Es ist verstörend, wie unterschiedlich der Westen Leid wahrnimmt


Der Monsun hat die Stadt Mumbai in Indien schwer getroffen, in den Straßen der Millionenmetropole steht meterhoch Wasser. (Foto: AFP)
Während die Hochwasseropfer in Texas die Schlagzeilen der westlichen Medien füllen, bekommen die Flutgeplagten in Asien nur Randnotizen. Offenbar reicht Leid nicht, um Interesse auszulösen.

Von Arne Perras | Süddeutsche.de

Wer die Aufgabe hat, aus fernen Welten zu berichten, macht manchmal irritierende Erfahrungen. Man sieht bei der Arbeit in armen Ländern vieles, was zum Himmel schreit. Aber will das zu Hause, im fernen Europa, jemand lesen, hören, sehen? Klar, es gibt die sogenannten nachrichtenarmen Zeiten, das berüchtigte Sommerloch, in dem die Gesellschaften in den Wohlstandszonen samt ihrem Politikbetrieb in Ferien sind. Zeitungen haben dann auf einmal Platz für nahezu alles, sogar den Krieg in den Savannen des Sudan. Oder für Naturgewalten, die indische Kinder fortreißen oder Dörfer in Sri Lanka unter Schlamm begraben.

Die Lehre aus diesen schwankenden Erfahrungen lautet: Existenzielles Leid per se reicht nicht, um konsequentes Interesse auszulösen. Viele Faktoren entscheiden darüber, ob es eine Katastrophe in die Abendnachrichten schafft. In der Vermittlung von Informationen ist das Ausmaß der Gefährdung von Menschen kein allgemeingültiges Kriterium. Ansonsten wäre alles einfach. Dann würde die Regel gelten: Die Fluten in Asien sind derzeit besonders groß, also wird groß darüber berichtet.

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