Heute Schleuser, morgen Partner

Bild: FAZ
Libysche Milizenchefs bekommen offenbar Geld dafür, den Menschenschmuggel nach Europa zu unterbinden. Vor Ort stößt das auf scharfe Kritik.

Von Christoph Erhardt | Frankfurter Allgemeine

Der Bürgermeister von Sabratha ist einer der Unzufriedenen. Er giftet gegen die Abmachung mit Milizführern aus seiner Stadt, die dazu beigetragen haben dürfte, dass derzeit in Italien nur noch wenige Migranten ankommen. „Wir werden diesen Deal weder anerkennen, noch werden wir Teil davon sein“, verkündet Hassen Dhawadi. Das habe er auch den Italienern gesagt, die hätten aber abgestritten, etwas damit zu tun zu haben. Die Regierung in Tripolis habe ihre Beteiligung ebenfalls dementiert. Dhawadi steht dem örtlichen Rat vor, der die Verwaltung der libyschen Küstenstadt organisiert, die zuletzt eine wichtige Drehscheibe im Menschenschmuggel nach Europa war. In diesem Sommer, eigentlich Hochsaison für das Schleusergeschäft, sind die Zahlen drastisch zurückgegangen. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) gelangten zwischen dem 1. und 30. August nur noch 3892 Migranten über die Mittelmeeroute nach Italien, vor einem Jahr waren es im gleichen Monat noch 21 294 Menschen gewesen.

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EKD-Synodenpräses Schwaetzer: Manche Volksentscheide suggerieren einfache Lösungen

Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Irmgard Schwaetzer, sieht eine Öffnung der parlamentarischen Demokratie in Richtung Volksentscheide kritisch. „Die Gefahr ist groß, dass sehr emotional entschieden wird und dass sich Themen vermischen“, sagte Schwaetzer dem evangelischen Monatsmagazin „chrismon“(September). Das habe sich bei der Abstimmung zum „Brexit“ in Großbritannien gezeigt, fügte sie hinzu, bei der der Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU verknüpft wurde mit ausländerfeindlichen Parolen.

EKD

Große Bedeutung gewählter Parlamentarier für eine Demokratie

In einem Doppelinterview mit dem Internetaktivisten Gregor Hackmack, Deutschlandchef der Petitionsplattform „change.org“, sagte die frühere Bundesministerin: „Bisweilen lassen sich vermeintlich einfache Lösungen, wie sie bei manchen Befragungen suggeriert werden, aber auch nicht ohne weiteres umsetzen.“ Das ändere sich auch nicht durch einen Volksentscheid. Schwaetzer betonte die Bedeutung von gewählten Parlamentariern für eine Demokratie: „Sie brauchen Personen, denen sie zutrauen, in Krisen die richtige Entscheidung zu treffen.“

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„Muslime sollten sich von Machtfantasien verabschieden“

Blick über die Dächer: Im Vordergrund die Kölner Zentralmoschee mit ihren beiden Minaretten, im Hintergrund der Kölner Dom. (dpa / Henning Kaiser)
Wer den Islam als politische Macht versteht, stelle die Trennung von Staat und Religion in Frage, sagte der Religionswissenschaftler Hartmut Zinser im Dlf. Auch sei es nicht Aufgabe des Staates, „den Islam anzuerkennen“. Vielmehr sollten Muslime „den Islam als Religion anerkennen“.

Hartmut Zinser im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: „Den Islam anerkennen“ – diese Forderung ist immer wieder zu hören. Auf den ersten Blick mag diese Forderung den einen plausibel erscheinen, andere wiederum skeptisch stimmen. Den Islam anerkennen, was soll damit gemeint sein? Dass Muslime als Menschen anerkannt werden, ist wohl selbstverständlich, aber „der Islam“? Wir wollen in dieser Sendung fragen, ob diese Forderung einfach zu schlicht ist, oder ob sie sich präzisieren lässt. Das machen wir mit Hartmut Zinser. Er ist Religionswissenschaftler und Professor an der Freien Universität Berlin – und das seit Jahrzehnten, in denen Hartmut Zinser sich auch auf politischer Ebene mit Ecken und Kanten eingemischt hat. Ich bin mit ihm verbunden – wir zeichnen dieses Gespräch auf –, verbunden in unserem Studio in Berlin. Guten Morgen, Herr Zinser.

Hartmut Zinser: Guten Morgen.

Main: Wenn Sie diese Forderung hören, den Islam anerkennen, was geht Ihnen als Erstes durch den Kopf?

Zinser: Also, als Erstes geht mir durch den Kopf, die Merkwürdigkeit der Formulierung, nämlich die Verwendung des militärischen Imperativs. Das ist das Erste, da frage ich mich, was das soll. Aber gut.

Als Zweites geht mir durch den Kopf: Was soll anerkannt werden? Denn es gibt viele Formen des Islam, also der sunnitische, der schiitische, dann innerhalb, also einzelnen islamischen Gruppen. Wir haben in Berlin, glaube ich, 99 verschiedene Moscheegemeinschaften. Also, welche von denen sollte anerkannt werden? Und das ist die nächste Frage, die mir durch den Kopf geht.

Und dann natürlich die Frage: Als was soll der Islam anerkannt werden, als Religion? Das ist ja wohl unbestritten, dass der Islam eine Religion ist.

Und schließlich noch die Frage: Von wem? Vom Staat? Von den Bürgern? Von der Gesellschaft? Vielleicht von den Moslems selber?

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Rundfunkbeitrag wird dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt

Themenbild
Deutsche Quasi-Steuer könnte eine genehmigungspflichtige Subvention sein

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das Landgericht Tübingen dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg (EuGH) 3. August mehrere Fragen zum deutschen Rundfunkbeitrag vorgelegt. Diese Fragen betreffen zwei Rundfunksbeitragsverfahren mit den Aktenzeichen 5 T 20/17, 5 T 99/17 und 5 T 246/17.

Der Tübinger Richter Matthias Sprißler möchte in Luxemburg unter anderem prüfen lassen, ob die Zwangsabgabe, die seit 2013 auch erwiesene Nichtnutzer zahlen müssen, europarechtlich gesehen eine „Beihilfe“ – also eine Subvention ist. Diese Frage ergibt sich nicht nur aus dem Konkurrenzverhältnis zu privaten Radio- und Fernsehsendern, sondern auch aus den Aktivitäten von ARD und ZDF im Internet, wo sie inzwischen nicht nur Texte anbieten, sondern auch YouTuber bezahlen, in deren Inhalte ein Gemeinnutzen noch weniger sichtbar ist als in Degeto-Produktionen, Soaps und Volksmusikshows.

Kommt der EuGH zum Ergebnis, dass ein auch von Nichtnutzern zu zahlender Zwangsbeitrag für solche Angebote eine Subvention ist, dann müsste diese der EU-Kommission zur Genehmigung vorgelegt werden. Solch eine Genehmigung ist aufgrund der hegemonialen Position Deutschlands in der EU zwar wahrscheinlich, aber nicht sicher. Kein Eingriffsrecht hat die EU-Kommission in der ebenfalls von Tübinger Landgericht aufgeworfenen Frage, ob es nicht dem auch im Europäischen Recht verankerten Gleichbehandlungsgrundsatz widerspricht, dass öffentlich-rechtliche Sendeanstalten (wie sonst nur Behörden) Bescheide ausstellen und vollstrecken können. Bejaht der EuGH hier einen Verstoß, müssten ARD und ZDF stattdessen Verfahren nutzen, die auch normalen Unternehmen zur Verfügung stehen.

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Lidl wegen Werbeplakat mit der Kirche übers Kreuz

Primas Dominik Duka ist empört wegen Lidl-Plakaten – AFP (ALBERTO PIZZOLI)
Die Supermarktkette hat Kreuze von griechischen Kirchen auf Werbungsplakaten wegen „Bewahrung religiöser und politischer Neutralität“ gelöscht. Politiker und der Prager Erzbischof protestierten.

Die Presse.com

Die Supermarktkette Lidl hat in Tschechien mit Werbungsplakaten zur „Griechischen Woche“ für Aufsehen gesorgt. Auf den Plakaten ist die Insel Santorini zu sehen, Kreuze orthodoxer Kirchen wurden jedoch im Nachhinein entfernt. Die katholische Kirche sowie einige Politiker reagierten daraufhin empört, wie tschechische Medien am Montag berichteten.

Der Prager Erzbischof und tschechische Primas Dominik Duka verurteilte den Vorgang als „beispiellosen und ungebildeten Akt“. „Bisher geht es ’nur‘ um Fälschung von Fotos, allerdings gibt es Befürchtungen, dass es bald zur tatsächlichen Beseitigung von Kreuzen an Kirchen kommen kann“, schrieb Duka in einem Brief an den griechischen Botschafter in Prag. Die europäische Zivilisation habe mehrere Wurzeln, wobei die griechische Demokratie und Philosophie eine der wichtigsten sei, so Duka.

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Gutachten des Bundestages: Libyen verstößt gegen Völkerrecht

Bild: bb
Libyen verstößt aus Sicht der Juristen des Deutschen Bundestages mit der Behinderung von Seenotrettern weit vor seiner Küste gegen das Völkerrecht.

evangelisch.de

„Das Recht auf freie Schifffahrt gilt auch für eine Such- und Rettungs-Zone jenseits des Küstenmeeres“, zitiert die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Montag) aus einem Gutachten der Wissenschaftlichen  Dienste des Parlaments. Ein Staat dürfe Schiffen nicht die Einfahrt in diese Gewässer verwehren.

Zwar habe ein Staat in dieser Zone gewisse Kontrollrechte, müsse aber das Recht auf freie Seefahrt respektieren: „Die Behinderung von Seenotrettungsoperationen fällt nicht darunter.“

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Antidepressiva jetzt auch im Fisch

Rückstände von Antidepressiva reichern sich offenbar in Flussbewohnern wie diesem Steinbarsch an. © Public domain
Unfreiwillige Psychopharmaka-Therapie: Das Wasser von Flüssen und Seen ist inzwischen auch mit Rückständen von Antidepressiva belastet – und diese reichern sich in Fischen an, wie eine US-Studie belegt. Bei Probefängen im Niagara-Fluss hatten alle Fische erhöhte Werte der Arzneimittel im Gehirn. Die Forscher befürchten, dass die Antidepressiva das Verhalten der Fische verändern und eine Bedrohung für die Biodiversität darstellen könnten.

scinexx

Ob Antibiotika, Verhütungsmittel oder Psychopharmaka: Mit unserem Abwasser gelangen immer mehr Medikamentenrückstände in Flüsse und Seen, weil die Kläranlagen diese Wirkstoffe nicht vollständig entfernen können. Für die dort lebenden Tiere bleibt das nicht ohne Folgen. So ändern in mit Chemikalien geschwängerten Gewässern heimische Fische ihr Verhalten oder erleben männliche Frösche und Kröten eine  unfreiwillige  Geschlechtsumwandlung.

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Woelki: EU-Flüchtlingsdeal mit Libyen ist zynisch

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Die aktuelle Flüchtlingspolitik bringt den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki in Rage. Im Mittelmeer seien schon wieder mehr als tausend Flüchtlinge qualvoll ertrunken, sagte er am Sonntag im Kölner Domradio. „Ertrunken im schönen blauen Badewasser, wo viele von uns gerade noch ihre Urlaubsfreuden hatten. Da kann und will ich nicht zur Tagesordnung übergehen!“

Radio Vatikan

Durch „staatliche und private Initiativen“ seien zwar Zehntausende von Menschen gerettet worden, so Woelki, der sich für den Videobeitrag an den Rhein gestellt und eine moderne Schwimmweste um den Hals gelegt hatte. Doch angesichts der neuen Berichte über Ertrunkene fühle er sich „hilflos“. „Jeder einzelne tote Flüchtling ertrinkt auch in unserer Gleichgültigkeit!“

Manche sagten ihm, dass die Zahl der Flüchtlinge doch „deutlich zurückgegangen“ sei, gerade auf der Route von Libyen nach Italien. „Ja, aber doch nur deshalb, weil Notleidende auf europäischem Boden unerwünscht sind.

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Suburbicon, ein wütender Film über weiße Privilegien

Szene aus dem Film „Suburbicon“ © Paramount Pictures
Hollywood-Star George Clooney stellt in Venedig seine sechste Regiearbeit „Suburbicon“ vor: eine blutige und böse Satire auf das Saubermann-Image der amerikanischen Vorstädte.

Von Barbara Schweizerhof | MiGAZIN

Entgegen seinem Traumfabrik-Image kann das Kino manchmal auch geradezu unheimlich aktuell sein: Gerade erst ein paar Wochen ist es her, dass die Bilder aus Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia um die Welt gingen – Bilder, die junge, weiße Männern unter anderem mit Nazi-Parolen auf den Lippen und Südstaatenflaggen in den Händen zeigten. Das charakteristische blaue Schragenkreuz auf rotem Grund hat auch einen prominenten Auftritt in „Suburbicon“, dem neuen Film von George Clooney, den er auf dem 74. Filmfestival in Venedig vorstellte. Ein weißer Vorstadtbewohner platziert es mit Triumphgeste im zerschlagenen Fenster seines schwarzen Nachbarn. Clooneys Film spielt in den späten 50er Jahren und zitiert mit dieser Szene eine reale Begebenheit von damals. Wie nah er den Geschehnissen von 2017 damit kommen würde, konnte Clooney bei den Dreharbeiten noch nicht wissen.

Die Aktualität von „Suburbicon“ überrascht nicht nur, weil der Film in einer Zeit vor 70 Jahren spielt, deren Vorurteile man heute überwunden glaubt. Sondern auch weil das zugrundeliegende Drehbuch der Brüder Joel und Ethan Coen schon viele Jahre alt ist. Clooney erzählte auf der Pressekonferenz am Lido, dass ihn der Präsidentschaftswahlkampf 2016 darauf gebracht habe, nach historischen Vorbildern für das Minderheiten-Bashing und Rufe nach dem Mauerbau zu forschen.

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Salafisten-Imam ruft zum Überfall auf Rom auf

Abu Qatada, 7. Juli 2013. Bild: wikimedia.org/CC BY 2.0 – UK Home Office

Der salafistische Imam Abu Qatada Al-Filastini ruft im Internet zum „Überfall auf Rom“ auf: „Unser heutiger Weg ist ein Krieg des Islam gegen Ungläubige und Sunniten gegen Ketzer.“

kath.net

Der salafistische Imam Abu Qatada Al-Filastini ruft im Internet zum „Überfall auf Rom“ auf. Dies berichtet die „Krone“. „Unsere Rivalen akzeptieren nur Vernichtung. Entweder wir oder sie. Wenn wir den Banner des wahren Islam erheben und annehmen, nicht die gefälschte Version, in der Muslime gegen Nicht-Muslime kapitulieren, werden wir den Islam des Ruhms und einen Islamischen Staat hochhalten“, erklärt der Imam in einem Video.

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Verschollene Briefe von Alan Turing entdeckt

In Manchester wurden 148 verschollene Diokumente des Mathematikers und Codeknackers Alan Turing entdeckt. © University of Manchester
Historischer Zufallsfund: In Manchester haben Forscher verschollene Briefe und Notizen von Alan Turing entdeckt – dem Mathematiker, der den Code der Enigma knackte und der als einer der Väter des Computers gilt. Die historischen Dokumente lagen mehr als 30 Jahre lang vergessen in einem Lagerraum der Universität. Sie geben spannende Einblicke in Turings Arbeitsalltag nach dem Krieg und auch in einige seiner Ansichten.

scinexx

Der britische Mathematiker Alan Turing hat gleich in mehrerer Hinsicht Bahnbrechendes gelistet. Er erfand die Zweiteilung des Computers in eine Hardware und eine programmierbare Software. Schon in den 1950er Jahren entwickelte der Forscher zudem den ersten Intelligenztest für künstliche Intelligenzen – den Turing-Test. Und im Zweiten Weltkrieg halfen seine Codeknacker-Maschinen den Alliierten dabei, den mit der Enigma verschlüsselten Funkverkehr der deutschen Kriegsmarine zu dechiffrieren.

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Vom Rechtspopulismus zum Rechtsterrorismus

Neue Enthüllungen zeichnen ein alarmierendes Bild der extremistischen Rechten in und um die AfD. Nach langem Schweigen und Abwiegelungsversuchen seitens der Parteiführung ist es nun publik geworden, dass mehrere AfD-Mitglieder in rechtsterroristischen Strukturen verwickelt gewesen sind. Wie weit die Verstrickungen der AfD in den sich formierenden Rechtsterror reichen, kann aber noch nicht abgeschätzt werden.

Von Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Vor Kurzem meldete der Spiegel, dass der Komplize des mutmaßlichen Rechtsterroristen und Bundeswehrsoldaten Franco A. ein AfD-Mitglied ist. Der Oberleutnant wurde im April 2017 verhaftet, da er gemeinsam mit zwei Gesinnungsgenossen Anschläge auf Politiker und Prominente plante, die er Islamisten in die Schuhe schieben wollte. Hierzu hat Franco A. sich unter falscher Identität als Asylbewerber registrieren lassen.

Der AfD-Mann Maximilian T., dessen Verhaftung als mutmaßlicher Komplize schon im Frühsommer 2017 erfolgte, war ebenso wie der Hauptbeschuldigte Franco A. im Jägerbataillon 291 im französischen Illkirch stationiert. Der AfDler Maximilian T. war gemeinsam mit Franco A. daran beteiligt, eine Waffe auf dem Wiener Flughafen zu verstecken. Überdies hat einer eine Todesliste mit dem Titel „Politik und Medien“ erstellt.

Bislang leugnete die AfD-Führung rundweg jegliche Beteiligung ihrer Mitglieder an den zunehmenden rechtsterroristischen Umtrieben in der Bundesrepublik. Nachdem die Parteiführung eine Parteimitgliedschaft der Mitglieder der mutmaßlichen Bundeswehr-Terrorzelle im Mai noch abstritt, sah sich nun ein Pressesprecher der AfD gezwungen, die Parteizugehörigkeit von Maximilian T. zu bestätigen.

Inzwischen ist die AfD in einen zweiten Skandal um rechtsterroristische Strukturen in Mecklenburg-Vorpommern verwickelt. Der stellvertretende Fraktionschef der AfD im Schweriner Landtag, Holger Arppe, musste nach der Veröffentlichung seiner Chatprotokolle seinen Posten räumen und die Fraktion der AfD verlassen. Neben der Äußerung kinderpornographischer Gewaltfantasien, die offensichtlich charakteristisch für die extreme Rechte sind, ist Arppes politische Haltung hochbrisant.

Der AfD-Politiker sprach sich dafür aus, Gewalt gegen politische Gegner anzuwenden – in einer Rhetorik, die der menschenverachtenden Sprache der NSDAP gleicht. Er wolle „das rot-grüne Geschmeiß auf das Schafott“ schicken, und die Gegner der Neuen Rechten in Deutschland „an die Wand stellen“, hiernach in „eine Grube“ schmeißen und „Löschkalk obendrauf streuen“. Damit will Arppe letztendlich das Vorgehen der deutschen Polizeibataillone beim Vernichtungskrieg in der Sowjetunion imitieren.

Zugleich geht aus den Chatprotokollen hervor, dass die AfD-Größe Arppe Kontakte zu den mutmaßlichen Rechtsterroristen hatte, gegen die sich jüngst Razzien des Bundeskriminalamtes in Rostock und dem Landkreis Ludwigslust-Parchim richteten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern sollten von den Verdächtigen Anschläge und Attentate geplant und Todeslisten angelegt worden sein. Über den Kommunalpolitiker und Anwalt Jan Hendrik H., der neben einem Polizeibeamten im Zentrum der Terrorermittlungen steht, hatte sich Arppe 2015 bereits zustimmend geäußert:

Typ würde perfekt in unsere Reihen passen. Er hasst die Linken, hat einen gut gefüllten Waffenschrank in der Garage und lebt unter dem Motto: Wenn die Linken irgendwann völlig verrückt spielen, bin ich vorbereitet.

Arppe

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Ermittlungen gegen früheren Kirchenasyl-Koordinator

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Kirchenasyl-Koordinator der bayerischen evangelischen Landeskirche, Stephan Theo Reichel. Die Landeskirche bestätigte am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Online).

evangelisch.de

Ein Polizist habe ihn telefonisch über das gegen ihn laufende Verfahren informiert und ihn befragt, wird Reichel zitiert. Damit werde erstmals gegen einen Vertreter der Landeskirche juristisch vorgegangen, kritisierte er. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt erklärte laut „Süddeutscher Zeitung“, hinter den Ermittlungen gegen Reichel stehe „keine neue Linie“. Reichel werde als Beschuldigter geführt, weil sein Name in einem Brief einer Kirchengemeinde auftauche. Reichel hatte eine Gemeinde in Nordbayern beraten, die Afghanen vor der Abschiebung schützen will.

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AfD und Identitäre – ganz nah dran

Jana Schneider sagt, sie sei bei dem Treffen mit der IB noch kein AfD-Mitglied gewesen. Foto: Paulus Ponizak (Paulus Ponizak)
Offiziell schließen AfD und Junge Alternative eine Zusammenarbeit mit der Identitären Bewegung aus. Die Realität ist eine Andere, wie der Fall der thüringischen JA-Vorsitzenden Jana Schneider zeigt.

Von Danijel Majic | Frankfurter Rundschau

Es sind immer dieselben drei Wörter, mit denen Jana Schneider in deutschen Medien beschrieben wird: Jung, lesbisch, AfD. Zwei Schlagworte, die einen alternativen Lebensstil nahelegen, gefolgt vom Akronym einer Partei, die für das genaue Gegenteil steht.

Jana Schneider ist eine Exotin: Vorsitzende der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative in Thüringen, Mitarbeiterin der thüringischen Fraktionsvizechefin Wiebke Muhsal, das auffällige Gesicht einer Rechtskonservativen. Wilde braune Locken umrahmen ein junges Gesicht mit breiten Lippen und schmalen Augen hinter eine etwas zu großen Brille. Jana Schneider fällt auf – auch auf Fotos.

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Endstation Wüste für den Konvoi der IS-Kämpfer

foto: imago / xinhua Ein Teil des noch kompletten Konvois, noch mit Rettungswagen: Der IS reist in klimatisierten Bussen.
Hätten sie nicht Kinder bei sich, wären sie wohl bereits tot: In der syrischen Wüste sitzt ein Konvoi mit IS-Kämpfern fest

Von Gudrun Harrer | derStandard.at

Der „Islamische Staat“: ein humanitärer Fall? Wenn es nach den Darstellungen ausgerechnet der libanesischen Hisbollah geht, dann gilt das zumindest für eine Gruppe von IS-Kämpfern in Syrien. „Ausgerechnet“ deshalb, weil ja Daesh, so die arabische Bezeichnung für den IS, das erklärte Ziel hat, die Schiiten im Nahen Osten auszumerzen. Und dennoch bemüht sich die schiitische Hisbollah, eine Gruppe von „Daeshis“ in Sicherheit zu bringen.

Ein Buskonvoi mit IS-Kämpfern und deren Familien, ursprünglich etwa 600 Menschen, sitzt seit einigen Tagen in der ostsyrischen Wüste fest. Die USA sorgen aus der Luft dafür, dass die Busse nicht, wie geplant, in IS-kontrolliertes Gebiet an der irakischen Grenze weiterfahren können, und verhindern, dass den Konvoi Hilfe von IS-Seite erreicht. Dabei haben sie die Straße und eine Brücke auf dem Weg zerstört sowie eine Gruppe von etwa 85 IS-Kämpfern, die sich dem Konvoi nähern wollten, getötet.

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Von Terror nicht erpressen lassen

Michael Wolffsohn, 2015, © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Historiker Michael Wolffsohn hat im Zusammenhang mit der umstrittenen Antisemitismus-Dokumentation Vorwürfe gegen Arte und den WDR erhoben.

evangelisch.de

Die Sender hätten die Dokumentation nicht ausstrahlen wollen, weil sie neben dem rechten und linken auch schonungslos den islamischen Antisemitismus beschrieben habe, erklärte Wolffsohn in einem Beitrag für das evangelische Monatsmagazin „chrismon“ (September): „Die Sendeanstalten befürchteten Terror als Rache.“

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Australien: „Stoppt die Schwuchteln“

Im Visier der Konservativen: Homosexuelle, hier bei einer (nicht anerkannten) Massenhochzeit in Melbourne Quelle: Getty Images
Die Australier sollen über die Ehe für alle abstimmen. Christlich-konservative Gruppen reagieren mit einer aggressiven Kampagne. Aber auch homosexuelle Aktivisten kämpfen gegen das geplante Referendum.

Von Maren Osterloh | DIE WELT

Die Plakate waren auf einmal da. Mitten im australischen Melbourne, das in diesem Jahr zum siebten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt wurde. Motiv der Poster: Ein blondes Kind, zusammengekauert auf dem Boden, links und rechts sind zwei Erwachsene angedeutet, die sich ihm mit regenbogenfarbenen Gürteln bedrohlich nähern.

„92 Prozent aller Kinder von homosexuellen Paaren werden misshandelt, 40 Prozent aller Kinderschänder sind homosexuell“, behaupten die Plakate. „Stoppt die Schwuchteln“, steht in großen Buchstaben darüber. Sie platzen mitten in die Vorbereitungen der australischen Volksabstimmung über die Ehe für alle. Der Aufschrei lässt nicht lange auf sich warten, über die sozialen Netzwerke verbreitet sich rasend schnell ein Post mit den Plakaten. Der Stadtrat von Melbourne schickt einen Polizisten, um zu ermitteln, doch die Plakate sind verschwunden.

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The Case for Cosmic Pantheism

Einstein, a professed pantheist, wrote that he experienced a “cosmic religious feeling,” a persistent awe at the “sublimity and marvelous order” of the universe. He was not alone. Credit. Internet Archive
Aren’t those opposites?” people often ask me, when they discover I study science and religion. As a professor of religious studies, I am particularly drawn to the places where religion and science seem antagonistic, but turn out to be entwined. The multiverse, I would argue, is one of those places. This may come as a surprise, because the multiverse is so often used as an argument against the existence of God.

By Mary-Jane Rubenstein | Nautilus

The multiverse hypothesis has been around since the late 1950s, but it gained traction in the late 1990s when physicists discovered dark energy, or the cosmological constant. When it comes to the mass of the electron or the strength of the nuclear forces, nearly any other value would have prevented the emergence of life as we know it. As for the cosmological constant, nearly any other value would have prevented the emergence of the universe itself. So, this discovery forced physicists to confront a question they had been avoiding for decades: Why is the universe so well suited to our existence? The weakest answer is that it’s just a brute fact. If the constants of nature were any different, then we wouldn’t be here to ask why we’re here. The strongest answer verges on theism: The cosmological constant is so improbably small that a godlike fine-tuner must have fashioned it into existence.

But maybe there is another explanation. Physicist Steven Weinberg argues that the multiverse explains our existence without appealing to an extra-cosmic creator, because if there are an infinite number of universes, then every possible value is out there somewhere. We just happen to live in one of those Goldilocks universes where the constants are just right, but there are an infinite number of other universes where they aren’t. This purported resolution to the fine-tuning problem has prompted other physicists in addition to Weinberg, such as Lawrence Krauss, Stephen Hawking, and Leonard Susskind to argue that the multiverse obliterates God as an explanatory principle.

There are deities emerging from multiverse scenarios that we might miss if we’re only focused on the father-God of classical theism.

Of course, the multiverse does not disprove the existence of God. A theist can always argue that God created the multiverse that created the universe. But it seems to me there are other sorts of deities emerging from numerous multiverse scenarios—unexpected figures that we might miss if we are only focused on proving or disproving the father-God of classical theism.

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