Will Gott die Zweitehe?


„Kardinal Kasper sagte in einem Zeit-Interview: ‚Der Papst ändert keine einzige Lehre, und doch ändert er alles‘“ – Zur Bedeutung von Amoris laetitia Ziff. 303.

Von Rainer Beckmann | kath.net

Am Anfang seiner Exhortation „Amoris laetitia“ (AL) weist Papst Franziskus darauf hin, dass „nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen“ (AL Ziff. 3). Hieraus könnte man ableiten, dass er mit seinem nachsynodalen Schreiben keine neue Doktrin und damit keine neue, von der bisherigen Linie abweichende Lehre verkünden will. Dennoch wird dieses Schreiben weithin als etwas Neues verstanden, als eine deutliche Änderung vor allem in Bezug auf den Umgang mit „wiederverheirateten Geschiedenen“. Kardinal Kasper sagte in einem Zeit-Interview: „Der Papst ändert keine einzige Lehre, und doch ändert er alles“ (28.04.2016). Inzwischen haben einige Bischofskonferenzen ganz unterschiedliche Schlussfolgerungen aus Amoris laetitia gezogen. Die Verwirrung um die Bedeutung dieses Schreibens ist offensichtlich.

Die unterschiedlichen Interpretationen betreffen insbesondere einige Stellen in Kapitel VIII. Dort wird in allgemeiner Form der Umgang mit so genannten „irregulären Situationen“ thematisiert. Diese Bezeichnung mag ihre Berechtigung darin finden, mehrere unterschiedliche Situationen sprachlich auf einen Nenner zu bringen, hat aber auch einen großen Nachteil: Sie verharmlost Verhaltensweisen, in denen es der Sache nach um schwerwiegende moralische Verfehlungen geht, nämlich vorehelichen Geschlechtsverkehr, das Führen einer „Zweitehe“ („wiederverheiratete Geschiedene“) und gleichgeschlechtliche Partnerschaften (vgl. KKK 2353, 2357, 2384, 2391).

weiterlesen