Der Kölner Reformationsversuch ist bis heute ein Politikum


Hermann V. von Wied (1477-1552) wagte als hoher Kirchenfürst den Rückgriff auf die Autorität der Bibel Quelle: Wikipedia/Public Domain
1521 hatte der Erzbischof von Köln noch für die Verurteilung Luthers gestimmt. Bald darauf öffnete Hermann von Wied das wichtigste Bistum des Reiches der Reformation. Kaiser und Papst waren alarmiert.

Von Alexander Brüggemann | DIE WELT

Wenn „der Religionssache geholfen“ werden solle, so müsse man „die alten Lehren fahren lassen und nur Gottes Wort des Alten und Neuen Testaments nehmen“, kritisierte der Kölner Erzbischof und Kurfürst Hermann V. von Wied. Und seinen eigens bestellten Reformatoren hielt er vor, sie läsen zu viele Bücher und hätten so „den rechten Geist“ verloren. Die Rückbesinnung allein auf die Worte der Bibel: Das war für Hermann der Schlüssel für eine echte Reform der Kirche.

Und in seiner Position hätte er damit die konfessionelle Landschaft in Deutschland tatsächlich nachhaltig verändern können: Kurköln hätte dem siebenköpfigen Gremium zur Königswahl im Reich nach 1543 beinahe eine protestantische Mehrheit verschafft. Kaiser Karl V. verhinderte mit Säbelrasseln eine Kölner Reformation und setzte im Zusammenspiel mit Papst Paul III. Hermann von Wied 1547 ab.

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