland ist ein säkularer Staat. Trotzdem mischt sich die Kirche immer öfter in die Politik ein. Umweltschutz und Flüchtlingshilfe verdrängen Gebet und Bekenntnis. Muss das so sein?

Von Christoph Schwennicke | Cicero

Es hat einige Jahrhunderte gedauert, bis in diesem Kulturkreis Kurie und Krone, weltliche Macht und geistliche Macht, geklärt hatten, wer von beiden das erste und das letzte Wort hat. Kriege wurden darüber geführt, ob der Papst nun den Kaiser oder der Kaiser den Papst benennt. Und wenn gar nichts mehr weiterhalf, dann hat sich ein König im Streitfall auch mal eben zum Kirchenoberhaupt erklärt wie seinerzeit Heinrich VIII. von England.

Im säkularen Staat des christlich geprägten Westens ist die Ordnung inzwischen klar und akzeptiert, die Räume des Glaubens und die der Politik sind voneinander abgegrenzt. Aber natürlich sind die beiden großen Kirchen ein gesellschaftlicher Faktor, und damit immer auch ein politischer Faktor. Im Zuge des Zustroms von Migranten nach Deutschland wieder stärker als lange Zeit zuvor. Die beiden hiesigen Kirchenoberen, Kardinal Reinhard Marx für die Katholiken und Heinrich Bedford-Strohm für die Protestanten, gerieren sich als großkoalitionär-ökumenisches Paar, das den Kurs der Kanzlerin bedingungslos unterstützt und Kritiker in den eigenen Reihen nicht duldet.

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