Der Gottesanbeter als Gottesmörder?


©Oliver Schopf(mfG) derStandard.at
Ilona Jerger hat mit „Und Marx stand still in Darwins Garten“ einen fulminanten dokumentarischen Roman veröffentlicht.

Von Rainer Grießhammer | Badische Zeitung

Aus der Biologie weiß man, dass die Gottesanbeterin, ein seltsam schönes Insekt, bei der Fortpflanzung gern mal das begattende Männchen auffrisst, sozusagen als Kollateralschaden. Der Biologe Charles Darwin betete zu Gott, stellte aber mit seinem wissenschaftlichen Werk „Die Entstehung der Arten“ und der Evolutionstheorie ohne Absicht die kirchliche Schöpfungslehre in Frage. Wurde er deshalb vom Gottesanbeter zum Gottesmörder? So sahen es jedenfalls im 19. Jahrhundert die meisten Zeitgenossen und vor allem die Kirchenoberen. Die wissenschaftlich-theologischen und auch noch familiären Verstrickungen Darwins inspirierten Ilona Jerger zu einem fulminanten dokumentarischen Roman.

Bekannt ist Jerger als Sachbuchautorin, ehemalige Leiterin des Freiburger Ökomedia-Filmfestivals und bis 2011 Chefredakteurin der Zeitschrift natur. In ihrem Roman fließen Fiktion und Fakten, historische Begebenheiten und Passagen aus Originalbriefen unmerklich zusammen. Als Leser ist man immer wieder verblüfft – war das wirklich so? Oder nur toll erfunden? Wer mag, kann das am Schluss in dem kurzen Anhang zum Roman überprüfen. Es stimmt mehr, als man denkt.

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