Wurde die Urknalltheorie aus Glauben geboren? Lemaîtres Uratom-Hypothese


Georges Lemaître, Bild: wikimedia.org/PD

Es war ein Physiker und katholischer Priester, Vater Georges Lemaître, der die heutzutage weithin akzeptierte Idee entwickelte, dass das Universum einen Anfang hatte, von ihren Kritikern “Urknalltheorie“ genannt. Was inspirierte ihn, diese Annahmen zu machen? Trafen sich Wissenschaft und Glaube in seiner wissenschaftlichen Theorie, wie unterschied er zwischen den beiden?

Von Dominique Lambert | EAK Rheinland

Ein bedeutender Moment in Georges Lemaîtres Leben war sicherlich der Erste Weltkrieg, der genau dann begann, als er in Louvain seinen Bachelor in Ingenieurwissenschaften erhielt. Er diente zu Beginn des Krieges als Freiwilliger in der Infanterie und später in der Artillerie, und war in wichtige Kämpfe entlang des Flusses Yser verwickelt. Wenn er Zeit hatte zu ruhen, widmete Lemaître sich dem Gebet und dem Studium vieler Bücher. Zum Beispiel studierte er sorgfältig zwei Werke Poincarés, Electricité und Optique. Als er das letztgenannte aufmerksam las, fragte sich Lemaître, ob die Essenz der Materie aus Teilchen (Elektronen) oder Wellen (elektromagnetischen Wellen) besteht. Er suchte nach einer Art einheitlichen Begründung des Universums.

Zur selben Zeit nun meditierte Lemaître über die Bücher der Psalmen und das Buch Genesis der Bibel. Er versuchte für sich eine Auslegung der ersten drei Verse des Buches Genesis zu finden. Dies führte zu einem kleinen Aufsatz mit dem Titel “Les trois premières paroles de Dieu” (“Die ersten drei Worte Gottes”) (Lemaître, 1996a). In dem Aufsatz versuchte er, den biblischen Ausdrücken eine symbolische Bedeutung mit Bezug auf wissenschaftliche Konzepte zu geben (Wasser, Licht, …). Zum Beispiel konstituierte das biblische Licht des “es werde Licht” für ihn die grundlegende Wirklichkeit am allerersten Anfang, welche dem fortschreitenden Entstehen der Materie aus einer Art Kondensation Raum gab. Der biblische Text konnte hier von ihm also als eine Art physikalische Beschreibung verstanden werden.

Der junge Soldat Lemaître sprach mit einigen seiner engen Freunde über diesen Aufsatz. Einer von Ihnen, Joris van Severen, mit dem er viele Diskussionen führte, schrieb in seinem Notizbuch am 17. April 1917, nachdem er von diesem Aufsatz gehört hatte (Lambert 2007, 48):

« Lemaître wird die ganze Wissenschaft verändern…Er wird eine wirkmächtige und wundervolle Kosmogonie errichten»

Auf Fronturlaub in Paris stellte Lemaître seinen Aufsatz dem französischen Schriftsteller Léon Bloy vor. Lemaître war von Bloys Büchern fasziniert, in denen dieser die Botschaft der gesegneten Jungfrau von La Salette vorstellte und verteidigte. Bloy überzeugte Lemaître, seine symbolische Auslegung, die wissenschaftliche Konzepte und biblischen Inhalt vermischte, beiseite zu lassen, einen “Versuch der wissenschaftlichen Interpretation der ersten Verse des Hexameron (des Sechstagewerks)”, wie er sagte (Lemaître 1996a, 109). Lemaître folgte Bloys Rat. Dennoch kann man zwei Stellen aufspüren, in denen die Eingebungen der “Drei Worte Gottes” auch in seinen rein wissenschaftlichen Beiträgen zu Tage treten.

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